Deine getanzten Tänze kann die niemand mehr nehmen.

Kolumne | Instagram, das schöne Leben und der Neid.

Kolumne Neid Instagram„Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“
Charles-Louis de Montesquieu

Es ist Sonntagnachmittag und ich scrolle durch meine Instagram Timeline. NEID! Da sind sie wieder. Die schönen, schlanken Mädels mit den aufgeräumten, durchgestylten Wohnungen und den Zehen im Sand. Hier ist Kranksein, Wäscheberg und Staubsaugen angesagt. Bei dir ist es vielleicht das schreiende Kind, wo du doch eigentlich gerade in das gute Buch schauen wolltest, die nächste Rechnung, die den ersten Urlaub seit Jahren in noch weitere Ferne rücken lässt oder der Gedanke an die doofe Kollegin morgen, die dir morgen garantiert wieder den ganzen Tag versaut.

STOP!

Kopf hoch, Brust raus, Arsch hoch. Lassen wir uns nicht klein reden. Weder von anderen, noch von der inneren Stimme, die manchmal einfach mal die Klappe halten sollte. Schauen wir auf das, was wir erreicht haben. Die Situationen, in denen wir über uns hinaus gewachsen sind. In denen wir nicht den einfachen, sondern den steinigen Weg gewählt haben, der uns einiges an Kraft, Tränen und Schweiß gekostet hat, uns am Ende dem Ziel aber ein wenig näher gebracht hat. 

Wir sind in dieser Form, mit diesem Herzen und diesem Geist mit all unseren Erinnerungen und Erfahrungen nur einmal hier. Lasst uns das zum Fest machen! Es gibt keine zweite Chance. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir zurückschauen werden. Und da möchte ich mehr „Genau so noch einmal!“ als „Verdammt, hätte ich doch bloß.“ denken.     

Aber machen wir uns nichts vor: Die wenigstens von uns sind in der Lage zu 100% ihr Traumleben zu führen. Vielleicht – sehr wahrscheinlich sogar – müssen wir tagtäglich einer Arbeit nachgehen, die nicht immer  unbedingt unsere erste Wahl ist. Die wir manchmal sogar richtig sinnlos und nicht erfüllend finden. Vielleicht müssen wir uns mit unfreundlichen Menschen abgeben, denen wir eigentlich gerne mal ins Gesicht sagen würden, wie ätzend sie nicht. Es aus Gründen aber nicht können. Vielleicht gibt das Konto auch nicht jedes Jahr drei Reisen ans andere Ende der Welt her und der Kleiderschrank kein Fashionbloggerdasein. Da darf man schon mal Neid verspüren.

Und da sind sie wieder, diese perfekten Illusionen im Netz. Es gibt dieses Poster mit dem Satz
„I will not compare myself to strangers on the internet.“ Wenn das mal so einfach wäre…
„Sie sieht einfach umwerfend aus in dieser Jacke. Die brauch ich auch.“ „Sie ist so beliebt. Wenn ich versuche ein bisschen mehr zu sein wie sie, dann färbt das sicherlich auf mich ab.“ Um später frustriert festzustellen, dass uns das nur weniger Kohle auf dem Konto, Kopfzerbrechen und noch mehr Neid beschert. Und Neid macht hässlich. Und sehr, sehr einsam. 

Am Ende ist es sowieso irrelevant, ob der Lifestyle, der uns da präsentiert wird echt ist oder eine große Illusion. Wir werden es höchstwahrscheinlich nie herausfinden und können es – egal wie das Ergebnis ausfällt – auch nicht ändern. 

Throw Kindness Around Like Confetti!

Was wir aber ändern können ist ist unsere Einstellung. Zu uns und dazu, wie wir mit solchen Situationen umgehen. Denn glücklich(er) sein hängt nicht von Fame, Geld oder Besitz ab. Blablabla. Wissen wir. Predigen uns schon unsere Mütter. Aber hey: Da ist was dran! 

Ob wir glücklich sind, entscheiden wir jeden Tag aufs Neue. Es gibt dieses abgenudelten Satz, dass alles, was du aussendest zu dir zurück kommt. Wie man in den Wald hinein ruft… Ich habe es in den letzten Monaten zur Genüge getestet. Und tatsächlich manch angespannte Situation so entschärfen können. Zugegebenermaßen war ich danach immer ziemlich baff. Aber: It’s that easy!
Klar ist es nicht einfach, Montagfrüh wie der frische Morgen vor dem Badspiegel zu stehen und seine Vibes auf positiv zu kalibrieren. Aber es ist einen Versuch wert. Wir haben nichts zu verlieren. Wenn wir es aber nicht tun, dann verlieren wir manchmal sogar uns selbst.

I will not compare myself to strangers on the internet!

10 Gedanken zu „Kolumne | Instagram, das schöne Leben und der Neid.

  1. Lila

    Danke, liebe Kathrin. Wahre Worte, die einem viel öfter gesagt werden müssten. Ich glaube, ich brauche dieses Poster. 😁 Zusätzlich zu dem, das mich daran erinnert, dass auch die anderen nur mit Wasser kochen.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.
    Liebste Grüße Lila

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  2. Vera

    Tolle Kolumne Kathrin! Wenn ich mich bei solchen Gedanken ertappe, erinnere ich mich immer daran, wie viel von meinem Leben NICHT auf Instagram ist. Schließlich ist Instagram eine Art Fenster, dass nur ausgewählte und ideale Momente eines ganzen, facettenreichen Lebens zeigt 🙂
    Liebe Grüße
    Vera

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  3. Kati

    Deswegen nutze ich bis heute kein Instagram und auch Facebook nur „kontrolliert“. Blogs lese ich dafür umso mehr, aber eigentlich wenig Lifestyle-Zeugs, mehr in Richtung NK.
    Man kann dem ständigen Vergleichen mit der besten Einstellung nicht entkommen, denke ich, deswegen sollte man sich vielleicht nicht allen Einflüssen und Reizen aussetzen, die das Netz so bietet.
    Und dabei arbeite ich sogar in dieser Sparte – bin also eigentlich total „Pro-Internet“ 😀

    Liebe Grüße,
    Kati

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    1. Kathrin Beitragsautor

      Danke für dein Feedback. Ich sehe die Gefahr vor allem bei den ganz jungen Usern. „Im Alter“ klärt man ja – hoffentlich – doch etwas ab und bewertet manches anders 😉

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  4. Julia

    Oh ja, der Neid. Ganz hässliche Angelegenheit… Aber manchmal gibt es Tage, da kann ich ihn auch einfach nicht beiseite schieben oder in etwas positives „umwandeln“. Dann lass ich ihn einfach sein Ding machen in dem Wissen, dass das nur vorübergehend ist. 😉 Denn meistens, wenn er aufkommt, frage ich mich, warum eigentlich: Ist es, weil ich etwas sehe, dass ich auch möchte? Wenn ja, was hält mich davon ab es zu tun? Oder – und das kommt häufiger vor als gedacht – ist er nur eine schlechte Angewohnheit, ein blödes Verhaltensmuster, dass man per se erstmal neidisch ist, wenn man bei anderen was schönes sieht? Denn oft stell ich dann fest, dass ich das für mich selbst doch nicht möchte – auch wenn es mir bei anderen gefällt. Aber es hat ne Weile gedauert, bis ich das für mich erkannt habe. 🙂

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  5. Jan

    word 🙂

    auch wenn es schwer fällt aber genau so sollten wir unsere Leben führen. Wichtig ist, was wir von uns halten und das zu ändern, was wir ändern können. JEDER Mensch hat Probleme nur viele wissen sie gut hinter durchgestylten Social Media Kanälen zu verstecken und leben davon den Neid von anderen zu provozieren.

    Von daher! i will not compare myself to some strangers on the internet! 😉

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