Das Grunz-Mobil in Lübeck

Vor einigen Wochen bekam ich per Mail den Hinweis, dass die Albert-Schweitzer-Stiftung mit ihrem Grunz-Mobil endlich den Weg nach Lübeck, und damit in die nächstgrößere Stadt, gefunden hat. Franzi und ich habe nicht lange überlegt und beschlossen einen Abstecher dorthin zu machen. Obwohl ich wusste, dass ich an diesem Tag erst gegen Mittag von einer dreitägigen Kindergartenfreizeit wiederkommen sollte. Eigentlich eine wahnwitzige Idee.

Aber was tut man nicht alles für seine Ideale und so setzten wir uns tatsächlich in den Zug und fuhren in die Hansestadt. Trotz Schlafmangel und blanker Nerven. Mitten in der Innenstadt trafen wir dann auf den kleinen Bus mit dem großen Schwein auf dem Anhänger. Schnell war klar, dass wir nicht nur mal eben vorbeischauen, sondern auch mit anpacken wollten. Nach einer kurzen Einweisung (Zum Glück habe ich schon reichlich Erfahrung in der „Straßenarbeit“) ging es dann auch schon los. Die Mission war Menschen über Massentierhaltung aufzuklären und sie „selbst, wenn die Fleisch mögen…“  zu ermutigen im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand zu schauen und über ihren Fleischkonsum nachzudenken. Woher kommt mein Fleisch? Esse ich vielleicht zu viel Fleisch? Das Credo war hierbei nicht militant oder absolut zu sein, sondern zum Denken anzuregen. Ein bisschen besser (veganer ;)) geht immer.

Ich kenne Lübeck gut und war auf alles gefasst. Ein nicht kleiner Teil der Menschen war offen und nahm unsere Broschüre sehr gern entgegen. Nicht wenige trugen sich auch für den Newsletter der Albert-Schweitzer-Stiftung ein, die regelmäßig über Aktionen, Rezepte, Petitionen und vieles mehr informiert. Viele machten jedoch auch von Anfang an einen großen Bogen um den Wagen oder reagierten auf meine Ansprache gar nicht. Oft knackte ich sie aber, indem ich gleich von vorne herein klar stellte, dass ich nichts verkaufen wolle. Ich sei gegen Massentierhaltung und wolle es einfach besser machen. Das hat das Eis meist gebrochen.

Einige Begegnungen sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Da war der türkische (?), ältere Mann, den ich eher in einer Teestube vermutet hätte. Er blieb lange stehen und schaute auf das Mast-Video. Irgendwann kam er auf mich zu und bat mich um eine Broschüre. Oder die vielen jungen Menschen, die angaben bereits vegetarisch zu leben und sich sehr interessiert auch die „vegan“-Broschüre mitnahm. Oder die Mutter, die ihren Dreijährigen extra mit der Karre umdrehte, damit er das Video besser sehen konnte und mit ihm darüber ins Gespräch kam und sich sehr interessiert an den Kinderbüchern von Ruby Roth zeigte.

Dem gegenüber steht aber leider auch eine Menge Ignoranz und auch Anfeindung. So marschierte plötzlich eine Frau mittleren Alters mit hochrotem Kopf auf mich zu und fuchtelte mir mit ihrem Zeigefinger unter der Nase herum. Wie wir ein solches Video den Kindern zeigen könnten. Das wäre eine Unmöglichkeit. Leider hatte ich die Vorgeschichte – der Sohn (vielleicht sieben Jahre alt) stand alleine am Wagen und wurde von einem Campagner gebeten zu seiner Mutter zu gehen und zu fragen, ob er sich das anschauen dürfe, es wären keine schönen Bilder – nicht mitbekommen, so dass ich darauf leider keinen Bezug nehmen konnte. Ich fragte sie also, wieso sie seinen Augen so etwas nicht zumuten wolle, dafür aber seinen Magen. Das sei nun einmal leider die Realität. Es sei an ihr ihren Sohn in dieser Situation zu begleiten und ihn kindgerecht aufzuklären. Aber sie hörte mir gar nicht richtig zu und schnaubte, sie esse eh wenig Fleisch und wenn dann vom Demeter-Hof. Da ging es wieder los, das Rechtfertigen. Getroffener Hund bellt? Das sei dennoch unmöglich, sie sei schließlich Pädagogin. Nach meiner Antwort: „Ich auch.“ war sie sprachlos, drehte sie sich um und ging. Schade, ich hätte mich gern noch länger mit ihr unterhalten.

Ihr seht: Aufklärung ist immer noch bitter nötig. Viele Menschen waren sichtlich geschockt und völlig überrascht, dass es so etwas wie auf den gezeigten Videosequenzen wirklich gibt. Dabei waren diese Bilder vergleichsweise wirklich harmlos!

Aus diesem Grund steht das Grunz-Mobil auch noch am Freitag, 10.05. von 11-19 Uhr in Lübeck in der Breiten Straße. Die Campagner freuen sich über jede Unterstützung, da alle ehrenamtlich arbeiten. Es gibt die Möglichkeit sich online anzumelden, aber auch spontane Besuche sind sehr willkommen. Am Samstag, 11.05. wird das Grunz-Mobil dann in Rostock sein.

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2 Gedanken zu „Das Grunz-Mobil in Lübeck

  1. Saskia

    Liebe Katrin,

    ich habe das Grunzmobil im letzten Jahr in Halle (Saale) unterstützt und ähnliche Erfahrungen gemacht wie du sie schilderst. Es gab wenige Interessierte, viele Ignoranten und einige heftige Anfeindungen. Auch das „Wie können Sie nur sowas Schreckliches auf der Straße öffentlich zeigen!“ kam vor. Ich hatte vorher noch nie „Straßenarbeit“ geleistet und war ziemlich überwältigt von den sehr negativen Reaktionen. Obwohl ich sehr viele nette Gespräche hatte, haben mich Anfeindungen und Gleichgültigkeit dann überwiegend so mitgenommen, dass ich nach der Aktion total fertig mit den Nerven war. Ich bewundere echt die Leute, die das trotzdem durchhalten, weil es ist eben sehr wichtig. Nach wie vor finde ich aber das Konzept dahinter super.

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    1. Kathrin Beitragsautor

      Das stimmt leider, man braucht ein dickes Fell. Aber es hilft es nicht persönlich zu nehmen und sich an die schönen Begegnungen zu halten, die es ja auch gibt. Und sich zu sagen, dass man es für die Tiere tut.

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