Veganfach 2013 in Hamburg

Lange fieberten wir Nordlichter ihr entgegen: Der Veganfach 2013. Sollte diese doch in Hamburg stattfinden und uns somit endlich ein größeres veganes Event im Norden bescheren. Also machte ich mich mit Franzi vom Gemüseregal erst mit dem Bus und dann mit der U-Bahn auf den Weg zum Terminal Tango am Hamburger Flughafen.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt verfasse. Vieles ist bereits geschrieben worden und fast allem kann ich zustimmen. Leider, denn die Stimmen waren nicht unbedingt positiv. Ich habe mich deshalb entschlossen euch meine Eindrücke anhand von Stichpunkten aufzuzeigen und hoffe, dass ihr euch so ein gutes Bild machen könnt. 

Vorab muss ich deutlich machen, dass es sich bei der Veganfach um eine Endverbrauchermesse handelt. Sprich: Sie ist öffentlich und jede_r kann dort hinein und Produkte erwerben.  Leider machen sich Veranstalter das oft zu Nutze. Vor allem was Eintritts- und Essenspreise angeht. 

minusrund

  • Als normale Messebesucherin hätte ich 12 Euro Eintritt zahlen müssen. Geld bezahlen für’s Geld ausgeben. Nun ja….
  • Widerspenstige Armbänder statt Abreisstickets. So zog sich der Einlass unnötig in die Länge und die Schlange war bis in den Nachmittag hinein SEHR lang.
  • Schlechte Ausschilderung drinnen und draußen. Die zweite Halle fanden wir erst nach einiger Zeit. Einige Besucher fanden sie wahrscheinlich gar nicht. Die Halle hätte wir ohne die lange Schlange wohl auch kaum ausfindig machen können. 
  • Wenig Werbung über die Zielgruppe hinaus. Im Vorfeld gab es keine Homepage, nur eine Facebookseite. Somit auch kein Ausstellerverzeichnis und keinen Kartenvorverkauf. Zumindest ich konnte beides nicht entdecken. Die Vegane Gesellschaft mietete in Hamburg viele Plakatwände und dekorierte diese mit dem Messebanner. Im Gespräch gab es einige Stimmen, die beklagten, dass die Plakate zu speziell wären, wahrscheinlich nur die „Szene“ ansprechen würden und für Außenstehende zu wenig informativ gewesen seien. 
  • Die Gastropreise waren gesalzen. Unter 5 € für ein simples, kleines Gericht und 2,50 bis 3,00 € für ein Getränk ging nichts. Die Hot Dogs für 3 € waren leider so gut versteckt, dass ich sie erst zu spät entdeckte. Darüber hinaus gab es definitiv zu wenig Stände an denen überhaupt etwas zu Essen und zu Trinken gekauft werden konnte. Die Schlangen waren dementsprechend lang. Mir persönlich fehlte es an simplem Wasser oder ähnlichem. Die Halle war schlecht belüftet und es war sehr warm, so dass das Durststillen mit „In-Getränken“ schnell sehr teuer werden konnte.
  •  Der Location stehe ich zwiespältig gegenüber. Die großen Lücken lassen mich vermuten, dass die VG die Hütte nicht voll bekam. So gesehen war das Terminal Tango sicherlich die günstigere Variante gegenüber anderen Messe-Orten. Allerdings sah man das auch. Die Toilettenräume waren ziemlich runtergekommen, in den Nebenhallen – die durch Glaswände vom Veranstaltungsort abgetrennt waren, aber anscheinend irgendwie zugänglich waren – standen noch Rollbänder, Schalter und Co., die auch von vielen Personen als Sitzgelegenheiten genutzt wurden. Ich weiß nicht, ob das im Sinne der Sicherheit ist. Wohin führt der Weg durch die Gummilamellen am Ende des Gepäckbandes? Ich als Kind würde das ausprobieren. Die hohen Decken und offenen Räumen führten dazu, dass viele Händler_innen mitgebrachte Banner und Co. gar nicht aufhängen konnten und es so oft schwer zu ersehen war, wer da eigentlich ausstellte. 
  • Es gab zu wenig Sitzgelegenheiten! Viel zu wenige. So mussten auch wir unser Mahl auf dem Steinfußboden einnehmen. In Anbetracht der bunten Mischung an Gästen halte ich das für äußerst unglücklich, denn es waren nicht wenig Senior_innen und Menschen mit Behinderungen darunter. 
  • Zu guter Letzt habe ich meinen – zugegebenermaßen sehr naiven – Glauben an die vegane Szene verloren. Wer glaubt, dass da viele, nette Menschen aufeinander stoßen, die sehr achtsam miteinander umgehen und auf einander aufpassen, der irrt. Es wurde geschubst und gedrängelt. Und wie ich erfuhr sogar geklaut. WTF?

plusrund

  • Auf mich wirkte die Messe ziemlich barrierefrei. Zwar waren die WCs eng, aber ich meine gehört zu haben, dass es für Rollstuhlfahrer_innen ein gesondertes WC, bzw. einen anderen Zugang gab. Ich kann mich an keine Stufe oder dergleichen erinnern und durch die offenen Räume war alles gut zu erreichen. 
  • Ich habe mich sehr gefreut einige Menschen, die ich bisher nur aus dem Netz kannte, mal persönlich kennen lernen zu dürfen. Es gab tolle Begegnungen mit Stefanie von VeggiemaidJasmin von Muso Koroni und Alice von denkefair, die mich gleich noch mit einem „Vor-Geburtstagsgeschenk“ überrascht <3 Auch Jérôme Eckmeier war samt liebenswerter Familie wieder mit dabei. Seine Töchter haben ihn beim Showkochen tatkräftig unterstützt. 
  • Entgegen meinen Erwartungen konnte ich doch noch einige Dinge entdecken, die ich noch nicht kannte. Die  wirklich neuen Innovationen und Markteinführungen bekommt man ansonsten meist nur auf den Einkaufsmessen für Händler_innen zu sehen. 
  • So habe ich unfassbar gutes Eis auf dem Café Liberty verputzt. Zweimal…Für faire 1,10€ pro Kugel.

gleichrund

 Alles in allem bleibt ein durchwachsenes Gefühl zurück. Die Zeit mit lieben, inspirierenden und engagierten Menschen zu verbringen habe ich sehr genossen und so wie ich mich kenne, würde ich aus diesem Grund die Veganfach vielleicht noch einmal besuchen. Der Vernunftsmensch in mir zeigt mir allerdings einen Vogel. Die Veganfach war summa summarum schlichtweg zu teuer. Und leider auch ziemlich überschaubar. Ich hätte mich sehr über Händler_innen wie beispielsweise Armed Angels, Greenality, Lena Schokolade, FairTragen und Co. gefreut. Vielleicht hätte sich für einige von ihnen aber die Anreise nicht rentiert. Leider bliebt ohnehin nicht viel Zeit, um sich mit den Anbieter_innen auszutauschen, da natürlich viele Fragen von anderen Messebesuchern beantwortet werden und die Stände im Auge behalten werden wollten.

Die Veganfach 2013 lässt definitiv noch Luft nach oben. Da es sich um eine Ein-Tages-Messe handelt, bliebt nicht einmal die Gelegenheit es am zweiten Tag etwas besser zu machen. Schade. Ich kann nur hoffen, dass der Norden noch einmal eine zweite Chance bekommt. 

IMG_2126Die erste Messehalle kurz nach der Eröffnung.

IMG_2129Wissen ist Macht.

essen7,50 € gegen den Hunger. 

spiruliDer Schöpfer von Spiruli erwischte uns quasi vor den Toiletten auf dem Boden sitzend. Wie gesagt. Zu wenig Sitzplätze.

veganfach1Meine Ausbeute. 

denkefair1Vorab-Geburtstagsgeschenke von Alice <3

denkefair2Nie wieder Kartenchaos <3

3 Gedanken zu „Veganfach 2013 in Hamburg

  1. Alex.

    Vorab… ich habe Nachfolgendes noch nicht 3x durchgelesen und an bestimmte Personen gemailt – komt noch…

    Veganfach 2013 in Hamburg

    Auch ich habe gehadert, ob ich mir die Mühe machen soll und noch was zu dem Thema schreiben soll.

    Aber wer nichts sagt, kann auch nicht erwarten das sich was ändert bzw. verbessert.

    Am Samstag haben meine Frau und ich uns auf dem Weg gemacht zum Terminal Tango. Ich bin aus Bremen gekommen, obwohl die Arbeit auch Wochenende hätte stattfinden müssen und meine Frau hat extra einen Werkstatttermin verlegt.

    Am Flughafen kamen wir von der „anderen“ Seite und konnten somit nicht erkennen wo der Eingang ist. Ein freundlicher Ordner hat uns in die richtige Richtung gewiesen. Sein begleitender Kommentar, „ja, das hätte man besser ausschildern müssen“…

    Als wir durch die Tür von der anderen Seite traten dachten wir sofort an der Kasse zu stehen, bis wir dann sehr schnell bemerkten – das geht von der anderen Seite los… eine Schlange „bis zum Horizont“!

    Wir setzten an um zum Ende der Schlange zu laufen, haben aber währenddessen uns angeschaut und sind zu dem Schluss gekommen, DAS tun wir uns nicht an!

    Wir sind dann abgedreht wie auch zwei andere Pärchen – Hmmm, 6x € 12,- + Ausgaben… ich hatte noch extra € 200,- geholt – man weiß ja, wie der Kassenbon aussieht, wenn man Schönes und Leckeres eingekauft hat – und EC-Karte, naja nicht immer sicher, schon gar nicht auf einer Messe.

    Am Vorabend haben meine Frau und ich uns noch den Film aus 2012 im Netz angeschaut… auch da lange Schlangen… Aber, Man(n) lernt doch daraus??? Scheinbar nicht, setzen 6! Die Vorbereitungszeit war doch so kurz zwischen den Messen.

    Es geht uns fürchterlich auf den Keks, dass es für die vegane Gemeinschaft scheinbar kein Problem ist Inkompetenz mit einem hohen Maß an Gnädigkeit und Toleranz zu versehen.
    Liebe Mitstreiter für die vegane Sache – wir müssen unser Toleranzbudget schon täglich überstrapazieren im Umgang mit den Karnivoren!
    Dann will ich mich nicht über die Grundprinzipien des Handels/der Organisation und des gesunden Menschenverstandes auseinander setzen!

    Dann gibt es eine Messe/Plattform bei der „unsere Sache“ einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert wird – auch sehr schön geschrieben von Kathrin auf ihrem Blog einbisschenvegan.de – sie hat sich die Schlange angetan und berichtet aus dem Inneren des Terminal Tangos.
    Umso besser das wir abgedreht sind – wahrscheinlich hätte ich an dem Tag einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich das komplette Programm der Inkompetenz wahrgenommen hätte.
    Karnivoren, die sich das Schlange stehen angetan haben und dann „den Zustand“ im Terminal wahrnehmen durften – müssen „uns“ schon für eine „schrullige Gemeinschaft“ halten.

    Wir haben uns dann doch noch einen schönen Tag in Hamburg gemacht und das Budget (zum Teil) anderweitig ausgegeben.
    Unter anderem im „echten“ Liberty – vielen Dank für das grandiose Kürbiseis und weisse Schokolade und Bratapfel… 😉

    Diesem „Erlebnis“ am Flughafen sind davor leider andere Situationen voraus gegangen, wo ich mit veganen Geschäftsleuten Erlebnisse hatte – darum diese Reaktion in aller Deutlichkeit.

    Wir würden uns wünschen, dass die veganen Händler und Organisatoren einfach mal die Grundprinzipien des Handels, der Organisation und einem gesunden Menschenverstand beherzigen würden – auch wenn diese kapitalistische Tendenzen aufweisen mit denen nicht alle einverstanden sind. Aber erwirtschaftete Gewinne sind das (ein) Mittel um unserer Sache einer breiteren Öffentlichkeit zu mehr Akzeptanz zu verhelfen!
    So unprofessionell, wie das was ich im letzten Jahr alleine erlebt habe, ist Wasser auf die Mühlen der Gegner die uns immer wieder versuchen in die Öko-Ecke zu drücken.

    Ein Imbiß kann sich beim bösen McD abgucken wie Prozesse organsiert werden und Ware präsentiert wird (McCafé).
    Ein Händler bei Kaufland, Edeka oder im Schuhladen seines Vertrauens, wie das Thema Warenverfügbarkeit, Kassenschlangen und Warenpräsentation gehandhabt wird.
    Ein Messeorganisator… auf jeder anderen Messe!

    There’s NEVER a second chance for a first impression!

    Get your act together or stop wasting other peoples’ time!

    eom

    Antworten
    1. Kathrin Beitragsautor

      Hallo eom,

      danke für deine ehrlichen und direkten Worte. Ich hoffe und wünsche dir und uns sehr, dass sie gehört werden. Man muss natürlich immer im Hinterkopf haben, dass „wir“ eine Nischenszene sind und man nicht die selben Maßstäbe ansetzen kann wie bei einem Großkonzern oder einem Händler, der in ganz anderen Mengen einkaufen kann wie ein kleiner veganer Laden. Auch sind bei weitem nicht alle Händlerinne* „inkompetent“. Ich persönlich habe sehr viele sehr gute Erfahrungen gemacht. Wer allerdings eine große Messe organisiert – und das nicht zum ersten Mal – sollte vielleicht umdenken.

      Viele Grüße
      Kathrin

      Antworten
  2. Andreas

    Wow, so ein kleiner Wrap für 7,50 Euro? Das ist wirklich happig… 🙁

    Alles in allem kann ich deine Kritik nachvollziehen. Aber ich denke, es ist immer wieder ein riesiger Kampf für die Organisator_innen, so eine Messe auf die Beine zu stellen. Bleibt zu hoffen, dass sie die Kritik annehmen und versuchen, die nächste Messe besser zu organisieren. Insbesondere das Problem mit den viel zu hohen Decken und damit fehlenden Befestigungsmöglichkeiten für Transparente / Schilder sind ein gutes Beispiel: Das sollten sie sich auf die Checkliste setzen und bei der nächsten Location prüfen.

    Was deine Aussage „Als normale Messebesucherin hätte ich 12 Euro Eintritt zahlen müssen. Geld bezahlen für’s Geld ausgeben. Nun ja….“ angeht: Wenn ich es so lese, muss auch ich schmunzeln. Schon paradox… 😉 Auf der anderen Seite: Wo hast du die Möglichkeit, bei solch vielen Firmen gleichzeitig einzukaufen? Du müsstest quer durch Deutschland oder gar Europa fahren oder aber mehrfach Porto bezahlen. Da sind die 12 Euro Eintritt sicherlich die günstigere Variante. Natürlich könnte die VGD ihre Kosten auch komplett durch die Standgebühren finanzieren und die Besucher_innen umsonst reinlassen. Dann müsste aber wahrscheinlich die Standgebühr steigen, was sich negativ auf den Preis für deinen Wrap auswirken würde.

    Am Ende ist es hier wohl nicht anders wie überall sonst auch: Die Masse macht’s. Mehr Aussteller_innen ==> mehr Besucher_innen ==> niedrigere Eintrittspreise. Hoffen wir, dass die nächste VeganFach wieder etwas besser gelingt!

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