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Spirit Junkie Yoga

I’m not the victim, I’m the lighthouse // Dankbar

Spirit Junkie Yoga

I’m not the victim, I’m the lighthouse.

Ich bin dankbar.  Ich traue mich es kaum zu sagen. Heutzutage ist man ja – vor allem, wenn man sich in spirituellen Kreisen bewegt – für alles dankbar.  Dafür, dass der Joghurt im Kühlschrank einem noch nicht „Guten Tag“ sagt, dass der BH farblich zur Büx passt und dass der Paketbote heute pünktlich war. Kann man machen. Schafft ja auch Bewusstsein. Oder „Awareness“, wie die Angelsachsen so schön sagen. Man denkt einfach nochmal drüber nach. Kann nie schaden.

Mir ist da aber was passiert, bei dem Dankbarkeit tatsächlich mal angebracht ist.  Denn egal, ob es Zufall, Schicksal, Karma oder „is‘ einfach so“ war, was mich den Unfall überleben ließ:

Ich bin dankbar.punkteklein

Für die vielen Zeug*innen und Ersthelfer*innen am Unfallort, die mehr taten, als nur zu gaffen.

Für die Blutkonserven, die man mir verabreichen konnte. Weil sie da waren. Geht spenden, wenn ihr könnt!

Für die Ärzt*innen, die auf ihr Bauchgefühl hörten. Mehr als einmal. Und sich – zum Teil mit mir zusammen – den Kopf zerbrachen, als keine der Diagnosen aus dem Lehrbuch so 100% passen wollte. Und mit gegenüber immer auf Augenhöhe, offen und transparent waren.

Für eine herzliche und kompetente Behandlung, trotz des massiven Pflegekräftemangels.

Für die – so merkwürdig es klingt – wirklich gute Zeit im Krankenhaus und vor allem auf der Intensivstation. Für Kuchen, Gossip und gemeinsames Lachen.

Für meinen Physiotherapie-Azubi. (Über den sich meine Bettnachbarin erst sehr aufregte – „Bei deinen Verletzungen, einen AZUBI!“). Der sich aber gerade deswegen viel Zeit für mich nehmen konnte. Anders als seine Kolleg*innen, die im 20-Minuten-Takt durch die Zimmer pesten.  Am letzten Tag gestand er mir, dass ich seine erste richtige Patientin war. Ich habe mir Mühe gegeben. Ich glaube, wir haben das beide gut gemacht.

Für die wunderbare Umsorgung und tatkräftige Unterstützung hier vor Ort. Sei es bei Arztbesuchen, Anwaltsterminen oder dem Einkauf und Wohnungsputz. Oder auch nur mit einer Tasse Kaffee und einem abgekauten Ohr auf dem Sofa.

Für meine Krücken, die ich für kürzere Wege nehmen kann. Und dafür, dass ich nicht für jeden Meter den Rollstuhl brauche.

Für meinen Schädel. Ja, sogar für den, der mich zur Zeit fast jeden Tag mit Schmerzen piesackt. Aber mein Hirn funktioniert noch. Mutmaßt man. 

Für die erstaunten Gesichter der Ärzt*innen, die auf meinen Krankenhausbericht schauen und entgeistert fragen: „Ist das IHRER? Das war im Mai? 2015?!“ Und sich dann freuen, dass ich das erstens überlebt und zweitens so verhältnismäßig gut weggesteckt habe.

Für den riesigen Zuspruch von lieben Leser*innen und Kooperationspartner*innen, die mich zum Teil gar nicht persönlich kennen. Das rührt mich sehr. Denn Anteilnahme und Genesungswünsche kommen auch aus Ecken, aus denen ich niemals damit gerechnet hätte. Während andere wiederum nicht ein Wort verloren haben. Aber auch für so etwas könnte man durchaus dankbar sein.

Für die Zeit, die ich jetzt habe, um etwas für mich zu tun. In vielen Aspekten.

Für meinen Optimismus. Von Anfang an. Entgegen meiner sonstigen Art. Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass sich alles fügen wird. Das erstaunt(e) andere, was wiederum mich erstaunt. Da kann man also anscheinend durchaus für dankbar sein.

Für die Zeit, die mir bisher für meine Heilung gegeben wurde. Und die ich auch noch brauchen werde. Denn das hier ist bei all den Good Vibes eine ganz schön langwierige Geschichte.

Und vielleicht bin ich auch ein bisschen dankbar, dass es gerade mich getroffen hat. Jemand anders hätte den Unfall vielleicht nicht überlebt.

punkteklein

Danke.

Und wenn ich es eine Sache gibt, die ich dir nach dieser Geschichte mitgeben kann, dann diese: Eine positive Einstellung macht ALLES besser. Punkt.

Schreib dir das hinter die Ohren und denke daran, wenn du das nächste Mal anfängst zu grübeln. Was du aussendest, kehrt zu dir zurück. Auf vielen Wegen. Ob du daran glaubst oder nicht. Also sei besser vorbereitet 😉

P.S.: Es gibt auch einige Dinge, für die ich nicht dankbar sein kann. Unter anderen auch dafür, dass ich leider immer noch nicht weiß, wie es der anderen Frau geht, die angefahren wurde. Durch den strafrechtlichen Prozess gibt es noch keine Akteneinsicht und ich habe nicht mal ihren Namen. Aber ich hoffe das Beste.