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Zero Waste

Weniger Plastik ist Meer | Zero Waste & Mikroplastik

Zero Waste

Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist aufzuwachen.
Diese Zeit ist jetzt.
-Buddha

Es scheint, als sei Zero Waste das neue Vegan. Das neue Bio. Und der neue Minimalismus sowieso. Zero Waste ist gerade in aller Munde. Doch ist der Verzicht auf Müll so einfach? Plastikdosen raus, Ball Mason Jars rein? 

Ich muss euch nicht das drölftausendste Foto adrett verpackten Müslis zeigen. Auch das ist zwar gut und wichtig. Aber Zero Waste ist noch so viel mehr. Daher möchte ich mich heute einem Thema widmen, dass viele höchstwahrscheinlich bisher außer Acht gelassen haben. Und das vor allem viele Veganer*innen interessieren sollte. Auch mir waren die Auswirkungen dieses ganz speziellen Müllproblems nicht klar. Bis ich im Mai auf Einladung der Whale & Dolphin Conservation in München war und einem Workshop beiwohnte, der den Titel „Weniger Plastik ist Meer“ trug. Zusammen mit einigen anderen Bloggern bekamen wir erst die harte Fakten vor den Latz geknallt, um dann Menschen zu treffen, die sich der Problematik schon eine ganze Weile bewusst sind und versuchen etwas dagegen zu tun und mit gutem Beispiel voran zu gehen. 

Facts First

Ich könnte euch jetzt viele schockierende Bilder von Walen und Seevögeln zeigen, deren Mageninhalt fast ausschließlich aus Kunststoff besteht. Davon gibt es – leider – genug. Ich könnte euch auch erzählen, dass diese „Fehlfüllung“ des Magens dazu führt, dass das Gehirn den Tieren meldet, sie seien satt. Und sie so verhungern. Ich könnte euch auch von Walen erzählen, denen ein Stück Plastik den Magen verschliesst, so dass die aufgenommen Nahrung nicht ankommt . Oder die sich in sogenannten „Geisternetzen“ verfangen und so keine Nahrung mehr aufnehmen können. Und das diese Tiere sich dank ihres Ich-Bewusstseins ihrer misslichen Lage bewusst sind, durch ihre großen Fettreserven allerdings noch wochen- und monatelang durch die Meere schwimmen, mit der Gewissheit bald zu sterben. 

The Most Dangerous Species in the Mediterranean

 

Schauen wir uns lieber eine einfache Rechnung an, die so simpel wie erschreckend ist.

Jährlich gelangen im Schnitt 6,4 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere.

Das entspricht dem Gewicht von 48.200 Blauwalen.

Es gibt schätzungsweise noch rund 25.000 dieser Tiere, vielleicht sogar weniger…

Nur 15% dieses Plastikmülls finden sich an der Oberfläche und nur 15% an der Küste (38% des Mülls am Strand sind Zigarettenkippen!). Der Großteil – nämlich 70% – findet sich am Meeresgrund, wo er ohne Sauerstoff und Sonnenlicht kaum zersetzt wird.
Da steht dann auch mal ein Gartenstuhl aufrecht in tausenden Metern Tiefe und verbreitet morbiden Titanic-Charme. Leider genau in dem Gebiet, in denen die großen Säuger auf Nahrungssuche gehen. 

Mindestens genauso erschütternd ist die Tatsache, dass es sich bei den meisten Plastikteilen um solche handelt, die für den einmaligen Gebrauch geschaffen wurden und recyclebar wären.

Was habe ich damit zu tun? Ich werfe meinen Müll nicht in die Natur! 

Und da kommen wir ins Spiel. Die wenigsten von uns wohnen direkt an der Küste. Oder schmeißen ihren Müll bei der Bootstour ins Wasser. Wie kommt er also da hin? Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht die großen Containerschiffe, die Ladung verlieren (oder verlieren wollen…), die das Gros ausmachen. Der meiste Müll kommt über die Flüsse ins Meer. Von uns. Aus dem Hinterland.

Jeder von uns produziert im Schnitt rund 617 kg Müll pro Jahr. Jede*r Einzelne. Und hier beginnt das Problem. Denn rund 80% des Mülls im Meer ist Haushaltsmüll. Nur 20% stammen aus der Schifffahrt. So treiben beispielsweise allein durch die Donau jeden Tag 4,2 Tonnen Kunststoff dem Meer entgegen. 


Damit kommen wir zu einem Aspekt in der Zero Waste Debatte, der leider immer noch häufig außer Acht gelassen wird: Dem Mikroplastik. Vor allem in der Kosmetikindustrie stolpert man aktuell immer wieder über diesen Begriff. Aber auch die Kleidungsindustrie ist ein großer Verursacher von Mikroplastik. 

Unter dem Begriff Mikroplastik versteht man vor allem entweder großen Müll, der im Laufe der Zeit im Meer immer kleiner gerieben wird oder bereits fertige Pellets aus der Industrie. Hier sind vor allem Zusatzstoffe in Peelings, Duschgels, Zahnpasten und Füllstoffe in dekorativer Kosmetik zu nennen. Doch auch die Kleidungsindustrie stellt in puncto Mikroplastik ein durchaus nicht zu vernachlässigendes Problem dar.

Und nicht nur bei der Produktion. Wahrscheinlich greifen vor allem Veganer*innen häufiger zu Kunstfasern als andere Menschen. Der Verzicht von Leder, Wolle und Seide lässt nur wenig Natur übrig. Wer nicht tagtäglich in 100% Baumwolle, Hanf oder Leinen herumlaufen kann oder mag, muss früher oder später auf künstlich hergestellte Stoffe zurückgreifen. Auch bei Funktionskleidung und im Winter ist mit reiner Baumwolle oft das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Ich persönlich trage beispielsweise gerne Mischgewebe mit einem hohen Baumwollanteil, da diese Stoffe länger die Form bewahren und weniger schnell ausleiern oder knittern als zum Beispiel reine Baumwolle. 

Was ich bisher aber nicht wusste: Bei jedem Waschgang gelangen pro synthetischem Kleidungsstück rund 2.000 Faserteilchen (=Mikroplastik) ins Abwasser! Und diese Teilchen können bisher von keiner Waschmaschine herausgefiltert werden. Leider auch nicht ausreichend von Kläranlagen. Was ein Unding ist, wenn man bedenkt, dass es Forscher*innen sehr wohl gelingt für Messungen die winzigen Teile zu filtern. Warum also schafft die Industrie das nicht? Eine Antwort bleibt sie bisher schuldig. Eine Waschmaschine, die Mikroplastik filtern und sammeln kann ist angeblich in Planung. Mehr ist meines Wissens bisher jedoch nicht bekannt. 

Zero Waste Plastik im Meer

Für das Versagen der Kläranlagen spricht auch, dass vor allem nach starken Regenfällen der Plastikgehalt in den Gewässern steigt. Der Regen spült den Müll in die Gullis, die das Wasser wiederum in die Kläranlagen leiten, die dann das – vermeintlich – gereinigte Wasser wieder dem Kreislauf zu führen. Im Übrigens gibt es neuste Erkenntnisse, dass auch Reifenabrieb einen recht großen Anteil am Mikroplastik in den Meeren hat. Auch dieser Abbrieb wird vor allem bei Regen von der Straße in die Kanalisation gespült. 

Ja, und nu? 

Eine Lösung für dieses spezielle Problem habe auch leider ich nicht parat. Und das macht mir ein wenig Angst. Einzig Vermeidung ist hier und jetzt – soweit es eben geht – möglich. Zero Waste ist nichts, was man „mal eben so“ von Heute auf Morgen umsetzen kann. Ich bewundere Menschen wie Shia, die mit ihrem Freund den nicht-recyclebaren Müll so weit runtergeschraubt hat, dass er in ein Weckglas passt.

Mein Credo ist daher zur Zeit nicht Zero Waste sondern Less Waste. Denn hier gibt es keine Unverpackt Läden oder dergleichen. Aber ich frage mich bei jedem Einkauf: Kann ich eine unverpackte Alternative bekommen? Pappe statt Plastik? Es klappt nicht immer. Aber ein Ball Mason Jar für’s Müsli sollte immer drin sein. 

punkteklein

Unverpackte Link-Liebe an die Blogger:

Inka von blickgewinkelt
Theresa von the waitress
Shia von wasteland rebel
Madeleine von dariadaria

Vielen Dank an die tollen Referent*innen:

David Pfender, WDC
Benedikt Tröster, Vaude 
Katrin Schüler, Plastikfreie Zone 
Steffen Kraft, Kraft & Adel 
Nele Prinz, No Plastic Challenge (Ich hoffe inbrünstig auf die Verwirklichung des tollen Buches!)
Franziska Gruber 

P.S. Ich bin von der WDC nach München eingeladen worden. Trotzdem gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und nur was mich überzeugt, landet auch auf dem Blog.