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Herr Fuchs und Frau Bär

Vegane Tattoos | Herr Fuchs & Frau Bär in Berlin

Herr Fuchs und Frau BärManchmal muss man über seinen Schatten springen, um dorthin zu gelangen, wo man hin will. Auch wenn es unangenehm wird und weh tut. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn ich habe mich tätowieren lassen.

Das war keine spontane Geschichte. Wahrlich nicht. Aber am Ende ging alles doch recht schnell.
Das ich Tattoos habe möchte, stand schon früh fest. Als Elfjährige sah ich in meinen Tagträumen immer von Kopf bis Fuß verziert. Cool und auch ein bisschen verwegen. Es stand fest: Mit 18 legst du los!

No Pain, No Gain!

TJa. Und dann wurde ich 18. Und 25. Und 30. Denn was ich als Elfjährige ausblendete: Ich hatte unglaubliche Angst vor Nadeln. Als Kind schrie ich ganze Praxen zusammen und noch als Teenie saß ich weinend vor der Arzthelferin. Und hatte drei Tage vorher schon Bauchweh. Da war es dann hin, das coole Bild meines äußeren Ichs….

Tattoos haben mich aber dennoch weiterhin fasziniert. Ich beschäftigte mich ein wenig mit der Geschichte und hatte bald eine feste Meinung darüber, was ich schön fand und was mal gar nicht ging. Und ich wusste immer, dass ich nur ein Motiv wählen würde, welches für mich eine nachhaltige Bedeutung hat. Sicherlich ein Vorteil. Denn diese Meinung änderte sich mit den Jahren nicht und so konnte ich mir immer ziemlich sicher sein, dass ich mit meinen Motiven lange genug „schwanger gehen“ und keine Schnellschüsse starten würde, die ich später vielleicht bereuen sollte.

Meine eigene Ausbildung zur Arzthelferin ließ mich die Sache mit den Nadeln dann etwas relaxter betrachen. Saß ich doch jetzt auf der anderen Seite. Höhöhö. Freunde wurden wir aber immer noch nicht… Zwar saß ich jetzt nicht mehr weinend vor der Helferin – was mit Ende 20 auch irgendwie albern gewirkt hätte -, aber ein Klos im Hals war immer da.

Bis zu meinem Unfall. Ich hätte nie gedacht, dass man innerhalb kurzer Zeit so abstumpfen kann. Mir wurde manchmal 4x in der Nacht Blut abgenommen. Ich hatte zeitweise bis zu 3 Zugänge gleichzeitig in mir und wahrlich nicht alle saßen beim ersten Mal… Augen zu und durch. War ja gar nicht so schlimm.

Natürlich war mir klar, dass Blutabnehmen und Tättowieren nicht das gleiche ist. Viel macht da wohl auch die Angst vor dem Unbekannten aus. Was man nicht kennt, schüchtert erstmal ein. Entweder würde ich mich ärgern, dass ich das nicht schon viel eher gemacht habe oder würde wie ein Häufchen Elend schluchzend vor dem Tätowierer sitzen. Und im schlimmsten Falle auch noch umkippen. Aber hey: Tätowieren ist selbstgewählter Schmerz. Da weiß man, wofür man es tut und kneift die Backen zusammen. Oder?

punkteklein

Herrje, ich bin manchmal so eine Memme… Da macht es es auch nicht besser, dass ich die Idee zu diesem Motiv schon gut 6 – 7 Jahre mit mir rumschleppte. Ich bin eine große Bewunderin der Malerin Frida Kahlo, die durch einen schweren Unfall den großen Teil ihres Lebens ans Bett gefesselt war und von dort aus gemalt hat. Und sich ihre Lebenslust nicht hat nehmen lassen. 8 Tage vor ihrem Tod (von dem bis heute heute nicht ganz klar ist, ob es ein natürlicher oder ein frei gewählter war) setzte sie unter ein bereits früher vollendetes Stillleben von aufgeschnittenen, saftig-roten Wassermelonen den Schriftzug „VIVA LA VIDA“.

Zum ersten Mal hatte ich mit Mitte 20 die Idee, mir diesen Schriftzug nach Beendigung einer nicht ganz einfachen Phase meines Lebens stechen zu lassen. Nicht sehr erfolgreich umgesetzt, wie ihr seht. Der Bammel war dann doch zu groß. Noch dazu bin ich, was sowas angeht, eine riesige Perfektionistin und hatte keinen blassen Schimmer, wie ich eine*n gute*n, kompetente*n Tätowierer*in hätte finden sollen. Dann lieber gleich lassen.

Augen zu und durch

Tja. Und dann kam alles anders. Und ich innerhalb weniger Wochen zu meinem Tattoo. Ich will das wieso und weshalb hier nicht nochmal ausbreiten, aber das Motiv passt mehr denn je wie A**** auf Eimer. Als dann noch Lena von Menschenfotografin auf mich zukam und mir von ihrem bevorstehenden Tattoo-Date mit Herr Fuchs & Frau Bär in Berlin erzählte und mir in Aussicht stellte, dass ich gegebenenfalls „mit reinrutschen“ könnte, musste ich nicht lange überlegen. Das sollte so sein!

Denn das Team um Tattookünstler Nico Kreuzig tätowiert komplett vegan! Von der Seife über die Farben bis hin zu Pflege verzichtet das Studio zu 100% auf tierliche Inhaltsstoffe. Noch dazu ist Nico so sympathisch, ruhig und entspannt, dass ich mich sofort sehr wohl fühlte. Ein wichtiger, wenn nicht mit einer DER wichtigsten Aspekte. Vor allem, wenn man zum ersten Mal ein Tattoo Studio betritt. Immerhin trägt man das Werk des Gegenübers den Rest seines Lebens auf der Haut und muss so zu 100% vetrauen können. Nichts finde ich schlimmer, als Menschen – insbesondere Tättowierer – die sich zu cool für diese Welt fühlen und bei denen man das Gefühl hat, bei ihnen auf Knien um einen Termin bitten zu müssen. Als mentale Unterstützung leider schon mehrmals erlebt… Bei Herr Fuchs & Frau Bär ist das aber überhaupt kein Thema und ich habe ein paar schöne, interessante und lustige Stunden dort verbracht.

Und was soll ich sagen? Ich habe mich an diesem Tag selbst überrascht. Ich war vorher, währenddessen und hinterher völlig tiefenentspannt. Ich ließ Nico machen, schaute bewusst während des Tätowierens nicht hin, sondern wollte erst das Endergebnis sehen. Und irgendwann war er plötzlich fertig. Einfach so. Ich will mir hier kein Orden verleihen. Das Tattoo ist winzig. Aber ich bin überrascht, wie sehr sich das eigenen Schmerzempfinden nach so einem Unfall verschieben und was mein Körper so alles verknusen kann.

vegane Tattoos Berlin

(Aufgrund der Umstände konnte ich im Laden selbst keine Bilder machen. Da wir mit Nico ein Date an seinem Ruhetag hatten (Danke nochmal dafür!) sind auch die Rolläden unten. Und natürlich auf Berliner Art verschönert. Aber so wisst ihr immerhin, wie der Laden von außen aussieht.)

Und? Wie fühlt es sich an?

Das Fiese am Tätowieren ist ja, dass einem vorher keiner wirklich sagen kann, wie es sich anfühlt. Jede*r empfindet anders und nicht jede*r Tätowierer*in arbeitet gleich. Die jetzt folgenden Beschreibungen sind also völlig subjektiv und nicht vergleichbar. Selbst für mich nicht, da dies mein erstes Tattoo ist. Aber vielleicht motiviert es den einen oder die andere, doch über seinen/ihren Schatten zu springen.

Ich würde den Schmerz mit dem Kratzen eines Bimssteines auf der Haut vergleichen. An den fiesen Stellen in etwas so, als würde jemand so sehr kratzt, dass man normalerweise instinktiv die Hand wegziehen oder dem anderen eine scheuern würde…Es aber natürlich nicht tut. An anderen Stellen wiederum merkte ich rein gar nichts. So unterschiedlich reagieren Nerven.

Für die Stelle habe ich mich übrigens relativ spontan ein paar Tage vorher entschieden. Erst hatte ich eine andere im Visier, bin aber super glücklich mit meiner Entscheidung. Für mich ist diese Stelle – je nachdem was ich trage – sichtbar oder nicht, dezent und „feminin“. Das es die linke Seite werden würde, war nach dem Unfall auch schnell klar, denn auf der habe ich am meisten abbekommen.

Nico hat sehr zügig und konzentriert gearbeitet. Mein Schriftzug hat geschätzt zackige 15 Minuten gedauert. Von Lena – die durchaus repräsentablen Körperschmuck trägt – bekam ich mit, dass er die Haut nicht so sehr spannen würde wie manch andere*r Tätowierer*innen, was auch das Schmerzempfinden hinterher wohl deutlich mindert. Vielleicht eine Info, die euch nützt. Als ehemalige Arzthelferin lege ich natürlich automatisch ein besonderes Augenmerk auf Hygiene und Ordnung und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Alles tip-top. Und das auch noch vegan! Schön, Marken wie Dr. Bronner’s und Sonett auch mal in einem solchen Umfeld zu sehen.

Ich kann also mit bestem Wissen und Gewissen sagen, dass ich euch Herr Fuchs und Frau Bär uneingeschränkt empfehlen kann. Die Skizzen an der Wand (und auf Facebook) sprechen für sich. Wer wie ich diesen Stil mag, wird hier gewiss ein kleines Kunstwerk für’s Leben finden.

Danke Nico! Du wirst immer mein „Erster“ bleiben. Und sicherlich nicht mein letzter. 
(Das darf Mama jetzt nicht lesen…)

Über den Heilungsverlauf und Pflege nach dem Tätowieren, werde ich euch in einem zweiten Artikel berichten. Das würde nämlich mittlerweile den Rahmen sprengen, wie ich gerade sehe 😉

Herr Fuchs & Frau Bär
Senefelderstraße 9
10437 Berlin

030 88944325