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Digital Detox

Warum ich kein Digital Detox mache. Ein Plädoyer für das Internet.

Digital Detox

Die sozialen Medien gehören für unsere Generation dazu wie das tägliche Zeitunglesen oder die 20 Uhr-Tagesschau. Der Wecker klingelt, die Augen sind noch nicht ganz auf und der erste Griff geht zum Smartphone. Erstmal die News checken, erstmal unterhalten lassen. Dann kann der Tag starten. Beschwingt, informiert und inspiriert. So soll es zumindest sein. Oftmals lässt mich der morgendliche Blick auf das iPhone aber verwirrt und zweifelnd zurück…

Wir lassen uns blenden vom Schein eines Smartphone-Displays. Einlullen von Stimmen aus den Lautsprechern, die 2 Oktaven zu hoch drahtseiltanzen, um die Stimme der besten Freundin sein zu können. Wir lassen uns ziehen in den Strudel der digitalen Konformität. Hinein in die pastellige Wohlfühlblase.

Ideale und Prinzipien werden manchmal schneller über Bord geworfen als ein meuternder Matrose. Manches Bild nicht geteilt, manches Wort nicht gesagt. „Weil es nicht in den Feed passt.“ Mancher Kontakt wird fallengelassen. Oder intensiviert. Weil er sich zwischen zwei Bilder quetschen lässt. Und uns auch sonst gut zu Pass kommt. Wieder einmal wird einmal zu viel abgewogen. Abgelehnt. Misstrauisch beäugt. Oder aber wir landen in einem Pfuhl aus Missgunst, Hass und intellektuellen Tieffliegern. Je nachdem, in welcher Ecke wir gerade uns bewegen. 

Das Leben ist eine Entscheidung. Für oder gegen etwas.

Und die fällt nicht immer leicht. Verführerisch der goldene Glanz. Mein Herz hüpft immer noch bei jedem Kommentar, bei jeder Nachricht. Oder aber erzittert kurz, denn auch Kritik verteilt sich heute so viel schneller und leichter. Auch meine Augen schielen auf die Zahl der Likes oder Zugriffe. Wo bekommt man schon so direkt Feedback für das, was man tut? In der analogen Welt geht der Chef nicht durch die Büros und verteilt Herzchen. Viel leichter bittet es sich zum Personalgespräch, wenn etwas nicht läuft. Wir alle sehnen uns danach gesehen zu werden und Lob für das zu bekommen, was wir tun. Weil wir im Idealfall viel Herzblut und Energie hineinstecken. Machen wir uns nichts vor: Am Ende des Tages wollen wir alle geliebt werden. Aber zu welchem Preis?

Ich will mich freimachen von einem Zirkus, in dem ich eh nie auftreten wollte. Dem ich aber – bedingt durch meine Job als Blogger – unweigerlich angehöre. Und dennoch plane ich meinen Instagram Feed nicht wie meine Steuererklärung (Ehrlich gesagt plane ich nicht mal die…) oder lege mir einen Fotoboy zu, der mich auf Abruf in Szene setzt. Alle Bilder, auf denen ich selbst zu sehen bin und die über ein Selfie hinausgehen, entstehen durch nervenaufreibendes Trial & Error. 

Manchmal erwische ich mich aber doch dabei, dass ich nervös werde, wenn ich Nachrichten nicht sofort beantworten kann. Da bin ich pflichtbewusst. Nur niemanden allzu lange warten lassen. (Fast) jeder hat schließlich eine Antwort verdient und wartet darauf.
Oder aber ich ertappe mich dabei Maß zu nehmen. Zu vergleichen. Haben zu wollen. Da muss ich dann meine eigene Medienkompetenz zu Rate ziehen. Und manchmal auch den imaginären Stecker. 

Sofort kommt mir das böse Wort mit D in den Sinn – „Digital Detox“. Einfach mal aussteigen, sich erden und auf das Wesentliche besinnen. Das macht auf dem ersten Blick für mich auch Sinn. Eine Art Kurzurlaub von der Community. Ankündigen, dass einmal nicht zeitnah eine Antwort kommt. Sich vor Informationen und Verpflichtungen verschließen und durchatmen. 

Aber ist Digital Detox langfristig eine Lösung? WILL ich mich überhaupt komplett disconnecten? Von einer Community, die mir so viel zurück gibt? In den letzten Monaten ist der Austausch – auch Dank Instagram Stories – noch mal intensiver geworden. Interagiert wird dieser Tage kaum noch auf den Blogs, sondern in den sozialen Netzwerken. Das ist schneller, direkter und oft auch einfacher zu handhaben. Zwischen Kaffeetasse und Kugelschreiber passt halt immer noch ein Kommentar. 

Digital Detox Ja oder Nein

Ich mag es zu sehen, welche Ideen und Gedanken Menschen haben, die mich irgendwie und irgendwo abholen. Ich mag es beim morgendlichen Zurechtmachen noch ein YouTube-Video zu sehen, in der Mittagspause die neuste Nachrichten zu lesen und abends noch ein wenig durch die Blogs und Accounts zu surfen.

Ich liebe es, meine Erfahrungen und Sichtweisen zu teilen und Reaktionen von anderen dafür zu bekommen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich meine kleine Blase als „Community“ bezeichnen würde. Mit einigen Menschen habe ich regelmäßigen Austausch, andere schneien mal kurz herein und lassen einen Gedanken da. Ich beschäftige mich leidenschaftlich gern mit den Dingen, die ich auf dem Blog bespreche. Nur mittlerweile eben auch öffentlich. 

Das Prinzip „Was ich nicht sehe, ist nicht da.“ nicht mehr. Es gibt nicht DAS echte Leben und DAS Internet. Die Grenzen sind fließend und das Netz nicht mehr nur dazu da, um Märchen und Visionen zu erschaffen. Hier findet jetzt das pralle Leben statt. Mit allen Höhen und Tiefen. 

Ich glaube daher nicht, dass wir uns dem Internet anpassen müssen. Wir müssen es so gestalten, wie wir es gerne hätten! Es zu einem Ort machen, von dem man sich nicht erholen muss. Wir müssen es mit unseren Werten füllen, aber auch mit unseren Ansprüchen. Und die dürfen gerne über die immer gleichen Kaffeetassen auf den immer gleichen weißen Hotelbetten hinausgehen. Wir dürfen einen Anspruch stellen an ein „Hallo“ und „Tschüss“ und „Vielen Dank“. Wie man in den Wald hineinruft. Oder was man in sein Smartphone tippt…

Und zum Glück gibt es sie noch immer. Die Momente, in denen man diese eine Szenerie festhalten möchte. Diesen einen besonderen Augenblick, in dem alles stimmt. Und feststellt, dass das Bild mit der Realität leider (oder zum Glück) immer noch ganz und gar nicht mithalten kann. Da muss ich mich an meine eigene Nase fassen und das Smartphone auch mal in der Tasche lassen… So ein klitzekleines bisschen Digital Detox ist okay.

Bloggen

Bloggen | Früher war alles besser? | Meine Anfänge

Bloggen

„Hallo Kathrin, ich selber habe zwar gerade erst angefangen zu bloggen, aber du machst das ja jetzt schon einen ganze Weile. Hast du ein paar Tipps auf Lager, wie ich mehr Leser ansprechen kann? Und wie gehe ich am besten auf Firmen zu, damit sie mich sponsoren. Schreibst du die einfach an? Wie lange hat es bei dir gedauert bis du deinen Blog monetisieren konntest? „

Uff. 

Nach einem kurzen Atemstillstand kann ich der Person diese Mail nicht einmal verübeln. Es wird heute ja so vorgelebt. Blogs müssen ab Minute Eins perfekt sein. „Sich lohnen“. Und im Idealfall sofort Geld abwerfen. 

Und die, die sie schreiben kommen oft schon aus der Branche (Marketing, PR, Studium dessen…). Sie stampfen mit heutigen Mitteln in kurzer Zeit einen astrein SEO-optimierten und hip aussehenden Blog aus dem Boden. Dafür sorgen unter anderem auch diverse „Experten“, die uns Programme verkaufen, wie wir in kurzer Zeit vom Bloggen leben können, Google uns liebt und die Likes auf Instagram uns nur so zufliegen. Auch hat sich mittlerweile ein Gefühl dafür entwickelt was läuft und was eher nicht funktioniert. Leider hat das zur Folge, dass sich viele neue Blogs erschreckend ähneln. 

Heute ist das Risikofreudigste oft eine Tasse Kaffee
auf der weißen Bettdecke

Waren wir früher mutiger? Wahrscheinlich. Ich habe nicht alles aus drei Perspektiven begutachtet und doppelte Böden eingebaut. Heute ist das Risikofreudigste oft ein Tasse Kaffee auf der weißen Bettdecke für ein schniekes Bild auf Instagram.  Vielleicht hätte ich manches Mal weniger Bauch (und Herz) und mehr Kopf sein sollen. Ich weiß es nicht.
Heute wird oft VIEL strategischer an so einen Blog gegangen. Mit einem klar definierten Ziel.
Täglich lese ich in diversen Facebook Gruppen Fragen von neuen Bloggern wie  

„Welche Strategie empfiehlt ihr?“
„Wie bekomme ich mehr Follower?“
„Wie habt ihr euer Thema gefunden? Über welches Thema könnte ich bloggen?“

Pfuuuuuuh. Nochmal tief Luft holen. Kamen wir damals auch so schnell auf den Punkt? Als ich 2009 mit dem Bloggen anfing, lief es ganz genau so ab, wie es damals eben ablief. Thematisch war ich gefestigt und schon Jahre in diversen Foren zum Thema Beauty unterwegs. Dort gab es geschlossene Bereiche, in denen die einzelnen User ihre eigenen kleinen Tagebücher führten und andere Mitglieder teilhaben konnten. An „Beauty Routinen“, „Hauls“ und „Wish Lists“. Nur hieß das damals noch nicht so.

„Hey Kathrin, du hast doch neulich die Maske XY ausprobiert. Wie ist die denn so?“
„Hast du noch mal das Rezept für den Kuchen neulich?“.
„Was könnt ihr denn an Naturkosmetik empfehlen? Gerne vegan. Stelle da gerade um.“ (Ich, 2009)

Und schwups war ich mittendrin. Blogs gab es schon ein paar und so langsam fing man auch an sie zu lesen. Und eines Tages im Dezember – ich saß krank zuhause und hatte meine mutigen 5 Minuten – öffnete ich die Seite von Blogspot und hatte 2 Stunden später meinen ersten Blog erstellt. Ich hatte KEINE Ahnung. Und schrieb drauf los. 

Bloggen Blogging Meine Anfänge

Denn anders als heute, wo dazu geraten wird mindestens 5 fertige Artikel in der Hinterhand zu haben, wuchs der Blog parallel zur Leserschaft. Bis ich meine Statistiken überhaupt entdeckte, dauerte es ein paar Tage. Wow, da liest echt jemand mit! Erst 10, dann 20 und irgendwann tatsächlich mal 100 Leute am Tag. 100 mir völlig fremde Menschen, die schauen, was ich da tue. Und darauf reagieren! Ich war geflasht.

Es gab kein Camp, auf dem man lernen konnte, wie man das mit dem Bloggen anstellt. Kaum nennenswerte Facebookgruppen in denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen konnte. Es gab auch nicht mal viele Erfahrungswerte, über die man sich hätte austauschen können. Beauty und Lifestyle Blogs kamen in Deutschland in der breiteren Masse so Mitte der 2000er an. Ich war also eher einer der späten Early Adopter. Aber selbst zwischen 2009 und 2017 liegen Welten.

War früher mehr Lametta?

Der deutlichste Unterschied zu heute: Ich machte einfach. Trial and Error. Rückblickend wäre ich froh und dankbar über den einen oder anderen Tipp gewesen. Das hätte mir viel Zeit und Nerven gespart. Aber ich kannte schlichtweg niemanden, den ich hätte um Rat fragen können. Technisch konnte man mit Blogspot auch ohne große Kenntnisse einiges allein schaffen, inhaltlich tat ich eh was ich wollte und Facebook legte ich mir eigentlich nur privat zu, um mich mit Freunden und Bekannten zu vernetzten. 

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Irgendwann 2010 –  denn damals brauchte es eine Weile, bis sich so ein Blog rumgesprochen hatte – war er da, der Punkt, an dem SIE kam. Die erste Mail von jemanden, der sein Produkt gerne auf meinem Blog platzieren wollte.

HOLLA! Das war ein Gefühl. Irgendwo zwischen Befriedigung („Yeah, es wird jemand auf mich aufmerksam!“), Unsicherheit („An was muss ich alles denken?“) und blanker Panik („Meinen die wirklich mich? Kommt in 10 Minuten eine Mail „Sorry, haben uns vertan.“? Kann ich das?“ Erwartungen. Hoffnungen. Was richtig Offizielles. Waaah!)

Um das abzukürzen: Was folgte waren Jahre des Herantastens, Wachsens, Versuchens, Scheiterns, der Kreativflaute, der Schreibblockaden und der kleinen Durchbrüche. Des nächtlichen Grübelns über Gewerbeanmeldung, Steuern und Rechnungen.
Ich bin froh, da durch zu sein. Hätte man mir vor 7 Jahren erzählt, dass ich mal meine eigene Autorin, Fotografin, Stylistin, Steuer- und Imageberaterin werden würde, ich hätte hysterisch angefangen zu lachen. Und dann geweint. Ich bin über mich hinaus gewachsen. Das kann ich mittlerweile sagen. Ich habe meinen Standpunkt vertreten, gelernt NEIN zu sagen und mich zu verkaufen. Im positiven Sinne. Und das ist manchmal das Allerschwerste.

Es ist ein bisschen so, als würde man an seine Pubertät zurückdenken und sich wünschen, man könne sie nochmal durchleben. Aber bewaffnet mit all der Lebenserfahrung, den Hochs und Tief und Learnings, die man danach gemacht hat. 

Ihr seht, da weht gerade ein leichter Hauch von Nostalgie über den Bildschirm. Wie bei einer alten Omi, die uns von Kinderspielen von früher berichtet und wir dem Ganzen milde lächelnd lauschen, um danach wieder das Smartphone rauszuholen und darüber belustigt zu twittern. 

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Heute läuft das anders. Und das ist bis zu einem gewissen Grad auch gut so. Ich wünsche mir die Anfänge des Bloggens nur bedingt zurück. Vieles hat sich professionalisiert. Das macht mir einiges leichter. Wenn ich ein technisches Problem habe, bekomme ich in Minutenschnelle Hilfe. Ich habe meine Skills weiterentwickelt. Im Storytelling, in der Fotografie und im Umgang mit (potentiellen) Kunden. Wurde ich früher gefragt, was ich da tue, erntete ich selbst auf Messen manchmal fragende Blicke.
„Ach, vorhin war schon eine Kollegin von Ihnen da. Schreiben Sie das zusammen?“
‚Türlich. Es gibt nur einen einzigen Blog und wir sind alle seine Angestellten…

Heute weiß (fast) jeder was Sache ist oder hat den Begriff „Blogger“ zumindest schon mal gehört. Auch wenn die Bilder im Kopf bei den Leuten immer noch SEHR stark auseinander gehen. Das macht den Workflow doch deutlich geschmeidiger.

Das hat aber auch zur Folge, dass Blogs wie Pilze aus dem Boden sprießen. Es hat sich herumgesprochen, dass man mit ihnen Geld verdienen kann. Doch wie viel Persönlichkeit steckt in einem Blog, der auf dem Reißbrett erstellt wurde? Der nicht durch Blut, Schweiß und Tränen gewachsen ist und voller Leidenschaft kontinuierlich bespielt wird? (Was die eigentliche Herausforderung ist. Durchhaltevermögen.)

Es ist nicht alles schlecht. Ein Hoch aufs Bloggen!

Aber es gibt sie noch, die Menschen, die für etwas brennen und ihre Leidenschaft mit anderen teilen wollen. Die ihre Nische finden und andere mit ihrer Persönlichkeit und ihren Inhalten begeistern. Die Mutigen. Die Neugierigen.

Es sind viel mehr geworden. Die Menschen, die das tun, was ich tue. Es ist ein wunderbares Netzwerk entstanden aus Bloggern, die ähnlich ticken wie ich und mit mir auf einer Wellenlänge surfen. Deren Erfahrungen und Feedback ich in meinem Alltag nicht missen möchte und die tatsächlich zu guten Freunden und Bekannten wurden. Ich habe Kontakte geknüpft zu Partnern und Kunden, die zu mir und dem Blog passen. Konnte durch sie Dinge erleben, die ich früher nicht für möglich gehalten habe.

Und ich habe ganz wunderbare Leser. Ich kann es nicht oft genug sagen. In all den Jahren wart ihr immer interessiert, entspannt, zugewandt und respektvoll. Das ist ein großer Schatz. 

Es heißt, ein Leser verfolgt einen Blog tatsächlich nur zweitrangig aufgrund des Inhalts. Primär folgt er einem Blog – bewusst oder unbewusst – da er die Persönlichkeit des Bloggers dahinter schätzt oder zumindest interessant findet. Da hilft kein Schema F, kein Tutorial und es lässt sich vor allen nicht übers Knie brechen. Nicht in 7 Wochen und nicht in 7 Jahren. Trial and Error. Und Zusammenwachsen. Zusammen wachsen.

Danke. 

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