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Bloggen | Früher war alles besser? | Meine Anfänge

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„Hallo Kathrin, ich selber habe zwar gerade erst angefangen zu bloggen, aber du machst das ja jetzt schon einen ganze Weile. Hast du ein paar Tipps auf Lager, wie ich mehr Leser ansprechen kann? Und wie gehe ich am besten auf Firmen zu, damit sie mich sponsoren. Schreibst du die einfach an? Wie lange hat es bei dir gedauert bis du deinen Blog monetisieren konntest? „

Uff. 

Nach einem kurzen Atemstillstand kann ich der Person diese Mail nicht einmal verübeln. Es wird heute ja so vorgelebt. Blogs müssen ab Minute Eins perfekt sein. „Sich lohnen“. Und im Idealfall sofort Geld abwerfen. 

Und die, die sie schreiben kommen oft schon aus der Branche (Marketing, PR, Studium dessen…). Sie stampfen mit heutigen Mitteln in kurzer Zeit einen astrein SEO-optimierten und hip aussehenden Blog aus dem Boden. Dafür sorgen unter anderem auch diverse „Experten“, die uns Programme verkaufen, wie wir in kurzer Zeit vom Bloggen leben können, Google uns liebt und die Likes auf Instagram uns nur so zufliegen. Auch hat sich mittlerweile ein Gefühl dafür entwickelt was läuft und was eher nicht funktioniert. Leider hat das zur Folge, dass sich viele neue Blogs erschreckend ähneln. 

Heute ist das Risikofreudigste oft eine Tasse Kaffee
auf der weißen Bettdecke

Waren wir früher mutiger? Wahrscheinlich. Ich habe nicht alles aus drei Perspektiven begutachtet und doppelte Böden eingebaut. Heute ist das Risikofreudigste oft ein Tasse Kaffee auf der weißen Bettdecke für ein schniekes Bild auf Instagram.  Vielleicht hätte ich manches Mal weniger Bauch (und Herz) und mehr Kopf sein sollen. Ich weiß es nicht.
Heute wird oft VIEL strategischer an so einen Blog gegangen. Mit einem klar definierten Ziel.
Täglich lese ich in diversen Facebook Gruppen Fragen von neuen Bloggern wie  

„Welche Strategie empfiehlt ihr?“
„Wie bekomme ich mehr Follower?“
„Wie habt ihr euer Thema gefunden? Über welches Thema könnte ich bloggen?“

Pfuuuuuuh. Nochmal tief Luft holen. Kamen wir damals auch so schnell auf den Punkt? Als ich 2009 mit dem Bloggen anfing, lief es ganz genau so ab, wie es damals eben ablief. Thematisch war ich gefestigt und schon Jahre in diversen Foren zum Thema Beauty unterwegs. Dort gab es geschlossene Bereiche, in denen die einzelnen User ihre eigenen kleinen Tagebücher führten und andere Mitglieder teilhaben konnten. An „Beauty Routinen“, „Hauls“ und „Wish Lists“. Nur hieß das damals noch nicht so.

„Hey Kathrin, du hast doch neulich die Maske XY ausprobiert. Wie ist die denn so?“
„Hast du noch mal das Rezept für den Kuchen neulich?“.
„Was könnt ihr denn an Naturkosmetik empfehlen? Gerne vegan. Stelle da gerade um.“ (Ich, 2009)

Und schwups war ich mittendrin. Blogs gab es schon ein paar und so langsam fing man auch an sie zu lesen. Und eines Tages im Dezember – ich saß krank zuhause und hatte meine mutigen 5 Minuten – öffnete ich die Seite von Blogspot und hatte 2 Stunden später meinen ersten Blog erstellt. Ich hatte KEINE Ahnung. Und schrieb drauf los. 

Bloggen Blogging Meine Anfänge

Denn anders als heute, wo dazu geraten wird mindestens 5 fertige Artikel in der Hinterhand zu haben, wuchs der Blog parallel zur Leserschaft. Bis ich meine Statistiken überhaupt entdeckte, dauerte es ein paar Tage. Wow, da liest echt jemand mit! Erst 10, dann 20 und irgendwann tatsächlich mal 100 Leute am Tag. 100 mir völlig fremde Menschen, die schauen, was ich da tue. Und darauf reagieren! Ich war geflasht.

Es gab kein Camp, auf dem man lernen konnte, wie man das mit dem Bloggen anstellt. Kaum nennenswerte Facebookgruppen in denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen konnte. Es gab auch nicht mal viele Erfahrungswerte, über die man sich hätte austauschen können. Beauty und Lifestyle Blogs kamen in Deutschland in der breiteren Masse so Mitte der 2000er an. Ich war also eher einer der späten Early Adopter. Aber selbst zwischen 2009 und 2017 liegen Welten.

War früher mehr Lametta?

Der deutlichste Unterschied zu heute: Ich machte einfach. Trial and Error. Rückblickend wäre ich froh und dankbar über den einen oder anderen Tipp gewesen. Das hätte mir viel Zeit und Nerven gespart. Aber ich kannte schlichtweg niemanden, den ich hätte um Rat fragen können. Technisch konnte man mit Blogspot auch ohne große Kenntnisse einiges allein schaffen, inhaltlich tat ich eh was ich wollte und Facebook legte ich mir eigentlich nur privat zu, um mich mit Freunden und Bekannten zu vernetzten. 

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Irgendwann 2010 –  denn damals brauchte es eine Weile, bis sich so ein Blog rumgesprochen hatte – war er da, der Punkt, an dem SIE kam. Die erste Mail von jemanden, der sein Produkt gerne auf meinem Blog platzieren wollte.

HOLLA! Das war ein Gefühl. Irgendwo zwischen Befriedigung („Yeah, es wird jemand auf mich aufmerksam!“), Unsicherheit („An was muss ich alles denken?“) und blanker Panik („Meinen die wirklich mich? Kommt in 10 Minuten eine Mail „Sorry, haben uns vertan.“? Kann ich das?“ Erwartungen. Hoffnungen. Was richtig Offizielles. Waaah!)

Um das abzukürzen: Was folgte waren Jahre des Herantastens, Wachsens, Versuchens, Scheiterns, der Kreativflaute, der Schreibblockaden und der kleinen Durchbrüche. Des nächtlichen Grübelns über Gewerbeanmeldung, Steuern und Rechnungen.
Ich bin froh, da durch zu sein. Hätte man mir vor 7 Jahren erzählt, dass ich mal meine eigene Autorin, Fotografin, Stylistin, Steuer- und Imageberaterin werden würde, ich hätte hysterisch angefangen zu lachen. Und dann geweint. Ich bin über mich hinaus gewachsen. Das kann ich mittlerweile sagen. Ich habe meinen Standpunkt vertreten, gelernt NEIN zu sagen und mich zu verkaufen. Im positiven Sinne. Und das ist manchmal das Allerschwerste.

Es ist ein bisschen so, als würde man an seine Pubertät zurückdenken und sich wünschen, man könne sie nochmal durchleben. Aber bewaffnet mit all der Lebenserfahrung, den Hochs und Tief und Learnings, die man danach gemacht hat. 

Ihr seht, da weht gerade ein leichter Hauch von Nostalgie über den Bildschirm. Wie bei einer alten Omi, die uns von Kinderspielen von früher berichtet und wir dem Ganzen milde lächelnd lauschen, um danach wieder das Smartphone rauszuholen und darüber belustigt zu twittern. 

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Heute läuft das anders. Und das ist bis zu einem gewissen Grad auch gut so. Ich wünsche mir die Anfänge des Bloggens nur bedingt zurück. Vieles hat sich professionalisiert. Das macht mir einiges leichter. Wenn ich ein technisches Problem habe, bekomme ich in Minutenschnelle Hilfe. Ich habe meine Skills weiterentwickelt. Im Storytelling, in der Fotografie und im Umgang mit (potentiellen) Kunden. Wurde ich früher gefragt, was ich da tue, erntete ich selbst auf Messen manchmal fragende Blicke.
„Ach, vorhin war schon eine Kollegin von Ihnen da. Schreiben Sie das zusammen?“
‚Türlich. Es gibt nur einen einzigen Blog und wir sind alle seine Angestellten…

Heute weiß (fast) jeder was Sache ist oder hat den Begriff „Blogger“ zumindest schon mal gehört. Auch wenn die Bilder im Kopf bei den Leuten immer noch SEHR stark auseinander gehen. Das macht den Workflow doch deutlich geschmeidiger.

Das hat aber auch zur Folge, dass Blogs wie Pilze aus dem Boden sprießen. Es hat sich herumgesprochen, dass man mit ihnen Geld verdienen kann. Doch wie viel Persönlichkeit steckt in einem Blog, der auf dem Reißbrett erstellt wurde? Der nicht durch Blut, Schweiß und Tränen gewachsen ist und voller Leidenschaft kontinuierlich bespielt wird? (Was die eigentliche Herausforderung ist. Durchhaltevermögen.)

Es ist nicht alles schlecht. Ein Hoch aufs Bloggen!

Aber es gibt sie noch, die Menschen, die für etwas brennen und ihre Leidenschaft mit anderen teilen wollen. Die ihre Nische finden und andere mit ihrer Persönlichkeit und ihren Inhalten begeistern. Die Mutigen. Die Neugierigen.

Es sind viel mehr geworden. Die Menschen, die das tun, was ich tue. Es ist ein wunderbares Netzwerk entstanden aus Bloggern, die ähnlich ticken wie ich und mit mir auf einer Wellenlänge surfen. Deren Erfahrungen und Feedback ich in meinem Alltag nicht missen möchte und die tatsächlich zu guten Freunden und Bekannten wurden. Ich habe Kontakte geknüpft zu Partnern und Kunden, die zu mir und dem Blog passen. Konnte durch sie Dinge erleben, die ich früher nicht für möglich gehalten habe.

Und ich habe ganz wunderbare Leser. Ich kann es nicht oft genug sagen. In all den Jahren wart ihr immer interessiert, entspannt, zugewandt und respektvoll. Das ist ein großer Schatz. 

Es heißt, ein Leser verfolgt einen Blog tatsächlich nur zweitrangig aufgrund des Inhalts. Primär folgt er einem Blog – bewusst oder unbewusst – da er die Persönlichkeit des Bloggers dahinter schätzt oder zumindest interessant findet. Da hilft kein Schema F, kein Tutorial und es lässt sich vor allen nicht übers Knie brechen. Nicht in 7 Wochen und nicht in 7 Jahren. Trial and Error. Und Zusammenwachsen. Zusammen wachsen.

Danke. 

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Yoga Kolumne

Kolumne | Yoga saved my ass

Yoga KolumneDas mit dem Yoga und mir, das ist so eine Sache. Ich liebe Yoga. Und alles, was dazu gehört. Denn das ist bei weitem mehr, als das, was man äußerlich sieht. Yoga ist nicht nur akrobatisch-anmutig Asanas turnen. Yoga ist eine innere Haltung, nach außen getragen. Yoga ist Mediation, Suche, Erkenntnis. 

Männer die Yoga praktizieren nennt man Yogis, Frauen Yoginis. Ich habe immer noch Probleme, mich als eine solche zu bezeichnen. Für mich sind das eher all diese bewundernswerten, leicht ätherischen Wesen, die es schaffen eine tägliche Praxis zu kultivieren. Oder mindestens eine, die sie mehrmals pro Woche auf die Matte bringt. Ich muss da leider meist die Segel streichen. Mein Regal ist voll mit Theorie, aber in die Praxis komme ich bei weitem nicht so häufig, wie ich es gerne würde. Und das ärgert mich. Denn ich weiß, wie gut mir Yoga tut. Und das auch nur 5 investierte Minuten am Tag einen riesigen Unterschied machen. Zu wenig Zeit und zu gestresst für die Entspannung. Was für ein Armutszeugnis…

Und dann denke ich an letztes Jahr. Ich wache auf und liege im Krankenhaus. Doppelter Schädelbruch, mehrere Hirnblutungen, gebrochene Rippen, angebrochene Wirbel, geplatztes Trommelfell und angeknackste Hüfte. Hoppla, wie ist das passiert? Rote Ampel, Mercedes, 60 Stundenkilometer, ihre A-Säule, mein Kopf, 10 m Stuntflug durch die Luft. Bäm

Ich warte auf das Weinen, das Jammern und Wehklagen. Warum gerade ich? Was wird nun? Bleibt da was? (Immerhin kann ich mir in diesem Moment diese Gedanken machen, ein allzu großer Hirnschaden kann also ausgeschlossen werden und mit den Zehen wackeln geht auch. Glück gehabt.) Bis zu diesem Moment hätte ich mich als Pessimistin bezeichnet. Immer fünf Schritte im Voraus denken. Immer vom Schlimmsten ausgehen, dann kann es nur besser werden. Das hier wäre DIE Gelegenheit, um dem so richtig zu frönen. Mit allem Recht der Welt. 

Stattdessen liege ich hier und bin ganz ruhig. Ich mache mir nicht einmal Gedanken darüber, das alles gut wird und versuche es mir einzureden. Ich WEIß es! Auch als ich nach 5 Tagen beim Lippenpflege auftragen merke, dass da irgendwas schief läuft. Im wahrsten Sinne. Ich erlebe innerhalb einer halben Stunde, wie meine komplette linke Gesichtshälfte gelähmt ist. Erst setzt ein Kribbeln um den Mund ein, das sich dann minütlich ausbreitet. Dann kann ich die Stirn nicht mehr runzeln. Am Ende des Tages sehe ich aus wie eine Mischung aus Schlaganfallpatient und Botox-Opfer. Am ehesten noch wie der Joker aus Batman. Rechts lächele ich, links tut sich gar nichts mehr. Ätzend beim Trinken und Reden. Meine armen Mitmenschen! Ich klingele nach dem Arzt – „Gehört das so?“  – und erfahre, dass das bei meiner Art von Schädelbruch oft nach 5-7 Tagen auftreten kann. Und wieder weggeht. Vielleicht. Irgendwann. Ok. Damit kann ich leben. (Im Übrigen war die Lähmung schon nach gut 3 Wochen so gut wie weg. Normal sind 6 Wochen bis 6 Monate. Und nicht immer rückstandslos. Ich bin ein kleines Glücksschweinchen.)

Yoga Unfall

16.05.15 – Knapp 24 Stunden nach dem Unfall
(„Möchten Sie eigentlich Ihr Handy wiederhaben?“
Die wohl schönste Frage, die mir je gestellt wurde.  😉 )

Nach einer Woche – Ich bin mittlerweile auf die normale Station verlegt – darf ich eine weitere mehrtägige Extrarunde auf der Intensivstation drehen. Durch eine Blutung wird meine Hypophyse so gepiesackt, dass ich einen Natriumwert habe, der so niedrig ist, dass ich zu diesem Zeitpunkt im Koma oder mindestens im Delirium liegen müsste. Da ich aber putzmunter bin, glaubt man erst an einen Messfehler im Labor. Nur das ungute Bauchgefühl eines jungen Arztes bringt mich um 21.30 Uhr nochmal dorthin und danach direkt wieder auf Intensiv. Ein Glück, sonst wäre ich wohl irgendwann einfach selig eingeschlummert. Ironischerweise ist das der erste Tag, an dem ich mich den Umständen entsprechend einigermaßen auf der Höhe fühle. Und den ESC verpasse. Hmpf.

Laut Notarzt kann ich den zweitniedrigsten, je im Krankenhaus gemessenen Natrium-Wert für mich verbuchen. Eine Frau, deren Wert zwar niedrig, aber weitaus höher war als meiner, weiß zum gleichen Zeitpunkt nicht mehr wie sie heißt und macht ins Bett. Glücksschwein, ich sag es ja. 

Quasi sofort bekomme ich Physiotherapie. Hier wird niemand geschont. Ich muss möglichst schnell lernen mich auf Krücken fortzubewegen, ohne die linke Hüfte zu belasten. Gar nicht mal so einfach, wenn man sich eigentlich kaum bewegen darf. Mein Physiotherapeut stellt fest, dass ich meine gebrochene Hüfte besser bewegen kann, als so manch einer seine heile. Und der Arzt resümiert, dass mir meine minimale Yoga-Praxis zumindest beim Aufprall durchaus von Vorteil gewesen sein wird. Ich werde nicht müde zu betonen, dass ich eigentlich total unsportlich bin.

Ich verbringe den kompletten Sommer 2015 erst im Bett, dann im Rollstuhl und auf Krücken. Und brüllenden Kopfschmerzen. Ich habe das Gefühl, er platzt. Ich muss mich wochenlang im Sitzen auf dem Senioren-Wannensitz duschen. Eine Qual für jemanden wie mich, die ihre Haare grundsätzlich über Kopf und über der Wanne wäscht. Daran ist aber bis Ende 2015 nicht zu denken. Ich kann meinen Kopf knacken hören und spüren. Wie Schritte auf zugefrorenen Pfützen. Ich bestelle online blind eine teure Sonnenbrille und ärgere mich später, nicht vorher nach der Größe geschaut habe. Sie ist viel zu eng. Monate später kann ich sie easy auf den Kopf schieben. Mein Kopf ist abgeschwollen…

Noch heute habe ich bei Wetterumschwüngen und großem Stress sowie erhöhter Lautstärke schnell Kopfschmerzen. Richtig fiese Kopfschmerzen. Vorher war ich dafür überhaupt nicht anfällig. Beim Sitzen schlafen mir die Beine schneller ein und gelegentlich zwicken Hüfte und Knie. Aber das ist halt so. Es hätte schlimmer kommen können, oder?

punkteklein

Warum ich euch das erzähle? Weil ich seit dem letzten Jahr weiß, zu was Körper, Geist und Seele im Stande sind. Ich weiß nicht woher er kam, dieser gnadenlose Optimismus. Dieses tiefe Vertrauen, dass alles gut wird. Selbst als die Ärzte bei meiner zweiten Runde auf der Intensivstation recht ratlos vor mir standen, weil die Symptome einfach nicht so recht zusammenpassen wollten. 

Schon im Krankenhaus habe ich angefangen einige Asanas zu üben. Weil ich mir auf der Intensivstation einen Nerv an der Wirbelsäule einklemmte…. Der Klassiker. DAS waren Schmerzen. Ich behaupte, das war das schmerzhafteste überhaupt. Seriously. Nun saß ich da also im Drehsitz und in der Vorbeuge. Irrsinnig, eigentlich. Auf alle Fälle sorgte es erst für Entsetzen und dann für Erheiterung. Ich habe in der Zeit einige interessante Gespräche mit Ärzten und Schwestern geführt und war überrascht, wie offen viele doch für Yoga waren. Später in der Reha habe ich meiner Physiotherapeutin zum Abschied ein Buch geschenkt. „Yoga für Späteinsteiger“. Ich hoffe, dass jetzt irgendwo im tiefsten Sachsen-Anhalt mal die eine oder andere Haltung auf dem Stuhl ausprobiert wird. 

Auch zuhause versuchte ich so gut es geht zu praktizieren.. Die Hüfte langsam wieder beweglich zu machen. Zu spüren. Überrascht war ich, dass ich merkte, wie unterschiedlich beide Hüften reagierten. Selbst als ich keine Schmerzen spürte, war es, als ob es links „hakte“. Mit der Zeit  – und einiger Praxis – wurde es tatsächlich besser. Zusätzlich saß ich oft auf meinem Bett und habe diverse Mantras gechantet und meditiert. Erst aus Jux und Tollerei. Ich hatte ja Zeit. Viel Zeit. Und man weiß ja nie. Dann, weil ich merkte, wie gut es mir tat. 

Auf dem Rad saß ich zum ersten Mal wieder im Oktober letzten Jahres. Nach 20 Metern bergauf schnaufte ich wie nach einem Marathon. Irre, wie schnell sich die Kondition bis auf ein Minimum verabschiedet. Und wie wackelig man auf den Beinen werden kann. Auch ohne Alkohol. Ich kam mir vor wie 80. 

Mittlerweile arbeite ich seit über einem halben wieder voll in meinem alten Beruf. Ich fahre jeden Tag Rad und muss mich manchmal selber kneifen. Was hatte ich für ein Glück! Ich weiß nicht, wer es da gut mit mir meinte und warum. Aber ich weiß, dass Yoga da nicht ganz unbeteiligt war. 

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das letzte Jahr vielleicht das beste meines Lebens war. Noch nie hatte ich so viel Zeit für mich, die ich effektiv genutzt habe. Ich habe viel gelesen. Über Meditation, Yoga, Selbstliebe. Und viel ausprobiert. Ich habe einiges seitdem verändert. Ich habe mich verändert. Das sagen auch andere. Einige Male bin ich gefragt worden, ob man den Sinn des Lebens, das eigene Leben nach so etwas hinterfragt. Ich bin mir nicht sicher. Aber Prioritäten verschieben sich. Ich weiß definitiv deutlicher was ich will und was ich nicht will. Und teile meine Energien dementsprechend ein. Das mag für andere manchmal etwas überraschend erscheinen. Für mich ist es eine Form von Selbstliebe. I’ve learned the hard way.

Und ich muss gestehen, dass es nicht so einfach ist wie gehofft, dieses Gefühl der Unverwundbarkeit, dieses Glücks, dieser inneren Ruhe zu halten. Allzu oft droht mich der Alltag einzuholen. Die kleinen Nervigkeiten des täglichen Lebens. Wenn sich der kleine Pessimist wieder meldet. War das mein Fehler? Hätte ich etwas anders machen sollen? Was erwarten andere von mir? Ich verstehe jetzt, wieso sich einige Menschen, die dem Tod einmal von der Schippe gesprungen sind, immer wieder in Extremsituationen bringen wollen oder gar müssen. Die wahre Kunst ist nicht das Durchstehen einer solchen Situation, sondern die, sich dieses Gefühl danach möglichst lange zu bewahren. 

Umso mehr schulde ich es mir, mehr in mein persönliches Yoga einzutauchen. Die 3 Minuten, die ich aufwende, um mich darüber zu beschweren keine Zeit zu haben, lieber ins TUN zu investieren. Im letzten Jahr habe ich Kundalini Yoga für mich wiederentdeckt. Mit ihm hatte ich vor vielen Jahren meine ersten praktischen Yoga-Erfahrungen, kam aber zugunsten „akrobatischerer“ Praktiken ein wenig davon ab. Im letzten Jahr kam mir dann sehr zu pass, dass hier auf Kopfstand und Co. ganz verzichtet wird. Und Mediation und Mantras ganz selbstverständlich dazu gehören. Ich muss dabei immer an die Worte meines damaligen Lehrers denken, der uns ermutigte unserer Matte einen festen Platz im Raum zu geben und sie idealerweise immer ausgerollt liegen zu haben. So gibt es kaum noch Ausreden, um morgens nicht mal eben ein paar „Cat-Cows“ hinzulegen. 

Diesen Deal mit mir selbst bin ich eingegangen. Jeden Morgen 3 Minuten. Wer weiß, für was das mal gut ist.

Kathrin_einbisschenvegan (18 von 45)

Foto: www.franzitrifftdieliebe.de

Female-Shaming Sexismus

Kolumne | Heilige, Hure oder Hausfrau?

Female-Shaming Sexismus

Eigentlich wollte ich einfach nur einen Kommentar zu Female-Shaming bei Maddie abgeben, die Bezug auf den dämlichen Septum-Artikel eines anscheinend leicht zu verunsichernden Journalisten nahm. Der sprengte aber schnell den Rahmen und so wurde eine Kolumne daraus.

Seit einigen Wochen weiß nun auch ich, wie es sich anfühlt, wenn Menschen einem den Tod an den Hals wünschen. Oder „Asylrudelbumsen von 20 Syrern“. Ein wenig beruhigt es mich, wenn ich sehe, dass hier meist nur eine vergewaltigt wird: Die deutsche Sprache. 

Auffallend jedoch: Wird in solchen Situationen geschlechterübergreifend an der Intelligenz gezweifelt und vielleicht noch mit Mord gedroht, wird es bei Frauen sehr schnell sexuell. Sie werden degradiert und objektiviert. Frauen sind dazu da benutzt zu werden. Und Männer, um ihnen zu zeigen, wo es im Leben lang geht. Logisch. Zumindest in den Köpfen dieser Menschen.

Auffallend auch: Mit Solidarität ist in so einem Fall eher wenig zu rechnen. Was anscheinend mehrere Gründe hat. Die Polizei spielt es herunter und sieht das Problem nicht. „Das ist halt so Zeug, was solche Idioten schreiben. Das muss man einfach ignorieren.“  
Das digitale Umfeld hält sich bedeckt. Womöglich aus Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden. Ducken, unauffällig bleiben, das blöde Gefühl vorüberziehen lassen. Verständlich? Verdammt, ich hätte es vielleicht genauso gemacht.

Denn eigentlich dachte ich bisher, dass ich hier in einer ganz anständigen Blase sitze. Ich hatte nicht das Gefühl, täglich sexistischem Mist ausgesetzt zu sein oder schiefe Blicke auf der Straße zu kassieren. Und wenn mich dann doch mal ein Artikel im Netz auf die innere Palme bringt: Stecker ziehen, Klappe zu. Es kann so einfach sein. Probleme mit Sexismus und Female-Shaming haben doch eh immer nur die anderen.

Doch bei genauerem Hinsehen ist es weniger das Fehlen von Sexismus und Female-Shaming als vielmehr das gekonnte Ignorieren. Wenn man sich aber darauf einlässt und auch mal die Perspektive wechselt, dann begegnen einem am laufenden Band immer wieder Situationen in denen Frauen abgewertet, objektiviert oder einfach nur belächelt werden. Klar. Die kann man weiterhin ignorieren. Ein Fass aufmachen wegen einer leicht bekleideten Frau in der Strom-Werbung? Den Mund aufmachen bei dumpfen Sprüchen auf der Party? Lieber nicht. Versteht eh niemand und am Ende wird mir wieder die Welt erklärt. 

Einfach weiter mein Ding machen, dann passt das schon. Aber tut es das? Ist dieses Ignorieren nicht auch ein Hinnehmen? Innerlich können wir noch so resilient, stark und gewappnet sein. Es kann uns noch so am Allerwertesten vorbei gehen. Von außen sieht es aus wie Resignation. Das ist halt so. Das war schon immer so. Weitermachen. 

Man nehme beispielsweise ganz aktuell die Olympischen Spiele: Da sagt ein Moderator unkommentiert Sätze wie „Nach der Rhythmischen Sportgymnastik nun wieder zu richtigem Sport.“ Oder eine 16-jährige Turnerin wird aufgrund ihres Outfits massiv kritisiert, welches nicht patriotisch genug sei, während ein 32-jähriger Schwimmer sich die Hucke vollsaufen, daneben benehmen und lügen darf. Um im Anschluss dennoch nur als „Rowdy Boy“, der „einfach mal eine Pause brauchte“ bezeichnet zu werden. Dieser Schlingel!

Da wird über muskulöse Oberarme, markante Gesichtszüge und Oberschenkelumfänge debattiert. Aber natürlich nur bei Frauen. Selbstredend. Und wenn sie dann auch noch Erfolge feiern können, das Ding so richtig rocken und ordentlich Medaillen abräumen – werden Vergleiche zu Männern gezogen. „Der weibliche Michael Jordan“. Oder aber sie werden gleich gar nicht erst namentlich genannt, sondern landen mit „Frau von… gewinnt Medaille“ in der Presse. Übrigens kein rein olympisches Phänomen. Als Britta Ernst 2014 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein wurde, titelte eine Zeitung: „Frau von Olaf Scholz wird Ministerin“. Kein Witz. Leider.

Manchmal beschleicht mich allerdings der Gedanke, dass Frauen an diesem Dilemma nicht ganz unschuldig sind. Ich arbeite in einem Beruf, welcher fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird. Hier sollte man also auf den ersten Blick davon ausgehen können von Bewertungen verschont zu bleiben. Denkste! Wer glaubt, Frauen untereinander sind alle wahnsinnig supportive und verfolgen die gleiche Sache – nämlich Empowerment – der irrt. Oder hat zu viele „Life Coaches“ auf Instagram gesehen.

Und zwar nicht nur, weil Body/Gender/Sex/Whatever-Shaming auch durchaus eine weibliche Handschrift tragen kann. Vielmehr auch, weil viele Frauen sich selbst gerne selbst kleiner machen als sie sind. Da braucht es nicht mal Einwirkung von außen. Dürfen wir das? Können wir das? Ist das sozial/freundlich/empathisch genug? Und: Natürlich machen wir das. Weil es von uns erwartet wird. Das war schon immer so.

punkteklein

Selbst im Jahr 2016 scheint ein Großteil der Bevölkerung der Meinung zu sein, sie hätten das Recht Frauen zu typisieren. „Die Nette“, „Die Schöne“, „Die Soziale“, „Die Tapfere“. Manchmal fühle ich mich wie ein einem Set von Tarotkarten. Man hofft einfach nicht „Der Tod“ zu sein.

Schon Meredith Brooks sang: „I’m a bitch, I’m a lover, I’m a child, I’m a mother, I’m a sinner, I’m a saint,
I do not feel ashamed, I’m your hell, I’m your dream, I’m nothing in between.“
Der Refrain endet mit „You know, you wouldn’t want it any other way.“ 

Wenn ich mir die Kommentare in den sozialen Netzwerken so durchlese, bin ich mir da nicht so sicher. Wenn sich einige Männer schon von einem Piercing so sehr verunsichern lassen, ist ihr Frauenbild anscheinend leicht zu erschüttern. Dann mal los.

Deine getanzten Tänze kann die niemand mehr nehmen.

Kolumne | Instagram, das schöne Leben und der Neid.

Kolumne Neid Instagram„Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“
Charles-Louis de Montesquieu

Es ist Sonntagnachmittag und ich scrolle durch meine Instagram Timeline. NEID! Da sind sie wieder. Die schönen, schlanken Mädels mit den aufgeräumten, durchgestylten Wohnungen und den Zehen im Sand. Hier ist Kranksein, Wäscheberg und Staubsaugen angesagt. Bei dir ist es vielleicht das schreiende Kind, wo du doch eigentlich gerade in das gute Buch schauen wolltest, die nächste Rechnung, die den ersten Urlaub seit Jahren in noch weitere Ferne rücken lässt oder der Gedanke an die doofe Kollegin morgen, die dir morgen garantiert wieder den ganzen Tag versaut.

STOP!

Kopf hoch, Brust raus, Arsch hoch. Lassen wir uns nicht klein reden. Weder von anderen, noch von der inneren Stimme, die manchmal einfach mal die Klappe halten sollte. Schauen wir auf das, was wir erreicht haben. Die Situationen, in denen wir über uns hinaus gewachsen sind. In denen wir nicht den einfachen, sondern den steinigen Weg gewählt haben, der uns einiges an Kraft, Tränen und Schweiß gekostet hat, uns am Ende dem Ziel aber ein wenig näher gebracht hat. 

Wir sind in dieser Form, mit diesem Herzen und diesem Geist mit all unseren Erinnerungen und Erfahrungen nur einmal hier. Lasst uns das zum Fest machen! Es gibt keine zweite Chance. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir zurückschauen werden. Und da möchte ich mehr „Genau so noch einmal!“ als „Verdammt, hätte ich doch bloß.“ denken.     

Aber machen wir uns nichts vor: Die wenigstens von uns sind in der Lage zu 100% ihr Traumleben zu führen. Vielleicht – sehr wahrscheinlich sogar – müssen wir tagtäglich einer Arbeit nachgehen, die nicht immer  unbedingt unsere erste Wahl ist. Die wir manchmal sogar richtig sinnlos und nicht erfüllend finden. Vielleicht müssen wir uns mit unfreundlichen Menschen abgeben, denen wir eigentlich gerne mal ins Gesicht sagen würden, wie ätzend sie nicht. Es aus Gründen aber nicht können. Vielleicht gibt das Konto auch nicht jedes Jahr drei Reisen ans andere Ende der Welt her und der Kleiderschrank kein Fashionbloggerdasein. Da darf man schon mal Neid verspüren.

Und da sind sie wieder, diese perfekten Illusionen im Netz. Es gibt dieses Poster mit dem Satz
„I will not compare myself to strangers on the internet.“ Wenn das mal so einfach wäre…
„Sie sieht einfach umwerfend aus in dieser Jacke. Die brauch ich auch.“ „Sie ist so beliebt. Wenn ich versuche ein bisschen mehr zu sein wie sie, dann färbt das sicherlich auf mich ab.“ Um später frustriert festzustellen, dass uns das nur weniger Kohle auf dem Konto, Kopfzerbrechen und noch mehr Neid beschert. Und Neid macht hässlich. Und sehr, sehr einsam. 

Am Ende ist es sowieso irrelevant, ob der Lifestyle, der uns da präsentiert wird echt ist oder eine große Illusion. Wir werden es höchstwahrscheinlich nie herausfinden und können es – egal wie das Ergebnis ausfällt – auch nicht ändern. 

Throw Kindness Around Like Confetti!

Was wir aber ändern können ist ist unsere Einstellung. Zu uns und dazu, wie wir mit solchen Situationen umgehen. Denn glücklich(er) sein hängt nicht von Fame, Geld oder Besitz ab. Blablabla. Wissen wir. Predigen uns schon unsere Mütter. Aber hey: Da ist was dran! 

Ob wir glücklich sind, entscheiden wir jeden Tag aufs Neue. Es gibt dieses abgenudelten Satz, dass alles, was du aussendest zu dir zurück kommt. Wie man in den Wald hinein ruft… Ich habe es in den letzten Monaten zur Genüge getestet. Und tatsächlich manch angespannte Situation so entschärfen können. Zugegebenermaßen war ich danach immer ziemlich baff. Aber: It’s that easy!
Klar ist es nicht einfach, Montagfrüh wie der frische Morgen vor dem Badspiegel zu stehen und seine Vibes auf positiv zu kalibrieren. Aber es ist einen Versuch wert. Wir haben nichts zu verlieren. Wenn wir es aber nicht tun, dann verlieren wir manchmal sogar uns selbst.

I will not compare myself to strangers on the internet!