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The Ordinary Review Blog Kritik

The Ordinary | Warum ich bisher nicht darüber geschrieben habe.

The Ordinary Review Blog KritikEigentlich sollte dieser Post eine Antwort auf Magis aktuelles Video über die Marke The Ordinary des Hautpflegeherstellers Deciem werden. Beim Schreiben merkte ich jedoch, dass mein Kommentar die klassische Länge unter einem YouTube-Video sprengen und tatsächlich auch eine der meistgestellten Fragen der letzten Monate beantworten würde:

„Wann schreibst du eigentlich mal etwas zu The Ordinary?“

Ich nutze die Produkte der vielgehypten Marke nun schon seit über einem Jahr. Wer mehr oder weniger aufmerksam meine Instagramstories verfolgt wird mitbekommen haben, dass ich gelegentlich mal ein Produkt erwähne, es aber noch keine ausgewiesene Review oder Empfehlung auf meinem Blog gibt. Das war ursprünglich in keinster Weise so geplant, sagt aber wohl auch einiges über mein Verhältnis zu Brand aus. In den letzten Monaten habe ich zwar immer wieder in Privatnachrichten auf diese Frage geantwortet, nun ist es an der Zeit, meine Gedanken auch auf dem Blog zu bündeln.

Warum The Ordinary?

Wer mich kennt weiß, dass ich ein passionierter Nachzügler in Sachen Wirkpflege von Paula’s Choice bin. Bereits vor über 10 Jahren kam ich über Foren mit dem System in Kontakt, war aber aufgrund der Komplexität erst einmal abgeschreckt. In den letzten Jahren jedoch vagte ich den Sprung in diese neue Welt und bin seit nunmehr 3-4 Jahren Heavy User. AHA, BHA, Retinol, Vitamin C. Das volle Programm. Warum also wechseln? 

Das ist eine berechtigte Frage. Ich bin mit den Produkten von Paula’s Choice wunderbar klargekommen und habe einige viele Male nachgekauft. Und genau da liegt der springende Punkt. Paula’s Choice fährt mittlerweile eine Preispolitik, die ich so nur im äußersten Notfall mitmachen möchte. Wer lange Jahre Nutzer einer bestimmten Marke ich, kommt um etwaige leichte Preissteigerungen auf lange Sicht sicherlich nicht herum. Einige Produkte, die ich sehr gerne und täglich verwende sind aber allein in den letzten 2-3 Jahren bis zu 5 Euro teuerer geworden, was ich anhand alter Rechnungen nachvollziehen konnte. 

Zudem hebt die Marke in schöner Regelmäßigkeit zur Glamour Shopping Week die Preise an, was den darauffolgenden vermeintlichen Super-Deal schnell etwas egalisiert. Mein Hauptgrund nach Alternativen für Paula’s Choice zu suchen war also der Preis. The Ordinary lockt mit Preisen, die weit unter vergleichbaren Wirkstoffen liegen und monothematisch formulierten Produkten mit hoher Wirksamkeit. Klingt also erstmal genau nach dem, was ich suche. 

The Ordinary Review BloggerDie Ausgangssituation

Ich begab mich also auf die Suche nach Alternativen für mein Resist Anti-Aging 10% AHA-Peeling, welches ich im allabendlichen Wechsel mit dem Resist Anti-Aging 2% BHA Peeling anwendete und dem Clinical 1% Retinol Treatment. (Hier und hier findet ihr meine bisher veröffentlichten Artikel zum Thema.) 

Vorsicht: Ich kann und will hier keine Beratung für einzelne Produkte und Hautsituationen geben. Die obigen Angaben mache ich vor allem, um meine Motivation und auch später die Gründe besser nachvollziehen zu können. Anhand der Prozentzahlen seht ihr, dass meine Haut mittlerweile einiges gewohnt ist. Ich rate JEDEM dazu, es in Sachen Säure und Retinol langsam angehen zu lassen. So verführerisch sie auch sein mögen.

Ich begann klassisch mit 5% AHA, steigerte mich dann auf 8% und könnte 10% mittlerweile täglich anwenden, wenn ich sie nicht mit BHA abwechseln würde. Bei Retinol hielt ich mich an die Steigerung 0,01% auf 0,1% und dann erst auf 1%. Was auch bitter nötig war. Gerade beim Retinol spann meine Haut über lange Wochen und zwar so arg, dass ich kurz davor war, die Intensität wieder herunterzufahren. Ironischerweise begann ich dann zeitgleich mit dem 23%igem Vitamin C von The Ordinary, was meine Haut SO crashte, dass sie ab da über das Retinol nur milde lächelte…

Zu hohe Erwartungen?

Ich machte mich also an die Recherche, windowshoppte mich durch den The Ordinary Onlineshop und las diverse Blogs. Eine Sache fällt nämlich sofort auf:

Der Beratungsanspruch hält sich bei The Ordinary in Grenzen.

Vielleicht gehört das auch zum wissenschaftlichen Image, welches sich die Brand gerne gibt: 
Uns bekommt man nicht an jeder Ecke. Wir sind was für einen erlauchten Kreis Eingeweihter. 

Und genau da liegt eines der Probleme. Während beispielsweise Paula’s Choice eine wirklich umfangreiche und gut verständliche Beratungsarbeit leistet, sollte man bei The Ordinary schon einiges an Wissen mitbringen. Auch, weil die Marke gelegentlich etwas gegenteilige Aussagen tätigt, die es zu bewerten gilt. So wird unter den Werbetexten FÜR Säureprodukte darauf hingewiesen, dass diese zwar schnelle Resultate brächten, andere – weniger potente – Mittel aber vorzuziehen wären.  Ja, was denn nun? Kaufen oder sein lassen? 

Auch die vielen Prozentangaben und Bezeichnungen, die aus einem Chemie-Lehrbuch stammen könnten, sind sicherlich nicht sofort durchschaubar. Hier muss also einiges an Basiswissen – und der Wille zum Googlen (!) – mitgebracht werden. Hat man sich aber erst einmal eingelesen und herausgefunden, welche Produkte man nun gerne ausprobieren würde, steht man vor der nächsten Hürde. 

The Ordinary ist bisher in Deutschland offiziell nicht erhältlich. 

Die einzige Bezugsquelle aus einem deutschen Onlineshop heraus ist Asos. Die Produkte werden allerdings auch hier aus dem Ausland verschickt und so kann es zu Verzögerungen kommen. Auch Paula’s Choice ist nur sehr limitiert erhältlich, nämlich über den eigenen Onlineshop, der die Produkte ebenfalls aus dem Ausland (den Niederlanden) versendet. Dies geschieht allerdings immer reibungslos und die Sachen sind innerhalb von 2-3 Tagen da. 

Für The Ordinary bleibt alternativ immerhin noch der virtuelle Gang über den Kanal ins UK. WENN denn alles vorrätig ist. Denn das ist ein weiterer Minuspunkt bei The Ordinary:

Selten ist alles vorrätig.

Zumindest in einem Shop. Vor allem bei ASOS vergehen manchmal Wochen bis gewünschte Produkte wieder vorrätig sind und BeautyBay listet in diesem Moment in dem ich diesen Artikel schreibe, ein einziges Produkt, ein pflanzliches Öl. Man muss also warten. Auf die Gefahr hin, dass dann das nächste Produkt out of stock ist. Oder mehrfach bestellen.

Hat einen das lang geplante und ersehnte Paket dann endlich erreicht, kommt zumindest bei mir ein wenig zu oft Ernüchterung auf. Tatsächlich hatte ich ab dem allerersten bestellten Produkt vor über The Ordinary zu berichten. Ich war mir ziemlich sicher, dass da nichts schief gehen konnte, war ich doch durch Paula’s Choice schon an Säuren und Retinol gewöhnt. Allerdings wohl auch verwöhnt. Zumindest, was Konsistenzen angeht. Denn:

Viele Konsistenzen bei The Ordinary sind weder angenehm noch pflegeleicht. 

Zumindest in meinen Augen. Bis zu einem gewissen Grad mache ich gerne Abstriche, wenn ich weiß, dass ein Produkt sich hervorragend in meine Routine integriert und meiner Haut gut tut. Bei The Ordinary ist das Abrollen, Peelen, Pellen und Kleben aber so weit verbreitet, dass ich die meisten Produkte – und auch hier muss ich Magi recht geben – nur noch abends anwende. Was meine Routine stark verkompliziert, da sie allabendlich um mehrere Schritte erweitert werden muss. Hinzu kommt erschwerend, dass einige Produkte per se nicht zusammen verwendet werden sollten und ich so nicht nur meine Abend-, sondern auch meine Morgenroutine umstellen musste.

Morgens wird das Spiel nämlich noch durch die Risikofaktoren „Make Up“ und „Lichtschutzfaktor“ ergänzt. Ein ums andere Mal musste ich auf der Arbeit entsetzt feststellen, dass das, was sich im heimischen Badlicht als smooth und eben erkennen ließ, plötzlich dem Häutungsvorgang einer Schlange glich. Wenn mir die Produkt nicht schon direkt beim Schminken auf der Haut auseinanderfielen… Hier lässt sich erahnen, wo man zugunsten des niedrigen Preises gespart hat. 

Wie gesagt: Wenn ich dafür mit faltenfreier, babyweicher Haut belohnt werden, führe ich diesen Tanz gerne auf. Jeden Tag aufs Neue. Doch jetzt kommt das große ABER:

Für Heavy User von Wirkstoffpflege ist The Ordinary nur bedingt etwas.

Ich lehne mich hier weit aus dem Fenster. Aber in den letzten Monaten beschleicht mich ein Gedanke. Beim Lesen diverser Reviews im Netz bemerkte ich, dass die meisten der durchweg positiven Bewertungen von Menschen zu stammen schienen, die vorher noch nie oder kaum mit Wirkstoffpflege in Berührung kamen. Ich stelle also die steile These auf, dass ein Großteil derer, die eine Verbesserung ihrer Haut sehen, vorher kaum etwas in puncto chemische Peelings und Co. für ihre Haut getan haben. Da ist natürlich erstmal alles ein Gewinn. 

Zwar ist The Ordinary immer noch weit entfernt von beratungsarmer Drogeriepflege, aber schon mal mainstreamiger erhältlich als beispielsweise Paula’s Choice – nämlich bei ASOS. Darüber hinaus wird die Brand seit Monaten auf einschlägigen Kanälen gehypt, was die Zielgruppe maßgeblich vergrößert und den Markt auch dort erschließt, wo Anti-Aging, Peelings und Co. (noch nicht) in diesem Maße stattfinden. 

Liest man darüber hinaus Erfahrungsberichte alter Skincare-Hasen, scheinen die Meinungen jedoch schon etwas nüchterner auszufallen. Und auch ich muss mittlerweile sagen: Der große AHA-Effekt blieb aus. Bisher habe ich keines der getesteten Produkte nachgekauft und einige sogar vor dem Leeren entsorgt. 

The Ordinary Skincare Review

Totalausfall?

Was genau ich testet habe und wie die Produkte für mich ganz persönlich abgeschnitten haben, werde ich euch in einem der nächsten Artikel verraten. Das würde hier den Rahmen sprengen. Es gibt nämlich tatsächlich ein, zwei Produkte, die einen ganz soliden Eindruck hinterlassen haben. Vom Großteil jedoch bin ich ehrlicherweise enttäuscht. Und so wundert es nicht, dass Deciem neben The Ordinary noch weitere, höherpreisigere Marke im Sortiment hat. Wieso sollten sie, wenn mit The Ordinary alles zu erreichen wäre? Bis auf ein Produkt von NIOD – welches ich übrigens hervorragend fand, welches aber nach 14 Tagen bereits leer war (und das für über 50€!) – habe ich diese allerdings noch nicht getestet. 

Vor allem in Sachen Retinol bin ich versucht, wieder in den sauren Apfel zu beissen und 60€ für das Clinical Retinol 1% Treatment von Paula’s Choice auszugeben… 

Wie sind eure Erfahrungen mit The Ordinary? Decken sie sich mit meinen oder seit ihr dort für euch fündig geworden?

P.S:  Alle Produkte wurden von mir selbst gekauft. Es gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog.

 

Blogging Tipps

Bloggen | 5 Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

Bilde ich mir das nur ein oder wabert zur Zeit ein merkwürdiger Vibe durch das Netz?

Auf der einen Seite ist da ein lauter Wunsch nach Transparenz und Ehrlichkeit. Von Lesern, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen und von Bloggern, die endlich Anerkennung für ihre fortlaufende – jedoch nicht immer von Hunderttausend Herzchen auf Instagram gekrönte – Arbeit bekommen möchten. 

Auf der anderen Seite aufgeblähte Influencer-Blasen und pastellige Hochglanz-Accounts, auf denen das Auge gerne verweilt, die aber so inhaltsleer sind wie ein Boulevardmagazin vor der Tagesschau. Und die dennoch liebend gern als Werberampe genutzt werden, da es am Ende egal zu sein scheint, ob ein Herz nun in Deutschland, Österreich oder Pakistan verteilt wird. In der heutigen Zeit, im Zeitalter des Scrollens und Querlesens sieht auf den ersten Blick sowieso erstmal alles gleich gut aus. 

Und mittendrin eine medial wirksame Welle der Empörung, jetzt alles anderes machen zu wollen. Die jedoch bei vielen ähnlich nachhaltig zu sein scheint, wie der niedliche Selbstversuch von drei ungeschminkten Selfies auf Instagram, nur um danach wieder zu den gewohnt perfekten Fotografen-Shots zurückzukehren. Wo sind wir denn da falsch abgebogen? 

Wir müssen uns von den guten alten Zeiten verabschieden. Als es noch egal war, ob die Daniel Wellington-Uhr im Flat Lay nun im goldenen Schnitt liegt oder nicht.

Damit fordere ich nicht die Rückkehr zu unbelichteten Schnappschüssen am Küchentisch. Auch mein Anspruch ist mit den Jahren gestiegen. An mich und an die Blogosphäre. Ich schaue mir selbst auch gern hübsche Bilder an. Allerdings mit Vorliebe solche, die von jemandem stammen, mit dem ich irgendwie „bonden“ kann. Weil die Person mich kriegt, mich berührt. Nach dem tausendsten stockphoto-artigen Streetstyle Outfit oder dem drölften Travel Diary, welches auch aus dem TUI-Katalog stammen könnte, wird’s selbst mir fad. 

Bloggen Tipps

Aber natürlich freue auch ich mich immer noch wahnsinnig über jedes Like, jeden konstruktiven Kommentar auf einem meiner Kanäle. Alles andere wäre gelogen. Sie sind unser täglich Salz in der Suppe. Sagen sie uns doch, dass das, was wir tun andere Menschen inspiriert, erfreut oder anderweitig irgendwie bewegt. WENN denn ein echter Mensch dahinter steckt und nicht irgendein Bot aus fernen Ländern…

Seit einiger Zeit liegt eine unbequeme Schwere über allem. Und manchmal frage ich mich, ob ich heute – fast 8 Jahre später – noch mal mit einem Blog starten würde. Ich wäre sicherlich weitaus weniger unbedarft als damals. Würde vielleicht auch dazu tendieren, mich akribisch vorzubereiten, zu planen und zu stagen. Weniger aus dem Bauch heraus schreiben und mehr auf die SEO achten…

Halt. Stop! Müsste es nicht genau anders herum laufen? Müssen wir jetzt nicht anfangen, neue – alte – Wege zu gehen? Weg von Optimierung, Zahlen und Pastelltönen? 

Was würde ich heute meinem jüngeren Blogger-Ich raten? Welche Fehler würde ich nicht noch einmal machen wollen und wo hätte ich gerne schon zu Beginn etwas forscher sein dürfen? Immer wieder werde ich gefragt, wie man so einen Blog ins Laufen bringt und ihn danach so lange rollen lässt. Spielen wir also mal Zeitreise und schauen, welche Tipps ich mir vor 8 Jahren gerne mit auf den Weg gegeben hätte. Und die vielleicht auch heute noch Relevanz haben, für all diejenigen, die gerne einen Blog starten möchten. 

5 Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

1. Bleib dir treu 

Wahrscheinlich der wichtigste und zugleich abgenudelste Punkt von allen. Aber sind wir mal ehrlich. Braucht es heute NOCH einen Foodblog mit Buddha Bowls und Smoothies? NOCH eine nett drapierte Designerhandtasche auf hellem Grund neben schicken Blümchen? Klare und etwas ernüchternde Antwort: Nein. 

Es sei denn, du kannst mit dem gewissen Etwas aufwarten. Mit etwas, was dich von den anderen abhebt. Dein ganz persönlicher roter Faden, den du straight durchziehst und dich nicht verbiegen lässt. Du bist bereit auf Risiko zu gehen und hinter dem zu stehen, was du tust? Dann los! Ansonsten: Lass es.

2. Ganz oder gar nicht 

Überlege dir vorher, wie viel Zeit, Geld und Energie du in deinen Blog stecken möchtest. Brauchst du eigentlich nur eine online verfügbare Datenbank für Rezepte oder Outfits, in die ganz nebenbei auch noch andere schnuppern dürfen? Dann musst du dir keine Gedanken machen. 

Wenn du aber beabsichtigst, deinen Blog in deiner Nische irgendwie bekannter zu machen, eine Bindung zu deiner Community aufzubauen und vielleicht sogar Geld mit ihm zu verdienen, dann mach dich verbindlich. Mach dich bereit, einen Teil deiner Persönlichkeit nach außen zu tragen, Menschen bis zu einem gewissen Punkt an deinem Leben teilhaben zu lassen und gegebenenfalls auch mal in kritischen Austausch zu treten. Denn das füllt ein Blog mit Leben. 

Sei dir auch bewusst, dass gegebenenfalls ein großer Teil deiner Freizeit zwar nicht für den Blog draufgeht, aber durchaus durch ihn beeinflusst werden kann. Überlege dir rechtzeitig, wie du damit umgehen möchtest und wie viel Zeit du aktiv für den Blog aufwenden willst. 

3. Such dir Komplizen

Wenn man sich aktuell so umsieht, könnte man manchmal das Gefühl bekommen, dass die eine der anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnt.

Wieso bekommt sie diese Kooperation und ich nicht?

Muss sie jetzt auch noch was über genau DIESES Thema schreiben?

Soll ich ihr bei dieser Sache helfend oder beratend zur Seite stehen oder könnte das sich für mich negativ auswirken?

Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass wir Blogger uns ALLE mindestens einmal eine dieser Fragen gestellt haben. Da mache ich mich nicht von frei. Viel cooler und entspannter wird es aber, wenn man andere Blogger nicht als Konkurrenz sieht, sondern als ergänzenden und talentierten Cast neben dem eigenen Blog. 

Am Ende profitiert der Leser, der natürlich auf der Suche nach möglichst vielen verschiedenen Meinungen und Ideen ist. Es ist also völlig egal, ob schon Blogger X und Y ebenfalls etwas zu diesem Thema gesagt oder geschrieben haben. Wenn du den ersten Punkt berücksichtigst und deine ganz persönliche Meinung niederschreibst, ist sie IMMER ein Gewinn. Sie füllt den Pool an – hoffentlich – relevanten und zugänglichen Informationen. 

Darüber hinaus genieße ich es sehr, eine Handvoll wunderbarer Menschen zu haben, die ähnlich wie ich ticken und parallel zu meinem Blog organisch wachsen. Ihr ahnt nicht, wie viele WhatsApp-Nachrichten da manchmal hin und hergehen, um sich zu unterstützen oder wenn wieder irgendwo der Baum brennt. Wenn ich Input brauche oder einfach mal eine Runde Jammern möchte.

So ein „Side Kick“ ist wahnsinnig wichtig. Allerdings rate ich nicht dazu, sich auf Kraft an jemanden heranzuwanzen, um kosten- und bedingungslos Infos abzugreifen. Natürlich fällt so etwas nicht einfach vom Baum. Aber wer kontinuierlich dabei bleibt, wird unweigerlich mit anderen Bloggern zu tun bekommen, von denen vielleicht irgendwann einer euer Tandem-Partner wird. Das Ganze ist – wie alles im Leben – ein Geben und Nehmen. 

4. Tritt einen Schritt zurück

Jetzt kommt ein Punkt, den wir alle gerne mal vergessen. Natürlich könnten wir so vor uns hin leben. Im Hier und Jetzt und ohne uns große Gedanken über unser Handeln und unsere Umwelt zu machen. Auch ich verschwinde gerne mal in meiner ganz eigenen Blase. Da ist es warm und gemütlich.

Schnell merke ich aber, dass es doch ungemein hilft, sich regelmäßig zu reflektieren und mit anderen auszutauschen. Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht und wundern uns, wieso wir dieses und jenes nicht umgesetzt bekommen oder die Interaktion mit unserer Community nicht so ausfällt, wie wir es gerne hätten. 

Da hilft es, einen Schritt zurück zu gehen und das Ganze von außen zu betrachten. Und auch durchaus mal über den Tellerrand zu schauen. Oft vergessen wir das und stellen (zu) spät fest, was uns da alles entgeht. 

Bloggen Tipps

5. Sichere dich rechtlich ab

Irgendwann – und lieber früher als später – kommt man als Blogger in die Situation, sich mit seinem Blog verbindlich zu machen. Auch wenn wir diesen Punkt manchmal gerne hinauszögern wollen. Du musst für das, was du tust einstehen. Mit deinem vollen Namen und einer jederzeit ladungsfähigen Adresse. Das Ganze muss als Text (und nicht als Bild!) in deinem Blog nach maximal zwei Klicks zu finden sein. 

Ja, das stößt vielen von uns sauer auf. Zurecht. Ein gewisses Sicherheitsbedürfnis hat noch niemandem geschadet. Aber wer nach Transparenz und Ehrlichkeit ruft, ist das seinen Mitmenschen schuldig. Auch in Sachen Datenschutz, Bildrechte und Werbekennzeichnung solltest du dich rechtzeitig beraten lassen. 

Natürlich kannst du versuchen, erstmal eine Weile unter dem Radar zu fliegen, aber irgendwann wird dir das auf die Füße fallen. Blogs ohne Impressum und mit fehlender oder fragwürdiger Kennzeichnung kann ich nicht ernst nehmen. Und zum Glück tun dies auch immer mehr Brands ebenso wenig.

(Und ja, auch Rechnungen und Belege sammeln bietet sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt an. Zumindest, wenn du ein Gewerbe anmelden und irgendwann Geld mit dem was du tust verdienen möchtest. Masha hat da die Tage ordentlich was zusammengetragen.

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“

Marlene Dietrich

Würde ich heute noch einmal mit dem Bloggen beginnen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Meine Nische habe ich gefunden und bin sehr glücklich damit. Ich habe Erfahrungen gemacht und viel gelernt in den letzten 7 1/2 Jahren. Aus diesen Learnings zehre ich und sie bestimmen, wie ich heute mit verschiedenen Situationen umgehe. Sie zu erlangen war nicht immer einfach. Und ich weiß nicht, wie dieser Prozess heute aussehen würde. Eigentlich möchte ich mir das auch gar nicht vorstellen…

Vielleicht wäre ich eine dieser Ladies, die ihr Wirken komplett auf Instagram fokussieren. In unserer heutigen  – sehr visuellen und schnelllebigen Zeit – ist das manchmal ein verlockender Gedanke. Ein Blog bedeutet eine deutliche Mehrarbeit. Manchmal fühlt es sich so an, als kämen die Gäste nur still und leise für einen Drink hinein, schauten in die Ecken und zögen dann wieder von Dannen. Die Interaktion findet heute tatsächlich eher im Social Media statt. Unterwegs ist schnell mal auf Instagram oder Facebook kommentiert.

So ein Blog wirkt da doch etwas behäbiger. Aber vielleicht macht genau das den Reiz aus. Er ist wie das bequeme Sofa nach Feierabend, das Soulfood bei Mama, meine Homebase. Ich bin froh, dieses Baby zu haben und seit vielen Jahren mit Leben zu füllen.

Doch, wahrscheinlich würde ich es noch mal machen. 

⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅

Hier findet du meine bisher erschienenen Artikel zum Thema Bloggen:

Kennzeichnung von Werbung

 

Früher war alles besser? Meine Anfänge 

Veganismus Superfoods Kritik

Essen Veganer nur noch Superfoods?!

Veganismus Superfoods KritikMoin,

wir müssen reden. Dringend. Ernähren sich Veganer*innen eigentlich nur noch von exotischen und oft völlig überteuerten Superfoods? Man könnte glatt den Eindruck gewinnen.

Allein in der letzten Woche habe ich diesbezüglich ein halbes Dutzend Kooperationsanfragen von Firmen bekommen. Meist „kleine Start-Up Unternehmen ohne Budget“. Das an sich lässt mich schon mal grübeln. Zum einen, weil mein Vermieter sich sicher wundert, wenn ich ihm die Miete nächsten Monat in krautig riechendem Pulver bezahlen will. Zum anderen, weil ich mich frage, ob der Markt die 17. Firma mit Moringa, das 28. Lucuma und das drölftausendste Matcha-Detox-Abnehmpulver braucht. Denn auch das schwingt immer mit: Veganer*innen ernähren sich gesund, wollen alle unbedingt abnehmen und müssen 24/7 entgiften. Äh. Ja. Nee.

Blödsinn. Natürlich habe auch ich das ein oder andere Supergemisch hier stehen. Weil es mir schmeckt und manchmal auch Sinn macht. Siehe hier zum Beispiel. Aber so langsam habe ich das Gefühl, dass wir uns alle nur noch von grünen, esoterisch riechenden Pülverchen ernähren sollen. Fällt der veganen Szene nichts mehr ein? Oder schläft nur die Non Food Abteilung? Denn da würde ich mir immer noch gerne mehr wünschen. Veganismus hört nicht am Tellerrand auf. Für viele fängt der schwierigere Teil da sogar erst an. Und wenn ich sehe, dass manche Firmen, die früher als relativ sichere Bank für Freunde von tierleidfreier Kosmetik galten, nun immer öfter ihre Prinzipien brechen (siehe beispielsweise Alverde und P2), stimmt mich das zumindest leicht säuerlich. 

Auch wenn es gerade nicht immer den Anschein hat: Die meisten Veganer*innen entscheiden sich aus ethischen Gründen dazu, auf tierliche Produkte und Rohstoffe zu verzichten. Hoffe ich zumindest. Das beinhaltet neben Nahrungsmitteln und Kosmetika ganz schnell auch Kleidung, Schuhe, Möbel, Accessoires, Reinigungsmittel, und, und, und… Muss es aber nicht. Der eine geht gleich von 0 auf 100, die andere macht es Step by Step.

Ganz sicher aber nicht mit Superfoods! Als ich anfing mit vegan – ach was sag ich: VEGETARISCH – gab es genau drei Würste und fünf pastetige Brotaufstriche. Man hatte die Wahl zwischen „Geht so“, „Geht gerad‘ noch so“ und „Geht gar nicht“. Zwischendurch ging man zur veganen VoKü und freute sich über den ersten fleischfreien Burger in Hamburg. Irgendwann gab es dann einen rebellischen Jutebeutel und die ersten Vegetarian Shoes „Panthers“ (Mein erstes Paar – ich besaß insgesamt drei hintereinander – hat übrigens WEIT weniger gekostet als die aktuellen 109€. Auch das spricht Bände.).

Da hat sich zum Glück einiges getan. Insofern können wir nicht meckern. Wahrlich nicht. Auch, wenn wir es immer noch gerne tun. 
Kriegen wir die Leute stattdessen nicht eher mit ganz banalen Dingen? Veganer Fertig-Currywurst im Kühlregal? Sojamilch für den Kaffee beim Bäcker um die Ecke? Vernünftige, vegane Schuhe im freien Verkauf, für die man nicht 150 km durch die Gegend juckeln oder den Paketboten ärgern muss? Und allem voran mit vernünftigen Preisen? 

Denn vegan wird nie „normal“ werden, solange Mienchen Puhvogel das Gefühl hat, nur für diesen Zusatz gleich mal ein paar Euro mehr löhnen zu müssen. Oder in hippen Onlineshops von feschen Start-Up Unternehmen (ohne Budget) bestellen zu müssen. Werden wir irgendwann an den Punkt kommen, wo Menschen bei dem Wort „vegan“ nicht nur an Kochbücher von Herrn H. denken, sondern sich bewusst werden, an welchen Stellen man alles ansetzen kann? Dass vegan eben nicht teuer sein muss? Faire Kleidung einen nicht an den Bettelstab bringen muss, wenn man sich die 20 Primark Hauls zuvor verkneift? Und dass der Griff zur tierleidfreien Bodylotion irgendwann so normal – und einfach – wird, wie der Griff zum Klopapier? 

Ich wünsche mir schicke, vegane und faire Klamotten. Auch in ganz großen und ganz kleinen Größen. ‚Nen guten veganen Lichtschutzfaktor. Mehr tierversuchsfreie Düfte. Veganes Essen auch in der Kleinstadt…

Ich will, dass vegan normal ist. Ich will weder hören, vegan sei militant, noch elitär. Ich will eine entspannte Grundhaltung. Ohne überdrehten Missionierungswahn und dem Haar in der Suppe. Und vor allem will ich nicht schon wieder Superfoods. Danke.

Gastbeitrag| Seife ist Musik für die Haut | Von Sinfonien und Misstönen.

Bei einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt stieg mir plötzlich ein sehr intensiver Duft in die Nase. Ich folgte neugierig der Spur und stand schließlich vor einem Seifenladen. Die offenstehende Tür lud mich zum Hereinkommen ein, im Laden allerdings wurde mir schnell bewusst, dass die offene Tür nicht nur Kunden anlocken, sondern wohl vor allem das Verkaufspersonal vor drohenden Atembeschwerden schützen soll.

Ein extrem aufdringliches Gemisch der unterschiedlichsten Düfte und Aromen auf engstem Raum schlug mir entgegen. Wie halten die das hier nur den ganzen Tag aus?“ fragte ich mich. Ich lese etwas von „hochwertig“, „ökologisch“. Danach riecht es hier nicht gerade, aber das kann ja täuschen! Ich sehe mir das Angebot einmal genauer an: Die Seifen alle sehr bunt in für mich „abenteuerlichen“ Formen, groß und rund wie Käselaibe oder Torten.Verkauft werden kleine Stücke von den riesigen Gebilden. Da stellt sich mir die Frage: Warum stellen sie die Seife nicht gleich in handlicheren Formen her und wer möchte sich mit so einem oft sehr unhandlichen Keil „Seifentorte“ waschen“?
In einigen Seifen finden sich sogar Fruchtstücke, zu welchem Zweck? Der Geruch und die Konsistenz gehen bei der Herstellung verloren und beim Waschen mit dieser Seife landen die Stücke im Waschbecken und verstopfen im schlimmsten Fall den Abfluss

Ich bin vielleicht zu kritisch …

Die Zutatenlisten der Seifen können es fast mit einem Medikamentenbeipackzettel aufnehmen: Propyl Glycol steht gleich an erster oder zweiter Stelle. Hierbei handelt es sich um ein Mineralöl, welches dazu dient die Seife feucht zuhalten.
Jetzt war mir klar, warum sich die Seife im Laden noch in Stücke schneiden lässt. Bei handgemachter Naturseife ist dies ein paar Tage nach der Produktion schon nicht mehr so einfach möglich, da die Naturseife ohne diesen Zusatz trocknet und härtet.

Weiter lese ich EDTA oder Tetrasodium Etidorate, ein viel eingesetzter, wenig toxisch aber schlecht biologisch abbaubarer Konservierungsstoff in der Kosmetik, der das ranzig werden der Seife verhindern soll. In zertifizierter Naturseife ist EDTA übrigens nicht zugelassen.

Dann Sodium Lauryl Sulfate, ein allergieauslösender Zusatz, der laut EU Gefahrenstoffkennzeichnung sogar als gesundheitsschädlich eingestuft wird. Wie gruselig ist das denn?…

In einigen Seifen finde ich Lilial (Butylphenyl Menthylpropional), ein synthetischer Duftstoff, der zwar wunderbar nach Maiglöckchen duftet, dem aber eine hormonähnliche Wirkung nachgesagt wird, die in Tierversuchen den Hormonhaushalt von Ratten nachhaltig gestört haben soll.

Die große Farbpalette kommt, wie zu lesen ist, auch mit Hilfe von AZO Farbstoffen CI 17200 Blaurot, CI 14700 Gelbrot, CI 19140 Gelb zustande. Auf die Bedenklichkeit der sog. AZO Farbstoffe, die krebserregend sein sollen, ist schon ausführlich in den Medien hingewiesen worden. In geringen Mengen sind diese jedoch in der Kosmetikverordnung zugelassen. Ohne diese künstlichen Farbstoffe, wäre es nicht möglich so intensive Farben zu erzeugen. Das klingt alles nicht ökologisch !OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Natur bietet natürliche Farbstoffe wie Spirulina, Anattosaat, Tonerden u.s.w. die dezent färben, dafür aber keine gesundheitsschädliche, sondern sogar pflegende Wirkung haben. Auch auf synthetische Duftstoffe kann Naturseife verzichten. Natürliche ätherische Öle duften nicht so intensiv und aufdringlich wie synthetische, der Duft hält in der Naturseife jedoch viel länger und flacht nicht so schnell ab. Ohne Konservierungsstoffe ist Naturseife bei entsprechender Lagerung ein Jahr und sogar länger  haltbar.

Bei den Seifen im besagten Laden beschränken sich die versprochenen „hochwertigen“ Öle auf Rapsöl und Kokosöl, unter „hochwertig“ verstehe ich etwas anderes. Warum verwenden Seifenhersteller laut eigener Aussage nur hochwertige, ökologische Zutaten, kaltgepresste, natürliche Öle, wenn am Ende dann so ein teurer „Chemiecocktail“ dabei herauskommt, der mit ursprünglicher Seife nicht mehr viel zu tun hat? Mensch sollte sich nicht von einer plakativen Ökobotschaft (die zwar nicht schwarz auf weiß geschrieben, aber dennoch durch Marketing und Image suggeriert wird), witzigen Formen und schrillen Farben blenden lassen und einmal genauso kritisch auf die Zutatenliste schauen, wie er es beim Einkauf seiner Nahrungsmittel täglich tut. Die Haut ist nicht nur unser größtes Organ, sondern um ein vielfaches aufnahmefähiger als der Darm. Die Chemie mit der wir uns waschen, kann durch Einschleusen durch die Haut in den Blutkreislauf gelangen und unseren Organismus schädigen.

Deshalb mein Plädoyer für traditionelle handgemachte Naturseife, ohne Chemie, ohne Schnick Schnack und grellbunte Farben. Für ehrliche“ Seife aus wirklich natürlichen und hochwertigen Zutaten. Die zart duftet, wunderbar schäumt und die Haut pflegt.

Ganz ohne schlechtes Gewissen !

Perspektivwechsel | Hipp, Hipp Vegan?! – Ein Gastbeitrag

Vor einigen Tagen hatte ich mal wieder ein sehr interessantes Gespräch mit meiner Mutter. Wie war das eigentlich damals, als mein Bruder und ich schwer von Nahrungsmittelunverträglichkeiten geplagt waren und vor allem mein Bruder notgedrungen vegan ernährt werden musste? War es in den 80ern so einfach wie heute? Wie hat sich die „Szene“ entwickelt? Und welche Klientel wurde damals, welche heute angesprochen und wie? Es sind längst nicht mehr die „Tschernobyl-Mütter“, die unbelastete Lebensmittel für ihre Kinder wollen. Meine Mutter war so nett ihre Gedanken noch einmal in Worte zu fassen und diese aufzuschreiben, so dass ein wie ich finde sehr interessanter Text entstand, denn ich heute gerne mit euch teilen möchte.

Hipp,Hipp Vegan?!

„Bereits vor ca. 30 Jahren habe ich mich mit dem Thema vegetarische/vegane Ernährung (wenn auch nicht ganz freiwillig) auseinander gesetzt. 

Meine beiden Kinder kamen als Allergiker auf die Welt. Am schlimmsten traf es meinen Sohn, der schwer an Neurodermitis erkrankte. Nach vergeblichen Therapien bei verschiedenen Ärzten und Kliniken hieß für mich das vermeintliche Allheilmittel „Ernährung ohne tierisches Eiweiß“.

Leichter gesagt als getan, schließlich reden wir hier von den 80er Jahren! Von der Vielfalt der heute  zur Verfügung stehenden Alternativen zur konventionellen Ernährung konnte ich damals nur träumen. Das Wälzen von unzähligen Büchern und die Jagd nach geeigneten Produkten strapazierten nicht nur meine Nerven, sondern auch meinen Geldbeutel. Bioprodukte und – wie es heute so schön heißt –  „veggie“ Produkte waren nicht nur rar, sondern auch unverschämt teuer. Also verband ich das Praktische mit dem Nützlichen und  “ heuerte“ im einzigen  Naturkostladen der Stadt an. Fortan arbeitete ich also halbtags gegen Bezahlung in “ Naturalien“. Ich saß somit nicht nur quasi „an der Quelle“, sondern erhielt zusätzlich eine Schulung in Gesundheits- und Ernährungslehre. Mein Sohn wurde nach nur 14 tägiger konsequenter Ernährungsumstellung beschwerdefrei und ich vertiefte mich, durch den Erfolg angestachelt, in das Thema, so dass ich mein Wissen an die vielen verzweifelten „Allergikermütter“, die täglich den Laden aufsuchten, weitergeben konnte.

Mit dem SUV zum Biohof

Ich weiß noch genau, wie wir und unser Naturkostladen damals belächelt wurden. Es kamen mehr als einmal Sprüche wie “ Das Gemüse sieht ja aus, als ob es allein aus dem Laden laufen würde!“ oder “ Das ist alles nur Geldschneiderei!“. Naserümpfend gingen viele Leute an dem Laden vorbei, besonders die aus der sog. „Oberschicht“. Und das sind genau die Leute, die heute in Steppjacke und Perlenkette mit Ihren Benzinschleudern, wie z.B  SUV und Porsche Cayenne, vor den Biohöfen Schlange stehen Nachhaltigkeit huldigen. Die wie ich sie nenne “ Luxusökos“.

Vegetarische oder vegane Ernährung ist hipp! Nicht aus der Not oder der Einsicht geboren, sondern als neues Lebensgefühl, im Besonderen in der jüngeren Generation. Zumindest wollen uns das die vielen Werbeagenturen und – ich nenne sie mal – Modeköche vermitteln. Doch wo bleibe ich als “ Öko-Veteranin“?

Mich als durchschnittliche Mitfünfzigerin „vom Lande“ gibt es für die große Veggie-Comnunity so gut wie gar nicht. Ganz „normal“ kochen ohne tierische Produkte ist heute “ Veggie Küche “ und Bedarf vermeintlich nicht nur einer Vielzahl  an Hightechgeräten z.B. zur Herstellung von Smoothies ( die früher Gemüsesaft hießen), sondern auch Tausende von exklusiven Zutaten auf die Mann/Frau auf gar keinen Fall verzichten  kann. Wenn wir denn der Werbung Glauben schenken. 

Back to the roots

Aber das ist völliger Quatsch! Kommt zurück zu den Wurzeln und kocht doch einfach!! Vegetarische/ Vegane Küche ist kein Hexenwerk. Heute ist die Palette der Alternativen zu tierischen Lebensmitteln so groß wie nie zuvor. Auch habe  ich mir damals kein einziges zusätzliches Küchengerät angeschafft und keine „abenteuerlichen“ Zutaten eingekauft und trotzdem für zwei Kinder vollwertig kochen können.Die Industrie meint die vegane Nische zu bedienen zu müssen und wirft fast täglich  eine Vielzahl von neuen, in  meinen Augen nicht immer nützlichen Produkten auf den Markt. Dinge die die Welt (meist) nicht braucht !

Alles was wir brauchen sind Lebensmittel, die tatsächlich noch LEBEN. Die meisten Produkte heutzutage dürften sich eigentlich nur noch Nahrungsmittel nennen, so stark wurden sie mittlerweile verändert. Dabei lassen sich mit bodenständigen, natürlichen Zutaten traumhafte Gerichte kochen.

Faire Mode nur für Zwanzigjährige mit Konfektionsgröße 36?

Auch auf dem Sektor Kleidung muss sich endlich etwas in den Köpfen der Anbieter ändern. Für die unzähligen fairen Modelabels und Firmen für faire Kleidung und Accessoires gibt es offenbar keine Kund_innen wie mich. Bei Kleidergröße 42 hört es auf, von der Schnittführung ganz abgesehen, so dass ich den Eindruck habe, dass nur gertenschlanke, jugendliche Menschen ihre Kleidung tragen sollten. Ich fühle mich diskriminiert!

Holt die Menschen dort ab wo sie stehen!

Wenn nicht schon seit 30 Jahren meine Lebensphilosophie von Ökologie und Nachhaltigkeit geprägt wäre, würde ich sagen: Macht es mir nicht so schwer ! Das Thema “ Veggie“ wie es neudeutsch heißt, wird in meinen Augen nicht niedrigschwellig genug kommuniziert. Soll heißen: Es wird dem Verbraucher suggeriert, dass er unbedingt viel Geld und Mühe investieren muss, um gesund/vegan/vegetarisch/wie auch immer  zu leben.

Das nimmt vielen den Mut überhaupt damit anzufangen, was kontraproduktiv ist. Wer motivieren will, muss es  einfach und unkompliziert machen, um alle anzusprechen und nicht nur die hippen Neuveganer oder die Klientel der neuen “ Luxus-Ökos“ für die es im Moment nur angesagt und schick ist sich gesund zu ernähren. Und im Winter dann beim Biss in die Erdbeere von Nachhaltigkeit reden.

Ihr vielen “ Veggie“ Köche, Modedesigner, Blogger, Fabrikanten denkt mal drüber nach. Weniger ist oft mehr! Beim Blick in die vielen Blogs und Veröffentlichungen über das vegane Leben erscheint mir der ein oder andere so verbissen und dogmatisch, dass er/sie durch die vegane Brille den Blick über den Tellerrand vergisst.

Also, weg mit dem Tunnelblick, dem Schnickschnack,dem Schickimicki.  Wichtig ist es, die die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der vegetarische/veganen Küche abzubauen, damit Mensch sich traut überhaupt anzufangen.“

 

Ich möchte mich bei meiner Mutter bedanken, die mir diesen Text zur Verfügung gestellt hat und die, wenn ich mich an einige Konversationen in der letzten Zeit erinnere, sicherlich der einen oder dem anderen aus der Seele spricht.

Auch wenn es vielleicht viele Produkte ohne den aktuellen „Hype“ nicht geben würde: Ich wünsche mir, dass der tierleidfreie Lebensstil bei den Menschen nicht nur im Kopf, im Kühlschrank oder am Körper, sondern vor allem im Herzen ankommt. Denn nur dort kann er Wurzeln schlagen. Was nützen uns „Hardcore-Veganer“, die nach zwei Jahren wieder zum Steak aus Massentierhaltung greifen oder bei H&M und Co. billigste Mode, womöglich noch von Kinderhand gefertigt, kaufen?