Schlagwort-Archive: kritik

Blogging Tipps

Bloggen | 5 Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

Bilde ich mir das nur ein oder wabert zur Zeit ein merkwürdiger Vibe durch das Netz?

Auf der einen Seite ist da ein lauter Wunsch nach Transparenz und Ehrlichkeit. Von Lesern, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen und von Bloggern, die endlich Anerkennung für ihre fortlaufende – jedoch nicht immer von Hunderttausend Herzchen auf Instagram gekrönte – Arbeit bekommen möchten. 

Auf der anderen Seite aufgeblähte Influencer-Blasen und pastellige Hochglanz-Accounts, auf denen das Auge gerne verweilt, die aber so inhaltsleer sind wie ein Boulevardmagazin vor der Tagesschau. Und die dennoch liebend gern als Werberampe genutzt werden, da es am Ende egal zu sein scheint, ob ein Herz nun in Deutschland, Österreich oder Pakistan verteilt wird. In der heutigen Zeit, im Zeitalter des Scrollens und Querlesens sieht auf den ersten Blick sowieso erstmal alles gleich gut aus. 

Und mittendrin eine medial wirksame Welle der Empörung, jetzt alles anderes machen zu wollen. Die jedoch bei vielen ähnlich nachhaltig zu sein scheint, wie der niedliche Selbstversuch von drei ungeschminkten Selfies auf Instagram, nur um danach wieder zu den gewohnt perfekten Fotografen-Shots zurückzukehren. Wo sind wir denn da falsch abgebogen? 

Wir müssen uns von den guten alten Zeiten verabschieden. Als es noch egal war, ob die Daniel Wellington-Uhr im Flat Lay nun im goldenen Schnitt liegt oder nicht.

Damit fordere ich nicht die Rückkehr zu unbelichteten Schnappschüssen am Küchentisch. Auch mein Anspruch ist mit den Jahren gestiegen. An mich und an die Blogosphäre. Ich schaue mir selbst auch gern hübsche Bilder an. Allerdings mit Vorliebe solche, die von jemandem stammen, mit dem ich irgendwie „bonden“ kann. Weil die Person mich kriegt, mich berührt. Nach dem tausendsten stockphoto-artigen Streetstyle Outfit oder dem drölften Travel Diary, welches auch aus dem TUI-Katalog stammen könnte, wird’s selbst mir fad. 

Bloggen Tipps

Aber natürlich freue auch ich mich immer noch wahnsinnig über jedes Like, jeden konstruktiven Kommentar auf einem meiner Kanäle. Alles andere wäre gelogen. Sie sind unser täglich Salz in der Suppe. Sagen sie uns doch, dass das, was wir tun andere Menschen inspiriert, erfreut oder anderweitig irgendwie bewegt. WENN denn ein echter Mensch dahinter steckt und nicht irgendein Bot aus fernen Ländern…

Seit einiger Zeit liegt eine unbequeme Schwere über allem. Und manchmal frage ich mich, ob ich heute – fast 8 Jahre später – noch mal mit einem Blog starten würde. Ich wäre sicherlich weitaus weniger unbedarft als damals. Würde vielleicht auch dazu tendieren, mich akribisch vorzubereiten, zu planen und zu stagen. Weniger aus dem Bauch heraus schreiben und mehr auf die SEO achten…

Halt. Stop! Müsste es nicht genau anders herum laufen? Müssen wir jetzt nicht anfangen, neue – alte – Wege zu gehen? Weg von Optimierung, Zahlen und Pastelltönen? 

Was würde ich heute meinem jüngeren Blogger-Ich raten? Welche Fehler würde ich nicht noch einmal machen wollen und wo hätte ich gerne schon zu Beginn etwas forscher sein dürfen? Immer wieder werde ich gefragt, wie man so einen Blog ins Laufen bringt und ihn danach so lange rollen lässt. Spielen wir also mal Zeitreise und schauen, welche Tipps ich mir vor 8 Jahren gerne mit auf den Weg gegeben hätte. Und die vielleicht auch heute noch Relevanz haben, für all diejenigen, die gerne einen Blog starten möchten. 

5 Tipps für mein jüngeres Blogger-Ich

1. Bleib dir treu 

Wahrscheinlich der wichtigste und zugleich abgenudelste Punkt von allen. Aber sind wir mal ehrlich. Braucht es heute NOCH einen Foodblog mit Buddha Bowls und Smoothies? NOCH eine nett drapierte Designerhandtasche auf hellem Grund neben schicken Blümchen? Klare und etwas ernüchternde Antwort: Nein. 

Es sei denn, du kannst mit dem gewissen Etwas aufwarten. Mit etwas, was dich von den anderen abhebt. Dein ganz persönlicher roter Faden, den du straight durchziehst und dich nicht verbiegen lässt. Du bist bereit auf Risiko zu gehen und hinter dem zu stehen, was du tust? Dann los! Ansonsten: Lass es.

2. Ganz oder gar nicht 

Überlege dir vorher, wie viel Zeit, Geld und Energie du in deinen Blog stecken möchtest. Brauchst du eigentlich nur eine online verfügbare Datenbank für Rezepte oder Outfits, in die ganz nebenbei auch noch andere schnuppern dürfen? Dann musst du dir keine Gedanken machen. 

Wenn du aber beabsichtigst, deinen Blog in deiner Nische irgendwie bekannter zu machen, eine Bindung zu deiner Community aufzubauen und vielleicht sogar Geld mit ihm zu verdienen, dann mach dich verbindlich. Mach dich bereit, einen Teil deiner Persönlichkeit nach außen zu tragen, Menschen bis zu einem gewissen Punkt an deinem Leben teilhaben zu lassen und gegebenenfalls auch mal in kritischen Austausch zu treten. Denn das füllt ein Blog mit Leben. 

Sei dir auch bewusst, dass gegebenenfalls ein großer Teil deiner Freizeit zwar nicht für den Blog draufgeht, aber durchaus durch ihn beeinflusst werden kann. Überlege dir rechtzeitig, wie du damit umgehen möchtest und wie viel Zeit du aktiv für den Blog aufwenden willst. 

3. Such dir Komplizen

Wenn man sich aktuell so umsieht, könnte man manchmal das Gefühl bekommen, dass die eine der anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnt.

Wieso bekommt sie diese Kooperation und ich nicht?

Muss sie jetzt auch noch was über genau DIESES Thema schreiben?

Soll ich ihr bei dieser Sache helfend oder beratend zur Seite stehen oder könnte das sich für mich negativ auswirken?

Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass wir Blogger uns ALLE mindestens einmal eine dieser Fragen gestellt haben. Da mache ich mich nicht von frei. Viel cooler und entspannter wird es aber, wenn man andere Blogger nicht als Konkurrenz sieht, sondern als ergänzenden und talentierten Cast neben dem eigenen Blog. 

Am Ende profitiert der Leser, der natürlich auf der Suche nach möglichst vielen verschiedenen Meinungen und Ideen ist. Es ist also völlig egal, ob schon Blogger X und Y ebenfalls etwas zu diesem Thema gesagt oder geschrieben haben. Wenn du den ersten Punkt berücksichtigst und deine ganz persönliche Meinung niederschreibst, ist sie IMMER ein Gewinn. Sie füllt den Pool an – hoffentlich – relevanten und zugänglichen Informationen. 

Darüber hinaus genieße ich es sehr, eine Handvoll wunderbarer Menschen zu haben, die ähnlich wie ich ticken und parallel zu meinem Blog organisch wachsen. Ihr ahnt nicht, wie viele WhatsApp-Nachrichten da manchmal hin und hergehen, um sich zu unterstützen oder wenn wieder irgendwo der Baum brennt. Wenn ich Input brauche oder einfach mal eine Runde Jammern möchte.

So ein „Side Kick“ ist wahnsinnig wichtig. Allerdings rate ich nicht dazu, sich auf Kraft an jemanden heranzuwanzen, um kosten- und bedingungslos Infos abzugreifen. Natürlich fällt so etwas nicht einfach vom Baum. Aber wer kontinuierlich dabei bleibt, wird unweigerlich mit anderen Bloggern zu tun bekommen, von denen vielleicht irgendwann einer euer Tandem-Partner wird. Das Ganze ist – wie alles im Leben – ein Geben und Nehmen. 

4. Tritt einen Schritt zurück

Jetzt kommt ein Punkt, den wir alle gerne mal vergessen. Natürlich könnten wir so vor uns hin leben. Im Hier und Jetzt und ohne uns große Gedanken über unser Handeln und unsere Umwelt zu machen. Auch ich verschwinde gerne mal in meiner ganz eigenen Blase. Da ist es warm und gemütlich.

Schnell merke ich aber, dass es doch ungemein hilft, sich regelmäßig zu reflektieren und mit anderen auszutauschen. Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht und wundern uns, wieso wir dieses und jenes nicht umgesetzt bekommen oder die Interaktion mit unserer Community nicht so ausfällt, wie wir es gerne hätten. 

Da hilft es, einen Schritt zurück zu gehen und das Ganze von außen zu betrachten. Und auch durchaus mal über den Tellerrand zu schauen. Oft vergessen wir das und stellen (zu) spät fest, was uns da alles entgeht. 

Bloggen Tipps

5. Sichere dich rechtlich ab

Irgendwann – und lieber früher als später – kommt man als Blogger in die Situation, sich mit seinem Blog verbindlich zu machen. Auch wenn wir diesen Punkt manchmal gerne hinauszögern wollen. Du musst für das, was du tust einstehen. Mit deinem vollen Namen und einer jederzeit ladungsfähigen Adresse. Das Ganze muss als Text (und nicht als Bild!) in deinem Blog nach maximal zwei Klicks zu finden sein. 

Ja, das stößt vielen von uns sauer auf. Zurecht. Ein gewisses Sicherheitsbedürfnis hat noch niemandem geschadet. Aber wer nach Transparenz und Ehrlichkeit ruft, ist das seinen Mitmenschen schuldig. Auch in Sachen Datenschutz, Bildrechte und Werbekennzeichnung solltest du dich rechtzeitig beraten lassen. 

Natürlich kannst du versuchen, erstmal eine Weile unter dem Radar zu fliegen, aber irgendwann wird dir das auf die Füße fallen. Blogs ohne Impressum und mit fehlender oder fragwürdiger Kennzeichnung kann ich nicht ernst nehmen. Und zum Glück tun dies auch immer mehr Brands ebenso wenig.

(Und ja, auch Rechnungen und Belege sammeln bietet sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt an. Zumindest, wenn du ein Gewerbe anmelden und irgendwann Geld mit dem was du tust verdienen möchtest. Masha hat da die Tage ordentlich was zusammengetragen.

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“

Marlene Dietrich

Würde ich heute noch einmal mit dem Bloggen beginnen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Meine Nische habe ich gefunden und bin sehr glücklich damit. Ich habe Erfahrungen gemacht und viel gelernt in den letzten 7 1/2 Jahren. Aus diesen Learnings zehre ich und sie bestimmen, wie ich heute mit verschiedenen Situationen umgehe. Sie zu erlangen war nicht immer einfach. Und ich weiß nicht, wie dieser Prozess heute aussehen würde. Eigentlich möchte ich mir das auch gar nicht vorstellen…

Vielleicht wäre ich eine dieser Ladies, die ihr Wirken komplett auf Instagram fokussieren. In unserer heutigen  – sehr visuellen und schnelllebigen Zeit – ist das manchmal ein verlockender Gedanke. Ein Blog bedeutet eine deutliche Mehrarbeit. Manchmal fühlt es sich so an, als kämen die Gäste nur still und leise für einen Drink hinein, schauten in die Ecken und zögen dann wieder von Dannen. Die Interaktion findet heute tatsächlich eher im Social Media statt. Unterwegs ist schnell mal auf Instagram oder Facebook kommentiert.

So ein Blog wirkt da doch etwas behäbiger. Aber vielleicht macht genau das den Reiz aus. Er ist wie das bequeme Sofa nach Feierabend, das Soulfood bei Mama, meine Homebase. Ich bin froh, dieses Baby zu haben und seit vielen Jahren mit Leben zu füllen.

Doch, wahrscheinlich würde ich es noch mal machen. 

⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅

Hier findet du meine bisher erschienenen Artikel zum Thema Bloggen:

Kennzeichnung von Werbung

 

Früher war alles besser? Meine Anfänge 

Veganismus Superfoods Kritik

Essen Veganer nur noch Superfoods?!

Veganismus Superfoods KritikMoin,

wir müssen reden. Dringend. Ernähren sich Veganer*innen eigentlich nur noch von exotischen und oft völlig überteuerten Superfoods? Man könnte glatt den Eindruck gewinnen.

Allein in der letzten Woche habe ich diesbezüglich ein halbes Dutzend Kooperationsanfragen von Firmen bekommen. Meist „kleine Start-Up Unternehmen ohne Budget“. Das an sich lässt mich schon mal grübeln. Zum einen, weil mein Vermieter sich sicher wundert, wenn ich ihm die Miete nächsten Monat in krautig riechendem Pulver bezahlen will. Zum anderen, weil ich mich frage, ob der Markt die 17. Firma mit Moringa, das 28. Lucuma und das drölftausendste Matcha-Detox-Abnehmpulver braucht. Denn auch das schwingt immer mit: Veganer*innen ernähren sich gesund, wollen alle unbedingt abnehmen und müssen 24/7 entgiften. Äh. Ja. Nee.

Blödsinn. Natürlich habe auch ich das ein oder andere Supergemisch hier stehen. Weil es mir schmeckt und manchmal auch Sinn macht. Siehe hier zum Beispiel. Aber so langsam habe ich das Gefühl, dass wir uns alle nur noch von grünen, esoterisch riechenden Pülverchen ernähren sollen. Fällt der veganen Szene nichts mehr ein? Oder schläft nur die Non Food Abteilung? Denn da würde ich mir immer noch gerne mehr wünschen. Veganismus hört nicht am Tellerrand auf. Für viele fängt der schwierigere Teil da sogar erst an. Und wenn ich sehe, dass manche Firmen, die früher als relativ sichere Bank für Freunde von tierleidfreier Kosmetik galten, nun immer öfter ihre Prinzipien brechen (siehe beispielsweise Alverde und P2), stimmt mich das zumindest leicht säuerlich. 

Auch wenn es gerade nicht immer den Anschein hat: Die meisten Veganer*innen entscheiden sich aus ethischen Gründen dazu, auf tierliche Produkte und Rohstoffe zu verzichten. Hoffe ich zumindest. Das beinhaltet neben Nahrungsmitteln und Kosmetika ganz schnell auch Kleidung, Schuhe, Möbel, Accessoires, Reinigungsmittel, und, und, und… Muss es aber nicht. Der eine geht gleich von 0 auf 100, die andere macht es Step by Step.

Ganz sicher aber nicht mit Superfoods! Als ich anfing mit vegan – ach was sag ich: VEGETARISCH – gab es genau drei Würste und fünf pastetige Brotaufstriche. Man hatte die Wahl zwischen „Geht so“, „Geht gerad‘ noch so“ und „Geht gar nicht“. Zwischendurch ging man zur veganen VoKü und freute sich über den ersten fleischfreien Burger in Hamburg. Irgendwann gab es dann einen rebellischen Jutebeutel und die ersten Vegetarian Shoes „Panthers“ (Mein erstes Paar – ich besaß insgesamt drei hintereinander – hat übrigens WEIT weniger gekostet als die aktuellen 109€. Auch das spricht Bände.).

Da hat sich zum Glück einiges getan. Insofern können wir nicht meckern. Wahrlich nicht. Auch, wenn wir es immer noch gerne tun. 
Kriegen wir die Leute stattdessen nicht eher mit ganz banalen Dingen? Veganer Fertig-Currywurst im Kühlregal? Sojamilch für den Kaffee beim Bäcker um die Ecke? Vernünftige, vegane Schuhe im freien Verkauf, für die man nicht 150 km durch die Gegend juckeln oder den Paketboten ärgern muss? Und allem voran mit vernünftigen Preisen? 

Denn vegan wird nie „normal“ werden, solange Mienchen Puhvogel das Gefühl hat, nur für diesen Zusatz gleich mal ein paar Euro mehr löhnen zu müssen. Oder in hippen Onlineshops von feschen Start-Up Unternehmen (ohne Budget) bestellen zu müssen. Werden wir irgendwann an den Punkt kommen, wo Menschen bei dem Wort „vegan“ nicht nur an Kochbücher von Herrn H. denken, sondern sich bewusst werden, an welchen Stellen man alles ansetzen kann? Dass vegan eben nicht teuer sein muss? Faire Kleidung einen nicht an den Bettelstab bringen muss, wenn man sich die 20 Primark Hauls zuvor verkneift? Und dass der Griff zur tierleidfreien Bodylotion irgendwann so normal – und einfach – wird, wie der Griff zum Klopapier? 

Ich wünsche mir schicke, vegane und faire Klamotten. Auch in ganz großen und ganz kleinen Größen. ‚Nen guten veganen Lichtschutzfaktor. Mehr tierversuchsfreie Düfte. Veganes Essen auch in der Kleinstadt…

Ich will, dass vegan normal ist. Ich will weder hören, vegan sei militant, noch elitär. Ich will eine entspannte Grundhaltung. Ohne überdrehten Missionierungswahn und dem Haar in der Suppe. Und vor allem will ich nicht schon wieder Superfoods. Danke.

Gastbeitrag| Seife ist Musik für die Haut | Von Sinfonien und Misstönen.

Bei einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt stieg mir plötzlich ein sehr intensiver Duft in die Nase. Ich folgte neugierig der Spur und stand schließlich vor einem Seifenladen. Die offenstehende Tür lud mich zum Hereinkommen ein, im Laden allerdings wurde mir schnell bewusst, dass die offene Tür nicht nur Kunden anlocken, sondern wohl vor allem das Verkaufspersonal vor drohenden Atembeschwerden schützen soll.

Ein extrem aufdringliches Gemisch der unterschiedlichsten Düfte und Aromen auf engstem Raum schlug mir entgegen. Wie halten die das hier nur den ganzen Tag aus?“ fragte ich mich. Ich lese etwas von „hochwertig“, „ökologisch“. Danach riecht es hier nicht gerade, aber das kann ja täuschen! Ich sehe mir das Angebot einmal genauer an: Die Seifen alle sehr bunt in für mich „abenteuerlichen“ Formen, groß und rund wie Käselaibe oder Torten.Verkauft werden kleine Stücke von den riesigen Gebilden. Da stellt sich mir die Frage: Warum stellen sie die Seife nicht gleich in handlicheren Formen her und wer möchte sich mit so einem oft sehr unhandlichen Keil „Seifentorte“ waschen“?
In einigen Seifen finden sich sogar Fruchtstücke, zu welchem Zweck? Der Geruch und die Konsistenz gehen bei der Herstellung verloren und beim Waschen mit dieser Seife landen die Stücke im Waschbecken und verstopfen im schlimmsten Fall den Abfluss

Ich bin vielleicht zu kritisch …

Die Zutatenlisten der Seifen können es fast mit einem Medikamentenbeipackzettel aufnehmen: Propyl Glycol steht gleich an erster oder zweiter Stelle. Hierbei handelt es sich um ein Mineralöl, welches dazu dient die Seife feucht zuhalten.
Jetzt war mir klar, warum sich die Seife im Laden noch in Stücke schneiden lässt. Bei handgemachter Naturseife ist dies ein paar Tage nach der Produktion schon nicht mehr so einfach möglich, da die Naturseife ohne diesen Zusatz trocknet und härtet.

Weiter lese ich EDTA oder Tetrasodium Etidorate, ein viel eingesetzter, wenig toxisch aber schlecht biologisch abbaubarer Konservierungsstoff in der Kosmetik, der das ranzig werden der Seife verhindern soll. In zertifizierter Naturseife ist EDTA übrigens nicht zugelassen.

Dann Sodium Lauryl Sulfate, ein allergieauslösender Zusatz, der laut EU Gefahrenstoffkennzeichnung sogar als gesundheitsschädlich eingestuft wird. Wie gruselig ist das denn?…

In einigen Seifen finde ich Lilial (Butylphenyl Menthylpropional), ein synthetischer Duftstoff, der zwar wunderbar nach Maiglöckchen duftet, dem aber eine hormonähnliche Wirkung nachgesagt wird, die in Tierversuchen den Hormonhaushalt von Ratten nachhaltig gestört haben soll.

Die große Farbpalette kommt, wie zu lesen ist, auch mit Hilfe von AZO Farbstoffen CI 17200 Blaurot, CI 14700 Gelbrot, CI 19140 Gelb zustande. Auf die Bedenklichkeit der sog. AZO Farbstoffe, die krebserregend sein sollen, ist schon ausführlich in den Medien hingewiesen worden. In geringen Mengen sind diese jedoch in der Kosmetikverordnung zugelassen. Ohne diese künstlichen Farbstoffe, wäre es nicht möglich so intensive Farben zu erzeugen. Das klingt alles nicht ökologisch !OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Natur bietet natürliche Farbstoffe wie Spirulina, Anattosaat, Tonerden u.s.w. die dezent färben, dafür aber keine gesundheitsschädliche, sondern sogar pflegende Wirkung haben. Auch auf synthetische Duftstoffe kann Naturseife verzichten. Natürliche ätherische Öle duften nicht so intensiv und aufdringlich wie synthetische, der Duft hält in der Naturseife jedoch viel länger und flacht nicht so schnell ab. Ohne Konservierungsstoffe ist Naturseife bei entsprechender Lagerung ein Jahr und sogar länger  haltbar.

Bei den Seifen im besagten Laden beschränken sich die versprochenen „hochwertigen“ Öle auf Rapsöl und Kokosöl, unter „hochwertig“ verstehe ich etwas anderes. Warum verwenden Seifenhersteller laut eigener Aussage nur hochwertige, ökologische Zutaten, kaltgepresste, natürliche Öle, wenn am Ende dann so ein teurer „Chemiecocktail“ dabei herauskommt, der mit ursprünglicher Seife nicht mehr viel zu tun hat? Mensch sollte sich nicht von einer plakativen Ökobotschaft (die zwar nicht schwarz auf weiß geschrieben, aber dennoch durch Marketing und Image suggeriert wird), witzigen Formen und schrillen Farben blenden lassen und einmal genauso kritisch auf die Zutatenliste schauen, wie er es beim Einkauf seiner Nahrungsmittel täglich tut. Die Haut ist nicht nur unser größtes Organ, sondern um ein vielfaches aufnahmefähiger als der Darm. Die Chemie mit der wir uns waschen, kann durch Einschleusen durch die Haut in den Blutkreislauf gelangen und unseren Organismus schädigen.

Deshalb mein Plädoyer für traditionelle handgemachte Naturseife, ohne Chemie, ohne Schnick Schnack und grellbunte Farben. Für ehrliche“ Seife aus wirklich natürlichen und hochwertigen Zutaten. Die zart duftet, wunderbar schäumt und die Haut pflegt.

Ganz ohne schlechtes Gewissen !

Perspektivwechsel | Hipp, Hipp Vegan?! – Ein Gastbeitrag

Vor einigen Tagen hatte ich mal wieder ein sehr interessantes Gespräch mit meiner Mutter. Wie war das eigentlich damals, als mein Bruder und ich schwer von Nahrungsmittelunverträglichkeiten geplagt waren und vor allem mein Bruder notgedrungen vegan ernährt werden musste? War es in den 80ern so einfach wie heute? Wie hat sich die „Szene“ entwickelt? Und welche Klientel wurde damals, welche heute angesprochen und wie? Es sind längst nicht mehr die „Tschernobyl-Mütter“, die unbelastete Lebensmittel für ihre Kinder wollen. Meine Mutter war so nett ihre Gedanken noch einmal in Worte zu fassen und diese aufzuschreiben, so dass ein wie ich finde sehr interessanter Text entstand, denn ich heute gerne mit euch teilen möchte.

Hipp,Hipp Vegan?!

„Bereits vor ca. 30 Jahren habe ich mich mit dem Thema vegetarische/vegane Ernährung (wenn auch nicht ganz freiwillig) auseinander gesetzt. 

Meine beiden Kinder kamen als Allergiker auf die Welt. Am schlimmsten traf es meinen Sohn, der schwer an Neurodermitis erkrankte. Nach vergeblichen Therapien bei verschiedenen Ärzten und Kliniken hieß für mich das vermeintliche Allheilmittel „Ernährung ohne tierisches Eiweiß“.

Leichter gesagt als getan, schließlich reden wir hier von den 80er Jahren! Von der Vielfalt der heute  zur Verfügung stehenden Alternativen zur konventionellen Ernährung konnte ich damals nur träumen. Das Wälzen von unzähligen Büchern und die Jagd nach geeigneten Produkten strapazierten nicht nur meine Nerven, sondern auch meinen Geldbeutel. Bioprodukte und – wie es heute so schön heißt –  „veggie“ Produkte waren nicht nur rar, sondern auch unverschämt teuer. Also verband ich das Praktische mit dem Nützlichen und  “ heuerte“ im einzigen  Naturkostladen der Stadt an. Fortan arbeitete ich also halbtags gegen Bezahlung in “ Naturalien“. Ich saß somit nicht nur quasi „an der Quelle“, sondern erhielt zusätzlich eine Schulung in Gesundheits- und Ernährungslehre. Mein Sohn wurde nach nur 14 tägiger konsequenter Ernährungsumstellung beschwerdefrei und ich vertiefte mich, durch den Erfolg angestachelt, in das Thema, so dass ich mein Wissen an die vielen verzweifelten „Allergikermütter“, die täglich den Laden aufsuchten, weitergeben konnte.

Mit dem SUV zum Biohof

Ich weiß noch genau, wie wir und unser Naturkostladen damals belächelt wurden. Es kamen mehr als einmal Sprüche wie “ Das Gemüse sieht ja aus, als ob es allein aus dem Laden laufen würde!“ oder “ Das ist alles nur Geldschneiderei!“. Naserümpfend gingen viele Leute an dem Laden vorbei, besonders die aus der sog. „Oberschicht“. Und das sind genau die Leute, die heute in Steppjacke und Perlenkette mit Ihren Benzinschleudern, wie z.B  SUV und Porsche Cayenne, vor den Biohöfen Schlange stehen Nachhaltigkeit huldigen. Die wie ich sie nenne “ Luxusökos“.

Vegetarische oder vegane Ernährung ist hipp! Nicht aus der Not oder der Einsicht geboren, sondern als neues Lebensgefühl, im Besonderen in der jüngeren Generation. Zumindest wollen uns das die vielen Werbeagenturen und – ich nenne sie mal – Modeköche vermitteln. Doch wo bleibe ich als “ Öko-Veteranin“?

Mich als durchschnittliche Mitfünfzigerin „vom Lande“ gibt es für die große Veggie-Comnunity so gut wie gar nicht. Ganz „normal“ kochen ohne tierische Produkte ist heute “ Veggie Küche “ und Bedarf vermeintlich nicht nur einer Vielzahl  an Hightechgeräten z.B. zur Herstellung von Smoothies ( die früher Gemüsesaft hießen), sondern auch Tausende von exklusiven Zutaten auf die Mann/Frau auf gar keinen Fall verzichten  kann. Wenn wir denn der Werbung Glauben schenken. 

Back to the roots

Aber das ist völliger Quatsch! Kommt zurück zu den Wurzeln und kocht doch einfach!! Vegetarische/ Vegane Küche ist kein Hexenwerk. Heute ist die Palette der Alternativen zu tierischen Lebensmitteln so groß wie nie zuvor. Auch habe  ich mir damals kein einziges zusätzliches Küchengerät angeschafft und keine „abenteuerlichen“ Zutaten eingekauft und trotzdem für zwei Kinder vollwertig kochen können.Die Industrie meint die vegane Nische zu bedienen zu müssen und wirft fast täglich  eine Vielzahl von neuen, in  meinen Augen nicht immer nützlichen Produkten auf den Markt. Dinge die die Welt (meist) nicht braucht !

Alles was wir brauchen sind Lebensmittel, die tatsächlich noch LEBEN. Die meisten Produkte heutzutage dürften sich eigentlich nur noch Nahrungsmittel nennen, so stark wurden sie mittlerweile verändert. Dabei lassen sich mit bodenständigen, natürlichen Zutaten traumhafte Gerichte kochen.

Faire Mode nur für Zwanzigjährige mit Konfektionsgröße 36?

Auch auf dem Sektor Kleidung muss sich endlich etwas in den Köpfen der Anbieter ändern. Für die unzähligen fairen Modelabels und Firmen für faire Kleidung und Accessoires gibt es offenbar keine Kund_innen wie mich. Bei Kleidergröße 42 hört es auf, von der Schnittführung ganz abgesehen, so dass ich den Eindruck habe, dass nur gertenschlanke, jugendliche Menschen ihre Kleidung tragen sollten. Ich fühle mich diskriminiert!

Holt die Menschen dort ab wo sie stehen!

Wenn nicht schon seit 30 Jahren meine Lebensphilosophie von Ökologie und Nachhaltigkeit geprägt wäre, würde ich sagen: Macht es mir nicht so schwer ! Das Thema “ Veggie“ wie es neudeutsch heißt, wird in meinen Augen nicht niedrigschwellig genug kommuniziert. Soll heißen: Es wird dem Verbraucher suggeriert, dass er unbedingt viel Geld und Mühe investieren muss, um gesund/vegan/vegetarisch/wie auch immer  zu leben.

Das nimmt vielen den Mut überhaupt damit anzufangen, was kontraproduktiv ist. Wer motivieren will, muss es  einfach und unkompliziert machen, um alle anzusprechen und nicht nur die hippen Neuveganer oder die Klientel der neuen “ Luxus-Ökos“ für die es im Moment nur angesagt und schick ist sich gesund zu ernähren. Und im Winter dann beim Biss in die Erdbeere von Nachhaltigkeit reden.

Ihr vielen “ Veggie“ Köche, Modedesigner, Blogger, Fabrikanten denkt mal drüber nach. Weniger ist oft mehr! Beim Blick in die vielen Blogs und Veröffentlichungen über das vegane Leben erscheint mir der ein oder andere so verbissen und dogmatisch, dass er/sie durch die vegane Brille den Blick über den Tellerrand vergisst.

Also, weg mit dem Tunnelblick, dem Schnickschnack,dem Schickimicki.  Wichtig ist es, die die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der vegetarische/veganen Küche abzubauen, damit Mensch sich traut überhaupt anzufangen.“

 

Ich möchte mich bei meiner Mutter bedanken, die mir diesen Text zur Verfügung gestellt hat und die, wenn ich mich an einige Konversationen in der letzten Zeit erinnere, sicherlich der einen oder dem anderen aus der Seele spricht.

Auch wenn es vielleicht viele Produkte ohne den aktuellen „Hype“ nicht geben würde: Ich wünsche mir, dass der tierleidfreie Lebensstil bei den Menschen nicht nur im Kopf, im Kühlschrank oder am Körper, sondern vor allem im Herzen ankommt. Denn nur dort kann er Wurzeln schlagen. Was nützen uns „Hardcore-Veganer“, die nach zwei Jahren wieder zum Steak aus Massentierhaltung greifen oder bei H&M und Co. billigste Mode, womöglich noch von Kinderhand gefertigt, kaufen?