Schlagwort-Archive: Minimalismus

NUI Berlin vegane Kosmetik

French Style Make Up mit NUI Berlin

NUI Berlin French Make Up Do it the french way 

Hach ja, die Franzosen. Sie brachten uns nicht nur den Champagner, die Macarons und Coco Chanel, sondern auch das „Je ne sais quoi“. Dieses gewisse Etwas, das dem Ruf nach vor allem den Französinnen anhaftet und sich irgendwo zwischen Bretonshirt, Messy Hair und roten Lippen bewegt. Einmal „French Style“ in die Pinterest-Suche eingegeben und ich bin über Stunden beschäftigt…

Die Klischee-Französin weiß genau was ihr steht (und was nicht), kommt mit einer Capulse Wardrobe von 30 Teilen aus (und sieht damit immer blendend aus) und braucht morgens im Bad nicht länger als die paar Minuten, die zwischen den ersten Kaffee und das Sprinten zur Métro passen. Zumindest in meiner Vorstellung.

Dieses vermeintliche Laissez-faire ist genau mein Ding. Und so haben sich im Laufe der Jahre ein paar französische Beauty-Rituale fest in meiner Routine etabliert. 

 1. Prep

Die Haut ist unsere Leinwand. Je besser sie in Schuss ist, desto weniger muss verändert, beschönigt und überdeckt werden. Übrigens ein Gedanke, den die Französinnen mit den Japanerinnen gemein haben. 

Ich habe gemerkt, dass sich durch das häufige Tragen von Foundation meine Haut auf lange Sicht verschlechtert. Das hat dazu geführt, dass ich was Grundierung angeht a) sehr picky geworden bin und b) selten welche trage. Und wenn das doch einmal der Fall ist, trage ich – ganz französisch – die Foundation nicht auf dem ganzen Gesicht, sondern nur punktuell auf. 

Dafür beinhaltet meine Pflege je nach Tageszeit zwischen 3 und 5 Schritte, die akribisch durchgeführt werden. Egal wie müde oder angetüddelt ich bin. Meist reicht daher ein getönter Sonnenschutz und/oder ein Puder aus. 

Finde die für dich passende Gesichtspflege. Das ist die halbe Miete. 

2. Focus on one feature

Das Make Up der Französinnen ist minimalistisch. Entweder Lippen ODER Augen. Und das bitte auch nicht zu akkurat. Die Smokey Eyes werden zwischen Tür und Angel mit dem Finger aufgetragen und der Lippenstift nur aufgetupft. 

Überhaupt verwendet die Klischee-Französin ungern Pinsel. Sie möchte Texturen fühlen, mit den Fingerspitzen verblenden und alles bloß nicht zu gewollt aussehen lassen. Hierfür eignen sich wunderbar cremige Produkte, die Dank der Wärme der Finger leicht erwärmt werden und mit der Haut verschmelzen. Das macht sie ideal für den Minimal Make Up Look, da man ohne perfekte Base und viel Setting Powder auskommt. 

Entscheide dich und arbeite mit Produkten, die deinen Ansprüchen genügen. Keine Kompromisse! Kenne dein Handwerkszeug und spiele damit. 

3. Enhance your beauty 

Französinnen kaschieren nicht, sie heben hervor. Und zwar ihre Schokoladenseite. Niemals würden sie auf die Idee kommen deutlich zu konturieren, um die eigene Gesichtsform zu verändern. Oder irgendwelche Farben tragen, nur weil sie gerade im Trend sind. 

Ein wenig Bronzer hier, ein wenig Highlighter da. Aber alles mit leichter Hand und bitte ohne harte Kanten. Und um Himmels willen keine Sommersprossen überschminken!
„Instagram Make Up“ dürfte unserer Parade-Französin ein Graus sein.

Arbeite mit dem was du hast und setze deine Vorzüge in Szene. 

⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅

Und zum Glück gibt es einige Make Up Brands, die nicht nur nach diesen Maßstäben arbeiten, sondern auch noch vegan und tierversuchsfrei produzieren. Ein neuer Stern der Szene ist NUI Berlin der beiden Savue Beauty-Gründerinnen Swantje und Annika. Die Marke bietet cleane und moderne vegane Kosmetik, die beides vereint: Natürlichkeit und High Performance.

Stein des Anstosses war die Suche nach einem simplen roten Lippenstift. Sobald nämlich nicht mehr nur die Farbe und Auftrag wichtig sind, sondern auch die Inhaltsstoffe und die Herstellung, wird diese wirklich kniffelig. Aber die beiden Frauen haben es geschafft und neben dem roten Klassiker „Aroha“ nun wunderbare dekorative Kosmetik für Lippen, Augen, Wangen und Co. auf den Markt gebracht.  

Nui Cosmetics Cream Blush Tint

Eines meiner Highlights ist das Cream Blush for Cheek, Eyes & Lips. 

Dieser Stick ist –  wie der Name schon sagt – ein ausgewiesenes Allround-Talent für Wangen, Augen und Lippen. Cremig im Auftrag kann er als Blush, als Lidschatten oder auch als Lippenstift verwendet werden. Allerdings würde ich zumindest meine Nuancen – Pititi & Karamere – nicht als letzteres nutzen. Hierfür empfand ich sie als zu fleckig im Auftrag und die Konsistenz etwas unangenehm auf den Lippen. 

Dafür machen sie auf den Wangen eine RICHTIG gute Figur. Die Tints sind perfekt, wenn man mal auf Puder und Co. verzichten möchte oder nur einen getönten Sonnenschutz trägt. Denn sowohl Puder auf Creme, als auch Creme auf Puder ist bei Make Up meist keine gute Idee. Creme auf Creme hingegen schon.

„Pititi“ ist ein mattes Rosé, welches fast allen Hauttönen passen dürfte. Es zaubert einen Hauch Farbe ins Gesicht und lässt einen – auch wenn ich diese abgedroschene Phrase nur widerwillig verwende - aussehen wie frisch geküsst. Oder wie nach einer Joggingrunde. Die Menge macht’s.

„Karamere“ hingegen ist ein warmer Pfirsichton mit winzigen Schimmerpartikeln. Fast schon ein Cremebronzer und sehr schön, um ein wenig Sommerbräune auf die Wangen zu schummeln.

Beide Farben lassen sich super mit den Fingern (oder einem Pinsel) verblenden.

Tipp: Ein wenig vom Cream Blush auch in, bzw. über die Lidfalte geben. Das verleiht Tiefe und Dimension, rundet das Make Up ab und fügt auch minimalistisches Make Up stimmig zusammen.

Nui Cosmetics vegane Mascara Pango

Ein weiteres Highlight ist für mich die die Mascara Pango. Ich muss gestehen, dass mich bisher in der Naturkosmetik keine Mascara auf lange Sicht begeistert hat. Einzig die All-In-One Mascara von PHB Ethical Beauty beeindruckte mich ein wenig, da sie wirklich nachweislich Länge schenkte. Viel Volumen war aber auch hier nicht zu vermelden.

Nun also die Pango von NUI Berlin. Diese Mascara ist eher auf der flüssig-cremigen Seite angelegt und besitzt das klassische Bürstchen, welches für so viele Naturkosmetik-Mascaras verwendet wird. Was ich ein wenig schade finde, da ich meine Mascarabürsten gerne größer und dichter habe. Volumen und Länge in einem Auftrag, wie ich es von vielen konventionellen Wimperntuschen gewohnt bin, finde ich auch hier nicht. Habe ich aber ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Für den Schwung habe ich mit der Wimpernzange nachgeholfen. 

Allerdings hat mich die Mascara von NUI Berlin dann doch sehr positiv überrascht. Die Konsistenz ist recht flüssig und somit trocknet die Tusche etwas langsamer. Allerdings kann sie  daurch auch wunderbar gelayert werden und so lässt sich mit mehreren Schichten ein wirklich gutes Ergebnis erzielen. 

Weitere Pluspunkte: Die Mascara ist tatsächlich richtig schwarz und die Wimpern bleiben weich. Schon nach wenigen Minuten schmiert nichts mehr auf die Fingern ab und die Haltbarkeit ist gut. Sie hat sogar eine ziemlich schweißtreibende Yoga-Stunde ohne Patzer überstanden. 

Wer auf der Suche nach ein wenig Länge ist und eine solide Alltags-Mascara im Naturkosmetikbereich sucht, sollte sich Pango unbedingt einmal genauer ansehen.

⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅⋅

P.S:: Bei den Produkten von NUI Berlin handelt es sich um PR-Samples. Diese wurden mir kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Trotzdem gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog.

Minimalismus im Kleiderschrank

Lesetipps | Minimalismus im Kleiderschrank

Minimalismus im Kleiderschrank

„It’s not about owning or doing as little as possible. It’s about owning and doing the right things, things that add value to your life.“ – Curated Closet

Vor einiger Zeit hat er mich endlich gepackt. Dieser Minimalismus. Ob es am Wunsch nach Erneuerung und Veränderung liegt, der uns alle regelmäßig um den Jahreswechsel herum packt? Auf alle Fälle wäre meine Mutter stolz auf mich. Mein Kleiderschrank sieht aus wie gemalt und der Inhalt ist auf das Wesentliche geschrumpft. Ich mag das Gefühl, nur noch Dinge zu besitzen, die mir wirklich wichtig sind, einen festen Platz haben und SINNvoll sind. 

Wie habe ich das denn hingekriegt?

Lang hat’s gedauert. Seit Monaten stehen diverse, einschlägige Ratgeber in meinem Bücherregal. Einige komplett gelesen, einige teilweise. Ich habe hier ein wenig geräumt, da ein wenig ausgemistet. Erste Veränderungen wurden sichtbar. Aber wirklich befriedigend war es nicht. Irgendwie kam es (oder ich) nicht in die Gänge. 

Bis mir neulich beim Blick in mein Bücherregal ein Gedanke durch den Kopf schoss. Ich habe diese gehypten Bücher hier stehen und bin noch keinen wirklichen Schritt weiter. Woran liegt es? Halten sie nicht, was sie versprechen? Liegt es an der Methode? Liegt es an mir? Wieso also nicht mal alle Bücher miteinander vergleichen und auf Herz und Nieren prüfen.

Halten die Gurus des Minimalismus was sie versprechen?

Ich nahm mir also meine drei Expertinnen und führte mir ihre Bücher erneut zu Gemüte. Inklusive Notizen machen, Sätze zweimal lesen und Ausprobieren. Ein bisschen so wie damals in der Schule. Dabei stellte ich eines fest: Der Grundgedanke ist immer der gleiche: „Macht es mich glücklich?“ Egal ob Anuschka Rees, Marie Kondo oder Pia Mester. Am Ende geht es darum, dass das, was wir besitzen uns nicht belastet, sondern sich sinnvoll anfühlt, einen festen Platz in unseren Leben einnimmt und uns glücklich macht. Klingt erstmal ziemlich spirituell, fasst den Kern des Ganzen aber ganz gut zusammen. Egal, ob es um Kleidung, Hausrat oder Bücher geht. 

Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass es ein unglaublich schönes Gefühl ist zu wissen, dass und wo alles seinen Platz hat. Angefangen hat alles damit, dass ich irgendwann beschloss nur noch so etwas wie eine „Capsule Wardrobe“ zu haben. Die paar Teile, die mich und meinen Stil perfekt repräsentieren. Die sitzen, gut aussehen und im Idealfall auch noch fair produziert wurden. Ein sportliches Ziel für jemanden, die sich schon bei etwas so individuellem wie Parfum nicht auf eine Zahl unter 20  einigen kann… Und einen Kleiderschrank hat, der einer einzigen weichen, wabernden Masse gleicht. Aber mir gefällt dieser Gedanke MEINE Dinge gefunden zu haben. (Wie ich insgeheim immer noch auf den einen Signature Duft hoffe…) Ich möchte qualitativ gute Produkte besitzen, von denen ich lange etwas habe, die sich gut anfühlen und ja, mich glücklich machen. 

Minimalismus Curated Closet Marie Kondo Von 100 auf 0?

Aber wie stelle ich das an? Müllsack raus, Schrank auf und alles rein, was auf den ersten Blick nicht gefällt? Erstmal Shoppen gehen und das ideale Leben zusammenkaufen? Oder lieber mit Stift und Block bewaffnen und strategisch vorgehen? Heute das Schlafzimmer, morgen das Bad und nächste Woche die Küche? Ein bisschen was von allem.

Ich habe mir vier Queens of Minimalism mal genauer angesehen, Kernaussagen gesucht und Gemeinsamkeiten und Unterschiede gefunden. 

Minimalismus im Kleiderschrank von Pia Mester

Das dünnste und schnörkelloseste von allen Büchern und im Selbstverlag erschienen. Minimalismus im Kleiderschrank* beinhaltet neben einigen Fragebögen zum Ausloten des eigenen Stils auch Tipps zum Umgang mit den ungeliebten Altlasten und Ratschläge zum Suchen und Finden der richtigen Kleidungsstücke. Die eigentliche Ordnung im Kleiderschrank wird auf zwei Seiten abgehandelt.

Auffallend: Der Fokus liegt hier ganz klar auf dem Recyceln und Weiterverwenden der abgelegten Kleidungsstücke. Wegwerfen ist eigentlich keine Option. Das ist durchaus ein löblicher Ansatz und sollte immer als Erstes in Erwägung gezogen werden. Aber es kann auch hemmen. Mit ein Grund, wieso mich das Buch wahrscheinlich nicht so gekriegt hat wie die anderen drei. Für Ebay, Tauschparty, OxFam, Sozialkaufhaus und Co. muss man Zeit und Muse haben (und eine entsprechende Anlaufstelle vor Ort). Wer das – wie ich – nicht hat oder immer wieder vor sich herschiebt, wird keine wirklichen Erfolge sehen. Das frustriert und am Ende passiert gar nichts. 

Wer wie ich alle vier Bücher gelesen hat, wird merken, dass das Rad hier nicht neu erfunden wurde. „Minimalismus im Kleiderschrank“ ist im Grunde eine Zusammenfassung von „The Curated Closet“ von Anuschka Rees mit einer Prise „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. Wer diese beiden Bücher besitzt, braucht das kleine Büchlein nicht. Ich habe es vor allen anderen gelesen und weiß nun, was mir fehlte: Praktische Tipps, um sofort loszulegen, Beispiele und psychologische Hintergründe. Für einen Einstieg in das Thema, der schnell und unkompliziert gelesen werden kann, ist das Büchlein jedoch gut geeignet. 

The Curated Closet von Anuschka Rees

Dieses Buch war der Grund, wieso ich mich dann schlussendlich doch auf den Weg gemacht habe. Hübsch bebildert macht es mehr her, als alle anderen Bücher zusammen. Denn ausser „The Curated Closet einhält keiner der Bücher Fotos. Bei so einem ästhetischen Thema eigentlich ungewöhnlich. Aber vielleicht auch förderlich, weil sich viel Kopfkino abspielt, man nicht durch modische Kniffe von aussen beeinflusst wird und sich tatsächlich mit dem eigenen Kleiderschrankinhalt auseinander setzt.

Anuschka Rees aber hat sich für Bilder entschieden. Diese sind jedoch so clean gehalten, dass sie allenfalls Thesen in Sachen Kombinationsmöglichkeiten, Materialien und Farben unterstreichen. Alles bleibt sehr gefällig fürs Auge und so ist es eine wahre Freude dieses Buch zu lesen. 

Minimalismus im Kleiderschrank Curated Closet

Minimalismus The Curated Closet Aufräumen

The Curated Closet ist mit Abstand der praktischste aller Ratgeber. Hier wird nicht lange gehadert, sondern gleich losgelegt. Anuschka Rees gibt klare Tipps, wie ein Curated Closet oder gar eine Capulse Wardrobe aufgebaut sein sollte. Es werden Zahlen genannt, das Augenmerk auf Schnitte, Farben und Materialien gelegt und sich nicht lange mit Umschichten aufgehalten. Im Gegensatz zu Pia Mester ist Rees nämlich schon etwas mutiger wenn es ums Wegwerfen geht. Vorher steht allerdings etwas Recherche an, damit der Kleiderschrank nicht einfach nur geleert wird und sich nachher sinnlose „Ausgleichskäufe“ anbahnen. Nein, hier gibt es knallharte Tipps und Aufträge und am Ende fühlt man sich dem perfekten, eigenen Stil tatsächlich ein ganzes Stück näher.

„The Curated Closet“ war es auch, das mich dazu brachte meinen Kleiderschrank mal ganz konkret anzugehen und dabei meine beiden Bücher von Marie Kondo zu entstauben und tatsächlich damit zu arbeiten. 

Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert von Marie Kondo

DIE Bibel in Sachen Aufräumen. Zugegebenermaßen war ich nach den ersten Kapiteln allerdings etwas skeptisch. Denn Marie Kondos Guide unterscheidet sich grundlegend von den anderen.

Ihre Herangehensweise an das Thema ist nahezu spirituell. Das muss man mögen. Auch, dass es in ihrem Buch nur noch vor Beispielen wimmelt. Gerade das hat mich zu Anfang gestört. Ein paar Beispiele sind natürlich gut und verdeutlichen Thesen und Gedankengänge. Aber ich will nicht dutzende Stories anderer Menschen lesen, denen es genauso geht wie mir. Ich weiß wo das Häschen lang hoppelt. Was ich brauche sind handfeste Tipps!

Gerade die sucht man bei Kondo – zumindest zu Anfang – vergeblich. Ihre berühmte Falttechnik, auf dem ihre gesamte Kleiderschrank-Philosophie aufbaut, wird nur in wenigen Worten beschrieben. Ein Bild, eine Zeichnung, irgendeine Visualisierung? Fehlanzeige. WTF?!

Minimalismus im Kleiderschrank

Kurz davor das Buch entnervt erneut ins Regal zu stellen, kam mir der Gedanke zu diesem Artikel und ich zwang mich selbst, mir dieses Buch von Anfang bis Ende aufmerksam zu Gemüte zu führen. Ähnlich einer unliebsamen Schullektüre. 

Und am Ende konnte ich doch einiges von der guten Marie Kondo lernen. Beispielsweise, dass es einen nicht direkt in die Hölle bringt, unliebsame Schrankleichen einfach wegzuwerfen, um sein Ziel zu erreichen. Nicht jedes Teil muss auf Teufel komm‘ raus eine neue Bestimmung finden. Diese Erkenntnis zu lesen ist durchaus beruhigend für das eigene Gewissen und führt deutlich schneller zu messbaren – und motivierenden – Erfolgen, als das wochenlange Überlegen und Planen, wie man mit den aussortierten Kleidungsstücken umgehen soll. 

Zudem hat Kondo einige nette Kniffe für den perfekten Schrankinhalt parat. Von dick nach dünn sortieren, von dunkel zu hell. Und auf keinen Fall eine „Maybe“-Kiste anlegen. Was alle anderen Kandidatinnen inbrünstig propagieren, lehnt Kondo strikt ab. Mit der Begründung, dass solche Kisten oder Tüten mit Stücken, bei denen man sich nicht sicher ist, meist einmal befüllt und danach für Monate – wenn nicht Jahre – ungeöffnet und unbesehen im Schrank enden. Hopp oder Top. Jetzt oder nie. Aus Erfahrung kann ich sagen: Sie hat recht.

Meine wichtigsten Learnings aus dem Erstlingswert von Marie Kondo:

  • Ungeliebte Kleidung nicht zu „Hauskleidung“ machen. Zeit zuhause ist auch Zeit unseres Lebens und verdient Kleidung, in der wir uns gut fühlen. Dicker Fallstrick für mich…
  • Kleidungsstücke knittern nicht durch Falze, sondern durch Druck von oben. Daher falten und aufstellen, statt zusammenzulegen und zu stapeln. Erst von mir belächelt, funktioniert das tatsächlich erstaunlich gut. 
  • Kleidung nicht in Jahreszeiten einteilen. Eher nach „wollartig“ & „baumwollartig“. Ich verfahre schon lange so und feiere im Winter den Zwiebellook. Dann gehen auch T-Shirts.

Laut Kondo klärt sich die Frage, ob ein Kleidungsstück bei einem bleiben will in wenigen Sekunden. Sie rät dazu, alles (wirklich alles!) in die Raummitte zu befördern und dann zu erspüren, ob das einzelne Stück einen glücklich macht. Und sich bitte nicht schon beim Ausmisten Gedanken zu machen, wo welches Teil hin soll und es womöglich schon dorthin befördert. Das führt nur zu Frustrationen, zähem Fortschritt und dem Verlust des Überblickes. 

Vor allem in ihrem zweiten Ratgeber wird das noch eine Rolle spielen.

Magic Cleaning – Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben von Marie Kondo

Denn hier geht es um all das, was über den Kleiderschrank hinaus geht. Seien wir mal ehrlich: So einen neckischen, überschaubaren Kleiderschrank mit unserem eigenen, in Baumwolle gegossenen Stil kriegen wir alle gerade noch so hin. Oder? Aber wie sieht es aus mit der Wohnzimmerkommode mit all dem schönen Dekoschnökes? Den Vorratsschränken in der Küche? Und dem Kosmetikschrank im Bad? Das erklärte Ziel ist es, dass auch dort nur Dinge stehen, die wir wirklich BRAUCHEN, uns mit SINN erfüllen und GLÜCKLICH machen. 

Uff. Das Glücksgefühl einer ordentlichen Küchenmaschine kann ich ja gerade noch nachvollziehen. Aber Gummistiefel? Tonpapierreste? Gewürzdosen???  

Auf alle Fälle nehmen ich aus ihrem zweiten Buch folgende Tipps mit:

  • Unbedingt in einem Rutsch ausmisten!!! Nicht jeden Tag ein bisschen.  
  • Nicht nach Zimmern, sondern nach Kategorien aussortieren. Ansonsten wird man nie fertig. Denn die meisten Dinge einer Kategorie befinden sich nicht in einem Raum, sondern sind in Wohnung oder Haus verteilt.
  • Ja, man darf Bücher wegwerfen. Sie haben ihren Sinn erfüllt, in dem Moment, in dem wir sie gelesen haben. Das klingt hart, vor allem für Bibliophile. Schließlich enthalten sie Kulturgut. Statistisch gesehen aber werden die wenigsten Bücher mehrmals gelesen. Ausnahme: Ratgeber. Die sind allerdings auch diejenigen, die am meisten NICHT gelesen werden. Bücher, die uns etwas beibringen sollen werden entweder nach dem Kauf oder nie gelesen. Dieses „Irgendwann“ kommt nie. 
  • Ja, auch Geschenke dürfen weggeworfen werden. Lieber so, als dass wir sie mit einem negativen Gefühl benutzen. Das hat der Schenkende nicht verdient. 
  • Jeder Mensch hat seine individuelle richtige Menge. Ist diese erreicht – und das spüren wir tatsächlich -ist der Prozess beendet. Danach gibt es auch so gut wie keinen Rückfall mehr. 
  • Ziel des Minimalismus ist es nicht, alles bestmöglich zu verstauen, sondern Platz zu gewinnen. Der dann mit Lieblingsstücken sinnvoll gefüllt wird. 

Kondos Minimalismus geht soweit, dass sie jeden Abend ihre Handtasche komplett leer räumt, sich bei den Dingen bedankt und sie an einen festen Platz zurücklegt. Ich muss da immer an meinen Vater denken, der als Soldat jeden Abend sein Barett auf die Anrichte im Flur legte. Dahinein kamen seine Hosengummis, Schlüssel und die Uniformkordel. So waren sie morgens wieder griffbereit. Dieses Ritual habe ich schon als Kind verinnerlicht und sehe es heute noch vor mir. 

Marie Kondos Credo lautet: Das Wegräumen muss einfach sein, nicht das Hervorholen. Hat alles seinen Platz, ist auch ein kleines Chaos schnell zu bewerkstelligen. Dies stellt keinen Rückfall da. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch ihre Gedankengänge zum Thema Putzen. Ich persönlich HASSE es. Die Autorin rät dazu, nicht gleichzeitig aufzuräumen und sauber zu machen. Denn am Chaos sind wir selber schuld, wohingegen Putzen ein Kampf gegen die Natur ist. Aufräumen ordnet die Seele, Putzen beruhigt und läutert. Aufgeräumt werden muss nur einmal im Leben. Dafür aber richtig. Dann fällt das Putzen danach ganz leicht. Sagt sie…

Puh. Das klingt ja irgendwie beruhigend. Und so, als ob auch ich das umsetzen könnte. Natürlich braucht es eigentlich keine Marie Kondo, damit ich weiß, dass es sich in einer aufgeräumten Bude netter lebt. Und ich brauche auch keine Anuschka Rees um zu wissen, dass mir gewisse Schnitte und Farben einfach nicht stehen. Aber sie alle zusammen haben etwas in mir bewirkt. Ich habe nach all den Jahren endlich mal Ordnung in mein Wohnen und in meinen Kleiderschrank gebracht. Und zwar nachhaltig.

Ich merke, dass ich mich meiner individuellen Menge zumindest annähere. Denn es gibt für mich gerade tatsächlich wenig befriedigenderes, als Dinge mit einem Griff zu finden und ebenso schnell wieder wegzusortieren. Es ist noch nicht perfekt. Das merke ich daran, dass es in meiner kleinen Wohnung immer noch Dinge gibt, die hier rum fliegen. Ich weiß aber jetzt, dass es daran liegt, dass sie noch keinen festen Platz gefunden haben. Und ich sehen muss, ob sie den finden werden – oder gehen müssen. Zum Glück bin ich da mittlerweile rigoros. Marie Kondo sagt, dass Menschen, die sich nicht von Dingen trennen können entweder in der Vergangenheit leben oder Angst vor der Zukunft haben. Ich scheine im Hier und Jetzt angekommen zu sein. 

Der Rest. Tja, Mama. Der Rest ist dieser Kampf mit der Natur. 

P.S.: Ich habe alle Bücher selbst gekauft. Es handelt sich bei den Links um Affiliate Links. Solltet ihr die Bücher über diesen Link kaufen, sind sie für euch nicht teurer als ohne, allerdings unterstützt ihr mich beim Kauf mit ein paar Cent. Ich bedanke mich recht herzlich, solltet ihr dies tun. Ansonsten fühlt euch natürlich frei, die Bücher über andere Quellen zu beziehen.
Natürlich gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog. 

Adventskranz Weihnachten Minimalismus

Upcycling DIY | Adventskranz aus alten Gläsern

Adventskranz Weihnachten Minimalismus

Eigentlich hätte es diesen Artikel gar nicht geben sollen. Ich bin wirklich keine DIY-Mamsell und seit Jahren genügsam verbunden mit meinem Adventswürfel. Viel Platz habe ich hier sowieso nicht und so stand eigentlich nie zur Debatte mir mal einen eigenen Adventskranz zu basteln. 

Aber dann kam alles ganz anders. Ob es am ersten Schnee lag, der mich doch ein wenig in Vorweihnachtsstimmung versetzte, am exzessiven Schmücken der Räumlichkeiten auf der Arbeit oder am Lichterschein, der einem schon jetzt aus den Häusern entgegen strahlt: Vor vier Tagen kam mir eine Idee. Und wie das mit impulsiven Menschen so ist, muss diese auch sofort umgesetzt werden. Und zwar subito!
Ich bastele mir einen Adventskranz aus alten (Whiskey-)Gläsern! Upcycling at its best.

Ganz so einfach wie gedachte, gestaltete sich das dann aber doch nicht. Kristallglas sollte es sein. Kein schnödes, neumodisches Pressglas. Die ersten beiden Funde machte ich im örtlichen Antiquitätenhandel. Und wurde gleich mal ein kleines Vermögen los. In meinem Leichtsinn ging ich davon aus, dass sich heute niemand mehr Bleikristall hinstellt und die Gläser somit leicht und günstig zu bekommen wären. Aber was tut man nicht alles für DIE Idee.

Fehlten noch zwei. Ich hoffte in einem der beiden Trödelmärkte fündig zu werden. Allerdings stellte sich heraus, dass diese homöopathische Öffnungszeiten aufweisen. Und diese natürlich mit meinem Arbeitszeiten kollidierten. Argh! Was fällt mir sowas auch vier Tage vor dem 1. Advent ein. Aber wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe…

Dank meiner Mutter, die für mich die Trödler aufsuchte (und meinen Geschmack ziemlich genau kennt) wurden aus zwei dann doch noch vier Vintage-Gläser. Gepimpt mit ein wenig Spiegelglas und Spitze steht er also nun und wartet aufs Anzünden.

Ja, so habe ich ihn mir vorgestellt. Meinen eigenen Adventskranz ohne viel Chi-Chi und mit einem gewissen Vintage Touch. Die Adventszeit kann kommen.

Adventskranz VintageAdventskranz aus Vintage Gläsern Adventskranz alte Gläser Adventskranz Vintage Gläser

Shirley Seul Das Leben ist keine To-Do-Liste

Buchtipp |“Das Leben ist keine To-Do-Liste“ von Shirley Seul

Shirley Seul Das Leben ist keine To-Do-ListeMoin,

damals – bevor wir auf die digitalisierte Patientenverwaltung umstiegen –  hatten wir in der Praxis ein dickes Buch, in dem die Termine vergeben wurden.  Ganz old school mit Papier und Bleistift. 

Am meisten Spaß machte es mir, im Anschluss die Patienten, die die Praxis wieder verlassen hatten, wegzustreichen. Wieder einer weniger. Einer dichter am Feierabend. Irgendwann ging es so weit, dass mich meine Kolleginnen für diesen Job extra aus dem Behandlungszimmer riefen. „Komm‘ Kathrin, du darfst wieder streichen. Das machst du doch so gerne.“ 

Ich habe es schon immer geliebt Listen zu führen. Dinge, die erledigt werden mussten fein säuberlich untereinander zu schreiben und nach Vollendung durchzustreichen. Ein sehr befriedigendes Gefühl. Noch heute führe ich meinen Kalender inklusive aller dazugehöriger Listen analog auf Papier. Ich habe es mit dem Organzier auf dem Handy versucht. Mehrmals. Es ist einfach nicht das selbe.

Aber nochmal zurück in die Praxis. Natürlich wurden Termine nicht nur einmal vergeben. Nein, manchmal doppelt oder sogar dreifach. So eine Zeile in einem Buch ist dehnbar. Ein Wartezimmer leider nicht. Und für jeden durchgestrichenen Patienten rückte ein neuer nach. Das ist das Problem mit den Häkchen auf der To-Do-Liste: Selten verschaffen sie uns mehr Freizeit. Meist schaffen sie nur mehr Zeit für noch mehr „Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen.“ 

Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes verplant. Nach der Arbeit geht es für die wenigsten auf die Couch zu den Liebsten und einem guten Buch. Meist „muss“ man dann noch zum Sport, den man am besten gleich mit einer Freundin zusammen absolviert. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Beziehungsweise zwei oder drei Häkchen auf dem Papier. Was für die Figur getan, beschäftigt gewesen UND soziale Fleißbienchen gesammelt. Weil man das so macht. Wieder andere widmen sich nach Feierband 1.0 ihrem Job 2.0 und werkeln an Blogs, Yogastunden oder Manuskripten herum. Um dann nach Feierabend 2.0 noch schnell einzukaufen, den Hund auszuführen und die Eltern anzurufen, bei denen man sich im 3-Wochenrhythmus ja mal melden muss, Wieder ein paar Häkchen mehr. 
Shirley Seul To-Do-ListeDoch haben wir unseren Alltag so wirklich mit Leben gefüllt? Fülle gespürt? Oder sind einfach nur hindurchgerast? Um alle paar Monate komplett die Reißleine zu ziehen, eine vermeintliche Pause zu machen. Um wieder Kraft für Neues zu tanken. Kraft, die am Ende für neue Arbeit und neue Häkchen drauf geht.

Shirley Seul stellt da genau die richtigen Fragen. In „Das Leben ist keine To-Do-Liste. Endlich Zeit für das, was wirklich wichtig ist – Mit der To-Be-Liste“ führt sie uns vor. So richtig. Ich fühle mich erkannt und ertappt. Ohne Moralkeule, Lifecoach-Blabla und verschwurbelt-salbungsvollen Erkenntnissen. Seul schreibt genau nach meinem Geschmack: Kurz, knackig und immer ein wenig piesackend. Sie weiß, wo sie mich kriegt.

„Schalten Sie Ihr Handy jetzt aus.“ Is‘ klar… Nee. Ich stelle mir einfach vor, es wäre aus. Liegt ja neben mir auf dem Bett. Ich werde einfach nicht drauf sehen, während ich lese. „Sollten Sie das lächerlich finden und denken „Ich tu nur so, als hätte ich es ausgeschaltet“, dann fragen Sie sich, wie ernst Sie Ihr Bedürfnis nach mehr Zeit nehmen.“ Öhm ja. Schon wieder erwischt. Ich schiele verlegen zum Handy. Und drehe es zumindest um….

Zum Glück hat sie gleich ein paar Anregungen zum anders und besser machen parat. Und diese kommen – Gottseidank! – nicht als festgeschriebener, starrer Plan daher. Auch nicht als neues, heißes Zeitmanagement-Tool.

Shirley Seul wirft vielmehr den Denkapparat des Lesers an, hinterfragt und führt so zur sicheren Erkenntnis: Löcher sind nicht immer schwarz, Stolperfallen oder das Fehlen von Substanz. Manchmal sind sie auch einfach eine Tür zu etwas Neuem. Der Anfang. Und bereit gefüllt zu werden. Mit Leben. 

P.S.: Dieser Artikel stand im Übrigens schon eine Weile auf meiner To-Do-Liste. Jetzt kann ich einen Haken dahinter machen. Mist, erwischt….

Das vorgestellte Buch wurde von mir selbst erworben. Dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine ehrliche Empfehlung. Wie immer gilt: Was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog. Kooperationen werden immer als solche gekennzeichnet.