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Bruges Belgium vegan

Brügge 2014 | Fleischlos essen in Belgien

Bruges Belgium

Moin,

nachdem ich euch im Sommer hier schon ein paar Tipps zum Thema Freizeitgestaltung und Beautyshopping in Brügge gegeben habe, kommen wir nun endlich zum vielleicht wichtigsten Teil der Reise: Dem Essen. Wie bereits im letzten Jahr geschrieben ist vegan in Belgien so eine Sache. Vegan scheint ein Schimpfwort zu sein. Das höchste der Gefühle ist „vegetarisch“. In der Buchhandlung fand ich sage und schreibe vier vegetarische oder „veggie“ Kochbücher. Vegane kein einziges. Das sagt schon einiges.

Erschwerend dazu kommt, dass viele Restaurants mitten in der Ferienzeit schließen, um ebenfalls Urlaub zu machen. Darunter leider auch viele der vegetarischen Optionen (so auch das De Bron). Wir haben aber nicht verzagt und sind tatsächlich fündig geworden. Nachdem wir im letzten Jahr einmal übel in die Touri-Falle getappt hatten wir dieses Mal tatsächlich Glück. Allerdings muss man Kompromisse machen. Oder sich nur von Obst und Salaten aus dem Supermarkt ernähren.

Vorweg: In Brügge wird auswärts „Menü“ gegessen. Sprich: Ein Essen besteht aus mehreren Gängen, meist zweien.  Hierbei wird in Mittag (Lunch) und Abend (Dinner) unterschieden. Manche Restaurants öffnen sogar entweder nur zur einen oder zu anderen Mahl-Zeit. So leider auch ein weiteres vegetarisches Restaurant (Lotus), welches wir deshalb abends nicht besuchen konnten. Ein Menü ohne Fleisch geht im Schnitt meist bei 15-20 Euro los, ihr könnt aber auch leicht 35-40 Euro los werden. Dies unbedingt einplanen! Wir haben es so gehandhabt, dass wir morgens ordentlich gefrühstückt und dann erst abends wieder groß gegessen haben. Fündig wurden wir unter anderem hier:

Die Restaurants

Pitahuis Bruges Belgium

Pitahuis Brügge Falafel

Pitahuis

Philipstockstr. 35

Orientalische Küche, in direkter Nähe zum Markt. Wir haben uns für den Falafelteller mit Hummus und Salat entschieden. Ich wählte dazu Pitabrot, Pommes wären auch möglich gewesen. Vorab gibt es Kräcker mit sage und schreibe 5 verschiedenen Soßen, die dann später auch zu den Falafeln gegessen wurden. Zwei davon waren auf den ersten Blick auf alle Fälle vegan. Bezahlt haben wir 15,50 € (plus Getränke). Ein guter Schnitt für Brügge. Lecker war es auch und hat lange satt gemacht.

Ich vergaß nach dem Essen übrigens meine gute Armed Angels Jacke dort. Und bemerkte es erst am nächsten Tag. Die Jacke schon innerlich abgeschrieben, versuchte ich am Mittag mein Glück. Das Lokal hatte noch gar nicht auf, aber die Chefin war wohl für Besorgungen da. Man öffnete mir freundlich. Die Jacke hing an der Garderobe, die Bedienung hatte sie gefunden und gerettet. Puuuuh!

Ellis Gourmet Burger Vegetarisch

Ellis Gourmet Burger

Simon Stevinplein 14

Hierbei handelt es sich im eine belgische Kette. Das Restaurant in Brügge befindet sich ebenfalls sehr nah am Marktplatz. Die Klientel ist vor allem einheimisch und jung. Durch die hohen Decken ist es leider ziemlich laut, auch weil die Belgier an sich scheinbar ziemlich laute Plauderer sind 😉 Dazu kommt, dass der Laden ganz offensichtlich sehr beliebt ist. Es war brechend voll, wir bekamen nur mit Mühe einen Tisch. Aber es hat sich gelohnt.

Leider ist das Angebot anscheinend nur vegetarisch. Aber immerhin. Mein Flämisch ist nicht das beste, aber nach langer Suche im Internet konnte ich herausfinden, dass in den Patties, die eine belgische Firma liefert, die auch in den Supermärkten verkauft, Hühnereieiweiß enthalten ist. Abgesehen davon war mein „Soy Classic“ vegan. Mein Freund entschied sich für den Portobello Burger mit Ziegenkäse. Ein Gedicht! Dazu gab es leckere Fritten und hausgemachte Limonade. Für meinen Burger zahle ich 8,50 € plus 3,50 für eine ordentliche Portion Pommes. Würde hier niemand zahlen, in Brügge aber gar nicht mal so viel 😉

Bruges Belgium vegetarian vegan

De Bühne

Sint-Salvatorskoorstr. 6

Das absolute Highlight der Reise! Ursprünglich planten wir schon am Mittwoch einen Besuch, erfuhren aber, dass man mit Reservierungen arbeite und kein Tisch mehr frei wäre. Was mich ein bisschen wunderte, da der Laden nicht voll zu sein schien und wir schon relativ spät dran waren. Aufgrund der guten Kritiken bei Tripadvisor machten wir also eine Reservierung für den nächsten Abend und wurden nicht enttäuscht.  Die Inhaberin schwebt wie eine gute Fee lautlos und unaufdringlich durch den Laden, bedient old school die Dame zuerst, reicht dem Mann die Weinkarte und  haucht nach jedem Abräumen ein „Thank you“ zur Verneigung. Ihr Mann werkelt allein in der winzigen Küche und vollbringt wahre Meisterwerke. Fleisch gibt es der Bühne nur in Demeter Qualität aus der Region und das Angebot an vegetarischen und sogar veganen Speisen ist ausserordentlich lecker und abwechslungsreich. Solch gut komponierte Speisen habe ich schon lange auf keiner Karte mehr gesehen. Wie fast überall in Belgien wird Menü gegessen. Wir zahlten für drei Gänge (Vorspeise, Hauptgang, Dessert) 23€. Und bekamen so viel mehr geboten!

Zu Beginn gab es den Aperitif zum Aperitif. Zwischendurch noch wunderbares Brot mit regionaler Butter. Und zum (guten!) Kaffee zum Schluss noch einmal ausgesuchte Pralinen und Petit Fours. Alle Gänge waren besonders und mit viel Liebe zubereitet. Die Getränke allesamt sehr gut ausgesucht. Wir tranken zum Essen einen tollen Rosé und genossen leckeren Kaffe. Was in Belgien keine Selbstverständlichkeit ist. Zumindest in den Hotels.  Im Laufe des Abends erschloss sich uns dann auch das Mysterium der Reservierungen. Es scheint so, als passe man Tische und Bestuhlung jeden Abend exakt den Reservierungen an. Und belege jeden Tisch nur einmal. Entschleunigung pur. Zudem läuft in der Bühne KEINE Hintergrundmusik. Man kann sich so ganz auf das Essen und die Begleitung – und in unserem Falle auch den deutschen Fernsehmoderator am Nebentisch 😉 – konzentrieren. Trotz der 1-Mann-Küche kam das Essen schnell, wohl auch ein Vorteil der guten Planung. Während wir im Restaurant waren, kamen mindestens 9 Paare und Familien ins Lokal und fragten nach einem Tisch. Alle wurden trotz leerer Tische weggeschickt. Man wollte sich anscheinend voll und ganz auf die drei besetzten Tische konzentrieren. 

Die wunderbare Atmosphäre war so entschleunigend und liebevoll, dass ich es frevelhaft gefunden hätte dort mein Essen zu fotografieren. Ich musste aber einen Schuss aus der Hüfte wagen. Viel größer als ihr es oben auf dem Bild seht ist der Laden nicht. Es fehlen nur die beiden Tischen am Fenster hinter meinem Rücken.  Damit ihr aber noch einen kleinen Einblick in die Speisenauswahl bekommt, habe ich die Karte draussen fotografiert.

de Bühne Menü

De Bühne lebt von den guten Seelen der beiden Besitzer*innen und dem wunderbaren Essen.  Ein kleines, feines Restaurant, versteckt in einer Seitenstraße und dennoch sehr zentral.  Solltet ihr mal in Brügge verweilen ist ein Besuch Pflicht. Das ist ein Befehl!

Fazit

Ihr seht: Brügge fleischfrei geht durchaus. Und schmeckt. Veganer*innen müssen  – gerade in der Urlaubszeit – vielleicht den einen oder anderen Kompromiss eingehen. Wer sich aber auch mal abseits der Touristenstraßen bewegt, wird einige Schätzchen vegetarisch-veganer Kochkunst entdecken. Für unseren nächsten Brügge-Trip haben wir auf alle Fälle wieder fleissig Anlaufstellen gesammelt und hoffen, dass wir es mal ausserhalb der Hauptferienzeit in die Stadt in Flandern schaffen 😉