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Veganismus Superfoods Kritik

Essen Veganer nur noch Superfoods?!

Veganismus Superfoods KritikMoin,

wir müssen reden. Dringend. Ernähren sich Veganer*innen eigentlich nur noch von exotischen und oft völlig überteuerten Superfoods? Man könnte glatt den Eindruck gewinnen.

Allein in der letzten Woche habe ich diesbezüglich ein halbes Dutzend Kooperationsanfragen von Firmen bekommen. Meist „kleine Start-Up Unternehmen ohne Budget“. Das an sich lässt mich schon mal grübeln. Zum einen, weil mein Vermieter sich sicher wundert, wenn ich ihm die Miete nächsten Monat in krautig riechendem Pulver bezahlen will. Zum anderen, weil ich mich frage, ob der Markt die 17. Firma mit Moringa, das 28. Lucuma und das drölftausendste Matcha-Detox-Abnehmpulver braucht. Denn auch das schwingt immer mit: Veganer*innen ernähren sich gesund, wollen alle unbedingt abnehmen und müssen 24/7 entgiften. Äh. Ja. Nee.

Blödsinn. Natürlich habe auch ich das ein oder andere Supergemisch hier stehen. Weil es mir schmeckt und manchmal auch Sinn macht. Siehe hier zum Beispiel. Aber so langsam habe ich das Gefühl, dass wir uns alle nur noch von grünen, esoterisch riechenden Pülverchen ernähren sollen. Fällt der veganen Szene nichts mehr ein? Oder schläft nur die Non Food Abteilung? Denn da würde ich mir immer noch gerne mehr wünschen. Veganismus hört nicht am Tellerrand auf. Für viele fängt der schwierigere Teil da sogar erst an. Und wenn ich sehe, dass manche Firmen, die früher als relativ sichere Bank für Freunde von tierleidfreier Kosmetik galten, nun immer öfter ihre Prinzipien brechen (siehe beispielsweise Alverde und P2), stimmt mich das zumindest leicht säuerlich. 

Auch wenn es gerade nicht immer den Anschein hat: Die meisten Veganer*innen entscheiden sich aus ethischen Gründen dazu, auf tierliche Produkte und Rohstoffe zu verzichten. Hoffe ich zumindest. Das beinhaltet neben Nahrungsmitteln und Kosmetika ganz schnell auch Kleidung, Schuhe, Möbel, Accessoires, Reinigungsmittel, und, und, und… Muss es aber nicht. Der eine geht gleich von 0 auf 100, die andere macht es Step by Step.

Ganz sicher aber nicht mit Superfoods! Als ich anfing mit vegan – ach was sag ich: VEGETARISCH – gab es genau drei Würste und fünf pastetige Brotaufstriche. Man hatte die Wahl zwischen „Geht so“, „Geht gerad‘ noch so“ und „Geht gar nicht“. Zwischendurch ging man zur veganen VoKü und freute sich über den ersten fleischfreien Burger in Hamburg. Irgendwann gab es dann einen rebellischen Jutebeutel und die ersten Vegetarian Shoes „Panthers“ (Mein erstes Paar – ich besaß insgesamt drei hintereinander – hat übrigens WEIT weniger gekostet als die aktuellen 109€. Auch das spricht Bände.).

Da hat sich zum Glück einiges getan. Insofern können wir nicht meckern. Wahrlich nicht. Auch, wenn wir es immer noch gerne tun. 
Kriegen wir die Leute stattdessen nicht eher mit ganz banalen Dingen? Veganer Fertig-Currywurst im Kühlregal? Sojamilch für den Kaffee beim Bäcker um die Ecke? Vernünftige, vegane Schuhe im freien Verkauf, für die man nicht 150 km durch die Gegend juckeln oder den Paketboten ärgern muss? Und allem voran mit vernünftigen Preisen? 

Denn vegan wird nie „normal“ werden, solange Mienchen Puhvogel das Gefühl hat, nur für diesen Zusatz gleich mal ein paar Euro mehr löhnen zu müssen. Oder in hippen Onlineshops von feschen Start-Up Unternehmen (ohne Budget) bestellen zu müssen. Werden wir irgendwann an den Punkt kommen, wo Menschen bei dem Wort „vegan“ nicht nur an Kochbücher von Herrn H. denken, sondern sich bewusst werden, an welchen Stellen man alles ansetzen kann? Dass vegan eben nicht teuer sein muss? Faire Kleidung einen nicht an den Bettelstab bringen muss, wenn man sich die 20 Primark Hauls zuvor verkneift? Und dass der Griff zur tierleidfreien Bodylotion irgendwann so normal – und einfach – wird, wie der Griff zum Klopapier? 

Ich wünsche mir schicke, vegane und faire Klamotten. Auch in ganz großen und ganz kleinen Größen. ‚Nen guten veganen Lichtschutzfaktor. Mehr tierversuchsfreie Düfte. Veganes Essen auch in der Kleinstadt…

Ich will, dass vegan normal ist. Ich will weder hören, vegan sei militant, noch elitär. Ich will eine entspannte Grundhaltung. Ohne überdrehten Missionierungswahn und dem Haar in der Suppe. Und vor allem will ich nicht schon wieder Superfoods. Danke.