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Vegan Guide München Tipps

Vegan Guide München | Vegan Essen im Bordrestaurant der Deutschland Bahn, LOUIS Hotel und andere Hotspots

Vegan Guide München TippsMünchen war auf meiner persönlichen Landkarte bisher ungefähr so weit weg wie der Mond von der Erde. Ich bin ein Mädchen vom platten Land und kannte den Marienplatz bis letztes Jahr nur aus öffentlich-rechtlichen Vorabendserien oder den Meisterfeiern des FC Bayern Münchens. Da zog mich irgendwie so gar nichts hin. Dachte ich zumindest.

Bis ich dann im letzten Jahr mit der Whale & Dolphin Conservation in der bayrischen Landeshauptstadt weilte und feststellte, dass München doch einiges zu bieten hat. Auch und vor allem für Veganer*innen. Und so freute ich mich enorm, als Sarah von Vegan Guerilla mir Anfang des Jahrs anbot, das von ihr exklusiv für das Bordrestaurant der Deutschen Bahn entwickelte Gericht zu testen. Denn am besten tut man das natürlich im Zug. Während der Fahrt. Damit sich das Ganze auch richtig lohnte, suchte ich mir die weiteste und zugleich bequemste ICE-Strecke aus, die ich finden konnte. Hamburg – München. Ohne Umsteigen, 1. Klasse. Bingo! 

Auf der Hinfahrt ließen wir es uns also enorm gut gehen und verbrachten die 6 Stunden schlemmend, surfend und mit viel Platz im klimatisierten Wagon. (Ein Umstand, den wir später noch sehr zu schätzen wissen sollten, denn in München hatten wir durchgehend 28-33 Grad. Dazu 30-60% Luftfeuchtigkeit und entgegen der Vorhersage nicht einmal Regen oder Gewitter.)

Hier also mein ultimativer Vegan Guide München, für alle, die mal einen Tag (oder auch länger) in der schönen Stadt verbringen und sich ein wenig vegan inspirieren lassen möchten. 

Vegan Guide München Vegan Essen im Bordrestaurant

Vegan Essen im Bordrestaurant der Deutschen Bahn

Doch erstmal zurück auf die Schienen. An das Bordrestaurant der Deutschen Bahn hatte ich nur noch vage Erinnerungen aus Kindertagen. Ich verband es mit teurer Cola, schlechtem Kaffee und Currywurst. Vorsichtiger Optimismus machte sich breit. Es konnte nur besser geworden sein und allein die Tatsache, dass die Bahn mit ihrer Aktion „Mehr als nur Essen – gekocht, gebloggt, geliked“ neue Wege beschreitet und einige Foodblogger ins Boot geholt hat, ließ hoffen.

Und tatsächlich: Ich wurde positiv überrascht. Wenn man bedenkt, dass hier auf engstem Raum und mit wenigen Mitteln Gastronomie betrieben wird, kann sich das aktuelle Angebot wirklich sehen lassen. Es gibt eine Reihe an Gerichten, die über die Klassiker Kartoffelsalat, Currywurst und Erbsensuppe hinausgehen. Mittlerweile werden sogar Vegetarier*innen und selbst Veganer*innen lecker (!) satt. Sarahs Gericht – „Mediterraner Nudelsalat auf kleinem Blattsalat mit ofenfrischer Focaccia“ (bei Bedarf mit gebratenen Sojastreifen) – ist zwar nur im Aktionszeitraum August und September erhältlich, jedoch wird im Hintergrund meines Wissens schon an einem Ausbau des dauerhaften veganen Angebot gefeilt. Mehr zur Aktion #bloggerinfahrt findet ihr hier. 

Das Essen war überraschend frisch, lecker und erstaunlich üppig. Selbst meine – sonst nicht vegan essende Begleitung – war mehr als zufrieden. Auch preislich war das Gericht echt in Ordnung. 12,90 € (plus 3 € für die Sojastreifen) gehen unter diesen Bedingungen mehr als klar. Besonders freut es mich, dass die Bahn die Aktion sehr prominent bewirbt und das Gericht ganz selbstverständlich in das Angebot einfließen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass bei der ansprechenden Darbietung auch der eine oder die andere Nicht-Veganer*in zuschlägt und es sich schmecken lässt. Immerhin werden in den 260 Bordrestaurants der ICEs im Monat im Schnitt 12.000 bis 15.000 Aktionsgerichte verkauft.

Vegan Guide München Emiko Hotel Louis

Veganes Buffet im LOUIS Hotel in München

In München angekommen ging es dann gleich weiter mit den veganen Köstlichkeiten. Nachdem ich im letzten Jahr Hals über Kopf dem veganen Frühstücks-Buffet im LOUIS Hotel am Viktualienmarkt verfallen bin, entschieden wir uns diesmal dafür hier sogar zu nächtigen. 3 Nächte, 3 x Frühstück. Yeah! Das Restaurant Emiko liefert in meinen Augen das beste vegane Hotelfrühstück in Deutschland ab. Und das, obwohl es sich nicht mal um ein rein veganes Hotel handelt. Vielmehr führen hier famose vegane Speisen eine friedliche Koexistenz neben anderen – höchstwahrscheinlich ebenso leckeren – nicht veganen Produkten. Viele direkt vom Viktualienmarkt nebenan und in Bio-Qualität.

Hotel und Restaurant sind eine Fusion aus Japan und Frankreich, viel Holz und Moderne. Wir haben uns pudelwohl gefühlt und die Aussicht auf den Alten Peter (Den ich dieses Jahr auch tatsächlich erklommen habe. Schwitz!) sehr genossen. Zwischendurch kam ein richtiges „Zuhause-Gefühl“ auf, denn anders als in vielen anderen Hotels sind die Zimmer im LOUIS tatsächlich sehr heimelig und wohnlich gehalten. Und Psst: Alles sehr, sehr instagramable. 😉 

LOUIS Hotel
Viktualienmarkt 6
80331 München

Vegan Guide München LOUIS Hotel

Vegan Guide München Louis Hotel  Vegan Guide München Louis Hotel Übernachten

Dank der hervorragenden Lage ist man mitten am Puls der Stadt und erreicht viele tolle Spots fußläufig oder nach nur sehr kurzen Fahrten mit Tram, S- oder U-Bahn. Hier möchte ich euch übrigens die wirklich gelungene App der MVV ans Herz legen, die mir im Gewirr des Münchner ÖPNVs sehr geholfen hat. Die Stammstrecke ist nämlich alles anderes als gut ausgebaut, es gibt baustellenbedingt viele Änderungen und man muss des Öfteren Umsteigen.

Ela von Transglobal Pan Party war mir erneut die wunderbarste Stadtführerin, die man sich wünschen könnte und so waren wir Dank ihr immer mit den besten, interessantesten und leckersten Tipps versorgt.

Miin Korean Cosmetics

Fest auf meiner To-Do Liste stand auf alle Fälle Miin Korean Cosmetics. Miin lässt die Herzen aller höher schlagen, die Lust auf süße Verpackungen, Innovationen und asiatische Hautpflege haben. Taki stand mir eine gute Stunde Rede und Antwort und gab mir eine kleine Führung durch den Laden.

In der Vergangenheit kamen mir bei koreanischer Hautpflege vor allem Schneckenschleim, Schweinekollagen und Tierversuche in den Sinn. Aber ich wurde eines besseren belehrt! Mittlerweile hat auch der asiatische Markt den Trend erkannt und so finden sich bei Miin in der Tat neben überraschend vielen veganen Produkten sogar solche aus dem Bereich der zertifizierten Naturkosmetik (!). Ein Gang in das putzige Ladengeschäft lohnt sich also allemal.

Miin Korean Cosmetics
Westenriederstraße 8
80331 München

Mo. – Sa. 10 – 19 Uhr 

Vegan Guide München Miin

Vegane Dumplings bei Ledu Happy Dumpling

Auch für das leibliche Wohl hatte Ela einige Tipps auf Lager und so verschlug es uns abends ins Ledu Happy Dumplings in die Theresienstraße

Der Bestellvorgang ist denkbar einfach. Entweder 10 Dumplings quer Beet oder 10 Dumplings einer Sorte für 7,90 €. Wir entschieden uns für letzteres. Einmal vegetarisch, einmal vegan. Was mich in diesem Imbiss wirklich überrascht hat: Alle Speisen sind bio-zertifiziert, die Dumplings werden in einer Manufaktur in der Nähe von München per Hand geformt. 

Die veganen Dumplings in Kombination mit der Erdnusssoße (?) waren ein GEDICHT. Sie schmeckten meiner Begleitung sogar besser als die vegetarischen. Schade, dass Ledu so weit weg ist, ich könnte da wöchentlich hin. 

Ledu Happy Dumplings
Theresienstraße 18
80333 München

Mo. – Fr. 11.30 – 21.30 Uhr 
Sa. 12 – 22 Uhr 
So. 12 – 21.30 Uhr  

Eis ohne Alles bei Ice Date

Bei Temperaturen um die 30 Grad war ich dankbar für Elas Tipp, dem Ice Date einen Besuch abzustatten. Hier bekommt ihr veganes Eis in Bio-Qualität. Sojafrei, glutenfrei, ohne Haushaltszucker, mit Datteln gesüßt und auf Cashew-Basis. Der erste Bissen ist tatsächlich etwas ungewöhnlich, da dieses Eis DEUTLICH weniger süß ist als alles, was ich bisher an Eisdielen-Eis gegessen habe. Aber ja: Das schmeckt. Mit 2,20 € pro Kugel allerdings selbst für München nicht ganz preiswert. (Teurer war nur meine Kugel Erdbeer-Champagner beim Verrückten Eismacher für 3,50 €. Hust.)

Besonders gut gefällt mir übrigens die Münchner Angewohnheit, immer auch kleinen Klecks einer Sorte nach Wahl zum Probieren obendrauf zu geben. Das war in allen besuchten Eisdielen so und ist mir sonst anderswo auch noch nicht untergekommen.

Ice Date
Amalienstraße 91
80799 München

Mo. – So. 11 – 18 Uhr 

Vegan Guide München Out and About

Auf die Schnelle

Ich wäre kein anständiger Beauty Blogger, wenn ich nicht auch Sephora einen Besuch abgestattet hätte. Die Dependance in der Münchner Filiale von Galeria Kaufhof ist die erste in ganz Deutschland und auch jetzt, Wochen nach der Eröffnung, immer noch sehr gut besucht.

Dementsprechend sahen die Theken leider teilweise auch aus. Trotz zahlreicher Verkäuferinnen waren viele Tester sehr dreckig und verschmiert und einige Teile des Angebotes komplett leergeräumt. Offline wie online ist schon jetzt vieles ausverkauft. Auf Nachfrage erntete ich nur Schulterzucken, gepaart mit einem „Wir wissen leider nicht, ob und wann die Sachen wieder reinkommen.“. 

Sephora München (bei Galeria Kaufhof)
Kaufingerstraße 5
80331 München

Mo. – Sa. 9 – 20 Uhr

Ausgesuchte Naturkosmetik im schnieken Ambiente bekommt ihr bei Tobs The Organic Beauty Store. Hier findet sich unter anderem Marken wie Amala, Eco By Sonya, Esse, Fine, Hiram Green, Kahina Giving Beauty, Und Gretel und Voya. 

Im dazugehörigen SPA könnt ihr euch zudem ordentlich verwöhnen lassen.

Innere Wiener Straße 55
81667 München

Mo. – Fr. 10 – 19 Uhr 
Sa. 10 – 18 Uhr 

Dank Ela (mal wieder) verschlug es mich auch in den Weißglut Concept Store. Hier findet ihr alles, was das Design- und Interieurherz höher schlagen lässt: Geschirr, Karten, Poster, Lampen, Deko, aber auch Kleidung (auch Fair Fashion!). Ideal für Blogger auf der Suche nach Props und alle, die es gerne hübsch/stylisch zuhause haben.

Hohenzollernstraße 8
80801 München

Mo. – Fr. 11 – 19 Uhr
Sa. 10.30 – 18 Uhr 

Ein Geheimtipp aus dem letzten Jahr, für den ich auch diesmal sehr dankbar war, ist übrigens der alte Südfriedhof von München. Die Stadt erschien mir in den Tagen meiner Anwesenheit besonders wuselig und laut, was sicherlich auch mit den stickigen Temperaturen zu tun hatte. Umso dankbarer waren wir für diese Oase der Ruhe, den kühlen Schatten und die ganz besondere Atmosphäre. 

Vegan Guide München

Fazit

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Aber dies soll reichen, um euch München (vegan) schmackhaft zu machen. Es lohnt sich nämlich wirklich.

Vorab erreichten mich einige skeptische Nachrichten. München sei weniger geeignet für Vegetarier*innen, geschweige denn Veganer*innen. Das kann ich nicht bestätigen. Klar, Leberkässemmel bekommt man hier an jeder Ecke. Ebenso Weißwürste und Fleischwaren aller Art. Das Klischee wird voll bedient.

Wer sich aber nur ein paar Minuten Zeit nimmt und vorab ein wenig im Netz sucht, wird schnell fündig. Selbst beim Inder um die Ecke, mitten in der Innenstadt, standen vegane Optionen auf der Karte. Und ebenso fußläufig liegt das wunderbare Principessa’s, in dem ihr feinste vegane Macarons bekommt. 

Ihr seht: München vegan ist möglich. Und sehr, sehr lecker. 

Vegan Guide München City Trip

 

P.S.: Die Deutsche Bahn (beziehungsweise die zuständige Agentur) hat mich eingeladen, das Gericht im Bordrestaurant zu probieren und mir die Fahrt mit einem Gutschein versüßt. Die Fahrten Hamburg – München und München – Hamburg gingen also „auf’s Haus“. Trotzdem gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog.

Bloggen

Bloggen | Früher war alles besser? | Meine Anfänge

Bloggen

„Hallo Kathrin, ich selber habe zwar gerade erst angefangen zu bloggen, aber du machst das ja jetzt schon einen ganze Weile. Hast du ein paar Tipps auf Lager, wie ich mehr Leser ansprechen kann? Und wie gehe ich am besten auf Firmen zu, damit sie mich sponsoren. Schreibst du die einfach an? Wie lange hat es bei dir gedauert bis du deinen Blog monetisieren konntest? „

Uff. 

Nach einem kurzen Atemstillstand kann ich der Person diese Mail nicht einmal verübeln. Es wird heute ja so vorgelebt. Blogs müssen ab Minute Eins perfekt sein. „Sich lohnen“. Und im Idealfall sofort Geld abwerfen. 

Und die, die sie schreiben kommen oft schon aus der Branche (Marketing, PR, Studium dessen…). Sie stampfen mit heutigen Mitteln in kurzer Zeit einen astrein SEO-optimierten und hip aussehenden Blog aus dem Boden. Dafür sorgen unter anderem auch diverse „Experten“, die uns Programme verkaufen, wie wir in kurzer Zeit vom Bloggen leben können, Google uns liebt und die Likes auf Instagram uns nur so zufliegen. Auch hat sich mittlerweile ein Gefühl dafür entwickelt was läuft und was eher nicht funktioniert. Leider hat das zur Folge, dass sich viele neue Blogs erschreckend ähneln. 

Heute ist das Risikofreudigste oft eine Tasse Kaffee
auf der weißen Bettdecke

Waren wir früher mutiger? Wahrscheinlich. Ich habe nicht alles aus drei Perspektiven begutachtet und doppelte Böden eingebaut. Heute ist das Risikofreudigste oft ein Tasse Kaffee auf der weißen Bettdecke für ein schniekes Bild auf Instagram.  Vielleicht hätte ich manches Mal weniger Bauch (und Herz) und mehr Kopf sein sollen. Ich weiß es nicht.
Heute wird oft VIEL strategischer an so einen Blog gegangen. Mit einem klar definierten Ziel.
Täglich lese ich in diversen Facebook Gruppen Fragen von neuen Bloggern wie  

„Welche Strategie empfiehlt ihr?“
„Wie bekomme ich mehr Follower?“
„Wie habt ihr euer Thema gefunden? Über welches Thema könnte ich bloggen?“

Pfuuuuuuh. Nochmal tief Luft holen. Kamen wir damals auch so schnell auf den Punkt? Als ich 2009 mit dem Bloggen anfing, lief es ganz genau so ab, wie es damals eben ablief. Thematisch war ich gefestigt und schon Jahre in diversen Foren zum Thema Beauty unterwegs. Dort gab es geschlossene Bereiche, in denen die einzelnen User ihre eigenen kleinen Tagebücher führten und andere Mitglieder teilhaben konnten. An „Beauty Routinen“, „Hauls“ und „Wish Lists“. Nur hieß das damals noch nicht so.

„Hey Kathrin, du hast doch neulich die Maske XY ausprobiert. Wie ist die denn so?“
„Hast du noch mal das Rezept für den Kuchen neulich?“.
„Was könnt ihr denn an Naturkosmetik empfehlen? Gerne vegan. Stelle da gerade um.“ (Ich, 2009)

Und schwups war ich mittendrin. Blogs gab es schon ein paar und so langsam fing man auch an sie zu lesen. Und eines Tages im Dezember – ich saß krank zuhause und hatte meine mutigen 5 Minuten – öffnete ich die Seite von Blogspot und hatte 2 Stunden später meinen ersten Blog erstellt. Ich hatte KEINE Ahnung. Und schrieb drauf los. 

Bloggen Blogging Meine Anfänge

Denn anders als heute, wo dazu geraten wird mindestens 5 fertige Artikel in der Hinterhand zu haben, wuchs der Blog parallel zur Leserschaft. Bis ich meine Statistiken überhaupt entdeckte, dauerte es ein paar Tage. Wow, da liest echt jemand mit! Erst 10, dann 20 und irgendwann tatsächlich mal 100 Leute am Tag. 100 mir völlig fremde Menschen, die schauen, was ich da tue. Und darauf reagieren! Ich war geflasht.

Es gab kein Camp, auf dem man lernen konnte, wie man das mit dem Bloggen anstellt. Kaum nennenswerte Facebookgruppen in denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen konnte. Es gab auch nicht mal viele Erfahrungswerte, über die man sich hätte austauschen können. Beauty und Lifestyle Blogs kamen in Deutschland in der breiteren Masse so Mitte der 2000er an. Ich war also eher einer der späten Early Adopter. Aber selbst zwischen 2009 und 2017 liegen Welten.

War früher mehr Lametta?

Der deutlichste Unterschied zu heute: Ich machte einfach. Trial and Error. Rückblickend wäre ich froh und dankbar über den einen oder anderen Tipp gewesen. Das hätte mir viel Zeit und Nerven gespart. Aber ich kannte schlichtweg niemanden, den ich hätte um Rat fragen können. Technisch konnte man mit Blogspot auch ohne große Kenntnisse einiges allein schaffen, inhaltlich tat ich eh was ich wollte und Facebook legte ich mir eigentlich nur privat zu, um mich mit Freunden und Bekannten zu vernetzten. 

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Irgendwann 2010 –  denn damals brauchte es eine Weile, bis sich so ein Blog rumgesprochen hatte – war er da, der Punkt, an dem SIE kam. Die erste Mail von jemanden, der sein Produkt gerne auf meinem Blog platzieren wollte.

HOLLA! Das war ein Gefühl. Irgendwo zwischen Befriedigung („Yeah, es wird jemand auf mich aufmerksam!“), Unsicherheit („An was muss ich alles denken?“) und blanker Panik („Meinen die wirklich mich? Kommt in 10 Minuten eine Mail „Sorry, haben uns vertan.“? Kann ich das?“ Erwartungen. Hoffnungen. Was richtig Offizielles. Waaah!)

Um das abzukürzen: Was folgte waren Jahre des Herantastens, Wachsens, Versuchens, Scheiterns, der Kreativflaute, der Schreibblockaden und der kleinen Durchbrüche. Des nächtlichen Grübelns über Gewerbeanmeldung, Steuern und Rechnungen.
Ich bin froh, da durch zu sein. Hätte man mir vor 7 Jahren erzählt, dass ich mal meine eigene Autorin, Fotografin, Stylistin, Steuer- und Imageberaterin werden würde, ich hätte hysterisch angefangen zu lachen. Und dann geweint. Ich bin über mich hinaus gewachsen. Das kann ich mittlerweile sagen. Ich habe meinen Standpunkt vertreten, gelernt NEIN zu sagen und mich zu verkaufen. Im positiven Sinne. Und das ist manchmal das Allerschwerste.

Es ist ein bisschen so, als würde man an seine Pubertät zurückdenken und sich wünschen, man könne sie nochmal durchleben. Aber bewaffnet mit all der Lebenserfahrung, den Hochs und Tief und Learnings, die man danach gemacht hat. 

Ihr seht, da weht gerade ein leichter Hauch von Nostalgie über den Bildschirm. Wie bei einer alten Omi, die uns von Kinderspielen von früher berichtet und wir dem Ganzen milde lächelnd lauschen, um danach wieder das Smartphone rauszuholen und darüber belustigt zu twittern. 

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Heute läuft das anders. Und das ist bis zu einem gewissen Grad auch gut so. Ich wünsche mir die Anfänge des Bloggens nur bedingt zurück. Vieles hat sich professionalisiert. Das macht mir einiges leichter. Wenn ich ein technisches Problem habe, bekomme ich in Minutenschnelle Hilfe. Ich habe meine Skills weiterentwickelt. Im Storytelling, in der Fotografie und im Umgang mit (potentiellen) Kunden. Wurde ich früher gefragt, was ich da tue, erntete ich selbst auf Messen manchmal fragende Blicke.
„Ach, vorhin war schon eine Kollegin von Ihnen da. Schreiben Sie das zusammen?“
‚Türlich. Es gibt nur einen einzigen Blog und wir sind alle seine Angestellten…

Heute weiß (fast) jeder was Sache ist oder hat den Begriff „Blogger“ zumindest schon mal gehört. Auch wenn die Bilder im Kopf bei den Leuten immer noch SEHR stark auseinander gehen. Das macht den Workflow doch deutlich geschmeidiger.

Das hat aber auch zur Folge, dass Blogs wie Pilze aus dem Boden sprießen. Es hat sich herumgesprochen, dass man mit ihnen Geld verdienen kann. Doch wie viel Persönlichkeit steckt in einem Blog, der auf dem Reißbrett erstellt wurde? Der nicht durch Blut, Schweiß und Tränen gewachsen ist und voller Leidenschaft kontinuierlich bespielt wird? (Was die eigentliche Herausforderung ist. Durchhaltevermögen.)

Es ist nicht alles schlecht. Ein Hoch aufs Bloggen!

Aber es gibt sie noch, die Menschen, die für etwas brennen und ihre Leidenschaft mit anderen teilen wollen. Die ihre Nische finden und andere mit ihrer Persönlichkeit und ihren Inhalten begeistern. Die Mutigen. Die Neugierigen.

Es sind viel mehr geworden. Die Menschen, die das tun, was ich tue. Es ist ein wunderbares Netzwerk entstanden aus Bloggern, die ähnlich ticken wie ich und mit mir auf einer Wellenlänge surfen. Deren Erfahrungen und Feedback ich in meinem Alltag nicht missen möchte und die tatsächlich zu guten Freunden und Bekannten wurden. Ich habe Kontakte geknüpft zu Partnern und Kunden, die zu mir und dem Blog passen. Konnte durch sie Dinge erleben, die ich früher nicht für möglich gehalten habe.

Und ich habe ganz wunderbare Leser. Ich kann es nicht oft genug sagen. In all den Jahren wart ihr immer interessiert, entspannt, zugewandt und respektvoll. Das ist ein großer Schatz. 

Es heißt, ein Leser verfolgt einen Blog tatsächlich nur zweitrangig aufgrund des Inhalts. Primär folgt er einem Blog – bewusst oder unbewusst – da er die Persönlichkeit des Bloggers dahinter schätzt oder zumindest interessant findet. Da hilft kein Schema F, kein Tutorial und es lässt sich vor allen nicht übers Knie brechen. Nicht in 7 Wochen und nicht in 7 Jahren. Trial and Error. Und Zusammenwachsen. Zusammen wachsen.

Danke. 

Bloggen Blogging

Shorty Vegan Guide | Part 7 | Fair Fashion

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Nachdem wir uns im Shorty Vegan Guide nun schon mit Ernährung, Literatur und pflegender und schmückender Kosmetik beschäftigt haben, darf ich euch heute eines meiner absoluten Lieblingsthemen vorstellen: Fair Fashion und Accessoires.

Kurz gesagt ist jedes Kleidungsstück vegan, dass nicht aus komplett oder in Teilen aus Wolle, Pelz, Seide oder Leder besteht. Klingt eigentlich ganz einfach, oder? Ist es auch, wenn man auf einige feine Details achtet.

Die versteckten Übeltäter

Produkte, die auf den ersten Blick vegan erscheinen sind es nicht zwangsläufig. Es sei denn natürlich, sie sind klar als solche gekennzeichnet. Achtet man aber auf einige wenige „Fallstricke“, steht der veganen Einkaufsfreude nichts im Wege:

  • Schuhinnensohlen. Häufig bestehen sie auch bei Kunstlederschuhe aus Leder. Meist st das in der Produktbeschreibung aber deutlich gekennzeichnet.
  • Klebstoff von Taschen, Kunstlederjacken, Schuhen und Co.. Anders als in Deutschland ist in manchen Ländern die Verwendung von Klebstoffen auf Fischmehlbasis nicht verboten. „Glücklicherweise“ riechen Produkte bei denen diese verwendet wurde meist so penetrant, dass sie schnell zu identifizieren sind.
  • Applikationen an Jacken und Accesoires. Hier wird leider immer wieder Kaninchen- oder Katzenfell verwendet. Meist sind aber auch diese relativ leicht zu identifizieren, da Echtpelz meist weicher und feiner ist als faux fur und am „Boden“ deutliche Knüpfstellen zu erkennen sind.
  • Patches an Hosen. Selbst Kuyichi – für mich DIE Marke, wenn es um faire und ökologischen Jeans geht – hat bis vor kurzem Leder für diese Labels verwendet.
  • Knöpfe aus Perlmutt oder Horn
  • Die unterschiedlichen Arten von Wolle wie Alpaka, Mohair, Kaschmir, Merino und Angora, die häufig auch nur als solche (ohne den Zusatz „Wolle“) gekennzeichnet werden. Auch Stoffe wie Tweed und Loden beinhalten Wolle.

Let’s go shopping!

Bei der Wahl des richtigen Kleidungsstückes sollte man sich zuerst einmal über die persönlichen Prioritäten im Klaren werden. Schick, günstig und auch qualitativ hochwertig vegan einzukaufen ist überhaupt kein Problem, weder in der Großstadt noch auf dem platten Land. Kleidung aus Baumwolle, Mischgewebe und anderen Naturfasern, genauso wie Kunstlederprodukte sind überall leicht erhältlich.

Etwas kniffeliger wird es bei Schuhen, denn meiner Erfahrung nach gibt es zwischen günstigen Kunstlederschuhen und speziell entwickelten veganen Schuhen meist zwei große Qualitätsunterschiede: Zum einen der Geruch, der bei höherpreisigen veganen Schuhen einfach um Längen besser ist als der bei Kunstledertretern, zum anderen die Belüftung: In Schuhen aus Materialien wie Vegetan Bucky schwitzen meine Füße DEUTLICH weniger als in normalem faux leather. Hier rate ich jeder und jedem nicht zu sparen und lieber ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen, auch auf die Gefahr hin online bestellen und gegebenenfalls umtauschen zu müssen. Es lohnt sich und die Schuhe halten meiner Erfahrung nach sehr, sehr lange ohne abgelaufen auszusehen. Wobei ich persönlich 60-120 Euro für ein paar Schuhe, das ich jahrelang trage nicht als zu teuer empfinde. Für „gute“ Lederschuhe zahlt man meist sogar noch mehr.

fairlabel

Und die Menschen?

Wer noch einen Schritt weiter gehen will achtet nicht nur auf die Einhaltung von Tier-, sondern auch auf die von Menschen-, Kinder- und Arbeitnehmerrechten. Denn was nützt das schönste und günstigste Shirt, wenn für die Produktion Kinder 14 Stunden am Tag schuften, Menschen ungeschützt mit Chemikalien hantieren und Menschen erschossen werden, weil sie sich gewerkschaftlich organisieren wollen? Von mangelnder Schulbildung und Hunger aufgrund von Minimalstlöhnen ganz zu schweigen.

Die alte Mär fair und ökologisch produzierte Mode sei teuer und unansehnlich ist mittlerweile gänzlich überholt. Längst ist es möglich sich von Kopf bis Fuß korrekt UND schick einzukleiden. Seien es nun Oberbekleidung, Unterwäsche, Schuhe oder Accessoires, im Netz ist alles nur einen Mausklick entfernt. Vor Ort einzukaufen ist freilich immer noch eine kniffelige Sache, zumindest wenn man nicht in Berlin, Hamburg oder München wohnt.

Welche Zertifizierungen gibt es?

Die wohl häufigsten Label in der Textilbranche sind GOTS (Global Organic Textile Standart), das Fair Trade Siegel und das IVN-Qualitätssiegel. Dabei ist zu beachten, dass einige Labels vornehmlich auf ökologische Rohstoffe hinweisen, andere nur auf soziale Produktion und wieder andere beides vereinen. Eine schöne Übersicht über die verschiedenen Siegel und Zertifikate findet ihr unter anderem hier.

Onlineshops, Brands und Boutiquen

Hier möchte ich euch einen kleinen Überblick über die gängisten Bezugsquellen für fair/bio/vegane Kleidung, Schuhe und Accessoires geben. Wer die entsprechenden Schlagworte in eine Suchmaschine eingibt und die Augen offen hält, wird noch viel, viel mehr finden. Nicht alle Shops sind rein vegan, aber alle führen zumindest eine große Auswahl veganer Produkte.

Deutschland

Armed Angels 

Avesu 

Bleed 

Dear Goods 

denkefair 

Ethletic

FairBleiben 

Fairtragen 

Fritzi aus Preußen 

Good Wear 

Greenality 

Hess Natur 

Kuyichi 

Motte Klamotte 

Lanius

Lena Schokolade

Lovjoi

Marlowe Nature 

miwai 

Roots Of Compassion 

Umasan 

Wearpositive

Green Shirts – Social Eco Wear  

 

Auswärts

Beyond Skin  (UK)

Denise Roobol  (NL) 

Matt & Nat (CAN)

Muso Koroni (AUT)

Vegan Cross (Secret Society of Vegans) (UK)

Vegetarian Shoes  (UK)

 

Yoga Wear

Bee Athletica

Mandala Fashion

OGNX Yoga

Very Yoga 

Meine persönlichen Shopping Tipps

  • eBay. Hier habe ich schon oft richtige Schnäppchen entdeckt. Eine niegelnagelneue Matt & Nat für 18 statt 150 €, schicke Second Hand Teile und neue Kuyichi Jeans für die Hälfte oder 2/3 des Ladenpreises. Überhaupt habe ich noch nie eine neue Kuyichi für den vollen Preis gekauft, mittlerweile besitze ich vier Stück
  • etsy. Hier findet ihr wirklich alles. Im Prinzip wie dawanda, nur günstiger und cooler. Zwar dauert die Lieferung aus den vornehmlich aus den USA stammenden Shops etwas länger, aber die Wartezeit lohnt sich eigentlich immer! Die Sachen dort sind meist nicht zertifiziert, aber meist in Heim- und Handarbeit entstanden. DIY to the fullest!

ein_bisschen_vegan (16 von 26)

Hose: Kuyichi, Bluse: Hess Natur, Gürtel: Roots of Compassion

ein_bisschen_vegan (7 von 26)

T.-Shirt: Hess Natur, Jeans: Kuiychi, Tasche: Matt & Nat

Fazit

Vegan ist nicht gleich fair und ökologisch, aber besser als nichts. Fair, ökologisch UND vegan noch besser. Und vor allem nicht zwingend teuer. Re-duce, re-use, re-cycle!

Jedes Stück zählt! Niemand erwartet, dass der Kleiderschrank in einer Woche komplett ausgemistet wird. Ich frage mich einfach jedes Mal vor einem Kauf, ob es dieses Kleidungsstück auch in ansprechend fair gibt. Klappt nicht immer, aber wenn, dann freue ich mich besonders.

Nutzt Tauschbörsen wie Kleiderkreisel, stöbert bei eBay und Freunden im Kleiderschrank. Achtet auf Stoffqualität und Verarbeitung. Kauft lieber einmal qualitativ hochwertig und dafür etwas teurer als zweimal billig. Das rächt sich fast immer.

Kauft planvoll: Werdet ihr das Teil wirklich tragen? Lässt es sich mit mindestens drei anderen Kleidungsstücken aus eurem Schrank kombinieren? Oder werdet ihr es eh nie mehr als einmal anziehen?

Zum Schluss noch einen Appell an alle Firmen und Designer: Immer wieder werde ich nach fairer Mode ab Größe 42 gefragt. In diesem Punkt besteht noch massiv Nachholbedarf. Ich würde mich freuen, wenn ich beim nächsten Fashion Guide auch Kleidung in größeren Größen als 38/40 präsentieren könnte;)