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Fast Fashion vs Slow Fashion

Kolumne | Die Fast Fashion Falle

Fast Fashion vs Slow Fashion
Gesucht: Der perfekte Trench. Blau, fair und vegan.

Ich bin auf der Suche nach einem Trenchcoat. Seit Jahren und immer mal wieder. Weil er meinen minimalisierten Kleiderschrank super ergänzen und für lange Zeit dort einziehen würde. Er sollte dunkelblau sein und die Größe L/40 haben. Soweit, so einfach. Kompliziert wird es in dem Moment, in dem er dazu auch noch fair produziert und vegan sei soll.

Auf die Schnelle ging ich also die einschlägigen Fair Fashion Quellen durch und wurde ernüchtert. Was ich online fand war entweder nicht in meiner Größe zu bekommen, zu kurz oder schlichtweg – subjektiv gesehen – zu teuer. Bei einem Stadtbummel gestern verschlug es mich dann tatsächlich in diverse Fast Fashion Shops. „Ich werde die Jacke ja mindestens 5 Jahren tragen und in Ehren halten. Da geht das schon mal klar.“ Dachte ich mir. Trenchcoats sind zum Glück gerade in. Was die Sache erstmal einfacher zu machen scheint. Aber auch der Grund allen Übels ist.

Denn was ich dort vorfand, rief meine innere Vernunftsministerin auf den Plan. Da sind zum einen die bescheiden Bedingungen für die Arbeiter*innen, die uns allen bewusst sind, die wir aber nur zu gerne schnell mal beiseite schieben. Aber da ist auch die immer schlechter werdende Qualität. Ich habe einige Menschen in meinem Bekanntenkreis, für die beispielsweise Esprit immer ein leuchtendes Beispiel für solide Qualität und „was Besseres“ war (und auch immer noch ist…) Was ich gestern sah war jedoch ein Graus: Super dünne Stoffe, schlecht verarbeitete Nähte, Materialen, die so anfällig für Fussel sind, dass die Jacke schon im Laden aussah, als würde daneben eine Katze wohnen. Und das alles zu Preisen, zu denen ich locker auch schon fair produzierte Teile bekommen hätte.

Fast Fashion at its best. Denn „Fast“ heißt in dem Falle nicht nur, dass die Kleidungsstücke schnell und ohne Rücksicht auf Langlebigkeit zusammengeschustert werden, sondern auch, dass sie in nullkommanichts wieder out of fashion sind. Was heute gekauft wird, ist in vier Wochen vielleicht schon wieder aus der Mode. Oder existiert nicht mehr, weil es die Waschmaschine nicht überlebt hat… Und was heute nicht gekauft wird, ist in zwei Wochen schon nicht mehr erhältlich. Also: Schnell, schnell! 

Slow Fashion vs Fast Fashion


Fast Fashion vs Slow Fashion

Im Gegensatz dazu steht der ursprüngliche Gedanke von Mode, den auch heute noch viele Fair Fashion Label verfolgen: Vom Design über die Produktion bis hin zum Verkauf an die Endkunden ist alles in einer Hand. Denn dies gilt als Zeichen von hoher Qualität. Bei fairen Bedingen für alle Beteiligten und unter Berücksichtigung ökologischer Ressourcen verlangsamt das den Herstellungsprozess natürlich deutlich. Das macht Fashion zu „Slow Fashion“.

Auch die üblichen Verdächtigen in Sachen Fast Fashion verfahren nach dem „Alles in einer Hand“-Prinzip. Allerdings nicht aus einem Qualitätsgedanken heraus, sondern um Abläufe kurz und den Gewinn hoch zu halten. H&M, Zara und Co. bringen im Jahr gut 12-24(!) Kollektionen auf den Markt. Damit das funktioniert und die Margen stattlich bleiben, gilt es die Abläufe zu „optimieren“.

Am Design wird gespart, viel lieber lässt man sich von Designern „inspirieren“. Kleidungsstücke werden en masse vorproduziert, damit die Herstellungskosten so niedrig wie irgend möglich gehalten werden können. Überschuss wird „verworfen“, bei sehr guten Verkäufen bleibt keine Zeit zur Nachproduktion, schließlich steht die neue Kollektion schon in den Startlöchern. Mit ein Grund, wieso It-Pieces schnell auf Nimmerwiedersehen ausverkauft sind. Was das „Haben wollen“-Gefühl und den Druck auf den Käufer zusätzlich erhöht. 

Ich mache mich davon nicht frei. Auch ich bin hin und wieder der festen Überzeugung, dass ich DAS Teil unbedingt brauche. Da hilft nur eines: Einatmen, ausatmen und nochmal drüber nachdenken. Ich habe ein paar Regeln aufgestellt, nach denen ich entscheide, ob ich ein Kleidungsstück kaufe oder nicht. Und zum Glück ist da noch meine innere Vernunftsministerin, die mich in solchen Momenten daran erinnert. 

Fazit: Kathrin ist auch weiterhin erstmal ohne Trench. Dafür mit einem Bad Buy weniger. 

P.S.: Es ist endlich mal an der Zeit, meinen Artikel mit Tipps und Links zu veganer und fairer Mode zu überarbeiten. Ich werde mich in den nächsten Wochen mal dransetzen. Seit 2013 ist – zum Glück – einiges passiert.