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Unverpackt Lübeck

Zero Waste | Unverpackt Lübeck | Nachhaltig einkaufen

Unverpackt Lübeck Wenn ich zu einem Store Opening eingeladen bin, bringe ich mittlerweile traditionell einen Geldbaum mit. Dieses fleischige, grüne Ding, das man sich auf keinen Fall selbst kaufen darf. Nur schenken lassen oder irgendwo einen Ableger stibitzen. Wenn man diese Regel befolgt, soll das Geld nur so fließen. Gibt es ein passenderes Geschenk zu einer Ladeneröffnung? Eben.

Leider hat das aber anscheinend die gesamte Blumenhändlergilde von Lübeck noch nicht verstanden. 60 Minuten, 6 Blumenläden und einige gelaufene Kilometer später stand ich also latent gefrustet vor dem nigelnagelneuen Unverpackt Lübeck in der Fleischhauerstraße. Und direkt daneben? Ein Blumenladen! Um 17:59 Uhr betrat ich das Geschäft und verließ es um 18:01 Uhr. Mit einem Geldbaum. Spontan entschied ich mich für einen petrolfarbenen Übertopf. Etwas risky, ich weiß. Umso breiter mein Grinsen, als ich 5 m weiter durch die Tür trat und vor lauter petrolfarbenen Regalen stand. Strike! 

Unverpackt Lübeck

Unverpackt Lübeck ist das gemeinsame Projekt von Wiebke und Gerlinde, die nach nur gut einem Jahr Planung den „Zero Waste“-Gedanken in die Hansestadt bringen. Nach ihrer Diplomarbeit an der Werkkunstschule Lübeck über das Konzept des unverpackten Einkaufens war es für Wiebke von der Theorie zur Praxis gar kein so weiter Schritt mehr. Seit Ende letzten Jahres ist auch Gerlinde mit im Boot, die als gelernte Demeter-Gärtnerin das Gefühl für gut angebaute Lebensmittel und ihre schmackhafte Verarbeitung gleich mitbrachte.

Dank eines Crowdfundings haben die Lübecker*innen nun endlich auch die Gelegenheit Lebensmittel des täglichen Bedarfs ohne Verpackungsmüll, in kleinen Mengen und in regionaler Bio-Qualität einzukaufen. Was bisher nur in Hamburg, Rostock oder Kiel möglich war, passiert nun auch hier. Und das auch noch absolut zentral in der Innenstadt gelegen. Ein echter Glücksgriff! 

Unverpackt LübeckGestern war also inoffizielle Eröffnung und als Crowdfunder durfte ich zusammen mit Freunden und Familie der Beiden in den Laden hineinschnuppern und das ein oder andere vegane Gläschen Wein schlürfen. 

Unverpackt Lübeck hält alles bereit, was der Mensch an Grundnahrungsmitteln und Leckereien brauchen könnte. Neben den Klassikern (Pseudo-) Getreide, Mehle & Cerealien finden sich auch Öle in Bio-Rohkostqualität, Süßigkeiten (Bruchschokolade von Vivani!), Kaffee, Tees sowie Gewürze. Ebenso wird es frisches, saisonales Obst und Gemüse geben. Wie fast alle Produkte werden auch sie aus der Region stammen. Wiebke und Gerlinde haben sich ganz bewusst gegen Bananen, Ingwer und Co. entschieden. 

In großen Kanistern stehen Wasch- und Spülmittel bereit und auch die Körperpflege kommt nicht zu kurz. Für Körper und Haar bietet Unverpackt Lübeck die festen Produkte von Nelumbo aus Hohenseeden an. Besonders schöner Kniff: Die Deocremes, die normalerweise in einen Kunststofftiegel abgefüllt werden, finden sich im Unverpackt in einer Special Edition im Mini-Weckglas. 

Unverpackt Lübeck

Alle Produkte – bis auf wenige Ausnahme komplett in Bio-Qualität – werden in so großen Gebinden wie möglich eingekauft, um den Verpackungsmüll zu minimieren. Um die Wege kurz zu halten, wird zudem überwiegend in der Region eingekauft. Abgefüllen können die KundInnen in selbst mitgebrachten Flaschen, Gläser, Dosen oder Säcke oder in vor Ort gekaufte Behältnisse. Zum Schluss wird gewogen und abgerechnet. Für die Finanzexperten unter uns: Die Preise liegen hierbei übrigens durchschnittlich im Bereich eines herkömmlichen Bioladens. 

Morgen, am Samstag, den 22. April 2017, ist offizielle Eröffnung. Wer also noch nichts vor hat oder wem gerade sowieso der Reis ausgegangen ist, sollte unbedingt in der Fleischhauerstraße 38 vorbei schauen. Mein absoluter Geheimtipp: Die gerösteten süßen Macadamia-Nüsse. Ein GEDICHT! 

Unverpackt Lübeck
Fleischhauerstraße 38
23552 Lübeck 

Öffnungszeiten

Mo. – Fr. 10.00 bis 19.00 Uhr
Sa. 10.00 bis 16.00 Uhr

Unverpackt Lübeck

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Haare waschen mit Roggenmehl

Haare waschen mit Roggenmehl | Top oder Flop?

Haare waschen mit Roggenmehl

Eigentlich war ich fest davon überzeugt, euch im September einen euphorischen Artikel zum Thema „Haare waschen mit Roggenmehl“ zu präsentieren. Vor zwei Wochen dann war ich plötzlich nicht mal mehr sicher, ob ich überhaupt darüber schreiben soll.

Schlussendlich entschied ich mich dafür, auch weil ich Rückmeldungen bekam, die durchaus auch an einem Fazit interessiert waren, welches abweicht vom typischen „Oh mein Gott, mein Haar war nie besser!“-Jubel in den sozialen Netzwerken. So einer wird das hier nämlich nicht. 

Bevor es ans Eingemachte geht, noch einige Anmerkungen von mir: Es gibt sicher dutzende verschiedene Herangehensweisen an eine Wäsche dieser Art. Am Ende hilft nur Experimentieren. Nach 6 Wochen bin ich mit jedoch ziemlich sicher, dass ich das für mich Bestmögliche herausgeholt habe. Mehr war nicht drin. Mein Bericht soll niemanden abschrecken, es nicht auch zu versuchen. Es mag Menschen geben, die mit tensidfreier Haarwäsche wunderbar klar kommen. Für mich war sie nichts. Und das hat mehrere Gründe. 

Haare waschen mit Roggenmehl

Die Lager waren von Anfang an gespalten. Den Einen war das Konzept bekannt, man hatte es vielleicht auch schon mal ausprobiert oder hatte es vor. Die Anderen waren irritiert und zweifelten höchstwahrscheinlich auch an meinem Geisteszustand. Warum um Himmels willen sollte man sich mit Mehl die Haare waschen? Mit Shampoo geht das doch viel besser. Jein. 

Die Beweggründe, sich für eine Haarwäsche mit Roggenmehl zu entscheiden sind vielseitig: 

  • Es werden keine Tenside verwendet. Diese können Haar und Kopfhaut austrocknen. Und in einigen Fällen auch Unverträglichkeiten auslösen.
  • Das Haar wird nur gereinigt, nicht komplett entfettet. Nach einer gewissen Phase der Umstellung, die einige Wochen dauern kann, soll die Kopfhaut weniger Sebum bilden und sich die Intervalle zwischen den einzelnen Haarwäschen somit verlängern lassen.
  • Für die Wäsche mit Roggenmehl braucht es erstmal tatsächlich nur eine einzige Zutat: Roggenmehl. Okay. Und Wasser. Minimalistischer geht es kaum.
  • Da kein Verpackungsmüll aus Kunststoff anfällt ist das Haare waschen mit Roggenmehl auch in der Zero Waste Community sehr beliebt.
  • Im Gegensatz zur No-(Sham)Poo-Wäsche mit anderen Zutaten wie Natron, Lavaerde und Co. wird das Haar durch Roggenmehl zusätzlich noch gepflegt, da im Mehl viele Mineralstoffe, Aminosäuren und Vitamine enthalten sind.
  • Viele berichten von deutlich mehr Volumen nach einer Wäsche mit Roggenmehl. Das Haar fühlt sich griffiger an. Beinahe so, als hätte man einen Festiger verwendet.

Was es zu beachten gilt

Die Art der Haarwäsche funktioniert nur mit Roggenmehl. Immer. Definitiv. Versucht es gar nicht erst. Alle anderen Getreidearten enthalten so viel Gluten, dass ihr am Ende einen Teig auf dem Kopf, der nur schwer bis gar nicht wieder zu entfernen ist!

Wer sich auf eine Haarwäsche mit Roggenmehl einlässt sollte eines zur Hand haben: Essig. Genauer gesagt Apfelessig. Denn dieser ist nach der Wäsche fast immer von Nöten, um die Schuppenschicht der Haare zu schließen (und manchmal zu Beginn die Bildung von Kalkseife zu verhindern. Diese bildet sich vor allem bei hartem Wasser – so wie wir es hier haben – in Verbindung mit Seife, bzw. ihren Rückständen.) Erst nach der sogenannten „Sauren Rinse“ war mein Haar überhaupt zähm- und ansatzweise durchkämmbar. 

Obwohl ich diese Rinse nach einer kurzen Einwirkzeit wieder ausgespült habe, blieb der Essiggeruch doch noch noch eine ganze Zeit im Haar. Und trat wieder verstärkt auf, sobald ich in den Regen kam. Damit ist zu rechnen und gegebenenfalls zu planen. So sollten Termine, bei denen einem Mitmenschen etwas näher kommen (Zahnarzt, Kosmetik, etc…) vielleicht nicht direkt nach dem Haare waschen absolviert werden. Denn nicht jeder steht dem Duft von Essig entspannt gegenüber. Einer Kollegin wird beispielsweise regelrecht übel davon.

Meine Routine

Nachdem ich bereits im letzten Jahr – noch mit deutlich längerem Haar – einen Versuch startete, den aber nach kurzer Zeit entnervt abbrach, wollte ich es dieses Mal wirklich wissen. 6 Wochen nur Roggenmehl. Kein Shampoo, keine Spülung und auch keine weiteren Zusätze wie Kaffee, etc. Das war die Marschrichtung. 

Zwar bräuchte ich bei meiner Haarlänge wohl theoretisch weniger, aber ich mag es üppig und so habe ich mir eine ordentliche Menge Roggenmehl-Matschepampe angerührt.

Kleine Info vorab: Ich wasche meine Haare grundsätzlich über Kopf über der Badwanne. Normalerweise wasche ich meine Haare alle 2 Tage und gebe alle 2-3 Haarwäschen etwas Öl in die Spitzen. Bei meiner aktuellen Länge verwende ich weder Conditioner noch Kuren.

Vorbereitungen vor der Haarwäsche

Roggenmehl „Shampoo“

  • 3-4 EL Roggenmehl (Normales ist besser als Vollkorn, da feiner. Manchen Menschen ist Vollkorn auch zu „reichhaltig“ und die Pflege zu viel.)
  • Einen guten Schwung lauwarmes Wasser (Es soll sich eine eine homogene Masse bilden, die ungefähr die Konsistenz von Shampoo hat. Ich würde mit einer Tasse anfangen und gegebenenfalls im Nachhinein mehr einrühren.)

Ob Vollkorn oder nicht, ich habe das Mehl vorher immer gesiebt. Wer darauf verzichten möchte, sollte die angerührte Masse 10-15 Minuten ziehen lassen, damit auch die gröberen Teilchen die Flüssigkeit aufnehmen und sich keine Klümpchen bilden. Das Wasser sollte maximal lauwarm sein. Zu heißes kann ebenfalls zu Klumpen führen, die sich schwerer aus dem Haar waschen lassen. Beides vermengen und mit dem Schneebesen ordentlich Gas geben. Ich habe jedes Mal gut eine Minute gerührt, um auch letzte Klümpchen zu eliminieren. Am Abend vorher anrühren funktioniert leider nicht. Damit riskiert man Sauerteig, wenn die Masse zu gären anfängt. Sie muss also jedes Mal neu angerührt werden.

Saure Rinse

  • 1 Liter Wasser
  • 1-2 EL Apfelessig
  • einige Tropfen ätherische Öle

Um die Schuppenschicht der Haare zu schließen und die Bildung von Kalkseife zu verhindern habe ich nach der Roggenmehlwäsche immer eine Saure Rinse gemacht. Im Laufe der Zeit ging ich dazu über dem Wasser-Essig-Gemisch noch ein bisschen Duft beizumengen, da dieser das „Essig-Problem“ für mich drastisch minimiert hat. Meine liebste Duft-Kombi war hierbei Lavendel und Orange. 

Haare-waschen-mit-Roggenmehl Erfahrungen

How To

Sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, ist es eigentlich ganz einfach. Die Haare werden gut gespült und die Roggenmehl-Mischung aufgetragen. Hierbei ist es wichtig vor allem den Ansatz zu erreichen, die Längen aber nicht allzu sehr durcheinander zu bringen. Umso schwieriger wird sonst später das Ausspülen.

Ich habe verschiedene Einwirkzeiten ausprobiert und muss sagen, dass ich – egal ob ich die Masse 1, 5 oder 15 Minuten auf dem Kopf hatte – keinen signifikanten Unterschied feststellen konnte. Ansonsten habe ich mich an die gute alte Faustregel „Ausspülen immer doppelt so lange wie Einmassieren“ gehalten. Im Anschluss habe ich die Saure Rinse in Schüben über Ober- und Hinterkopf gekippt und mit den Fingern einmassiert. Nach einer Einwirkzeit von 30 bis 60 Sekunden habe ich diese wieder ausgespült. 

Nach gut 2 Wochen kam nach jeder Wäsche zusätzlich etwas Haaröl in die Spitzen. Zum einen, um das Haar leichter kämmbar zu machen. Zum anderen, um die Enden etwas mehr zu pflegen. Denen fehlte es irgendwann nämlich doch etwas an Geschmeidigkeit und Feuchtigkeit.

Und? Wie war’s?

Ich startete wie gehabt mit einer Haarwäsche alle zwei Tage. Mein Ziel war es weniger die Tenside zu vermeiden,  als vielmehr meine Waschintervalle zu verlängern. Ich bin nämlich von Natur aus faul. Mit der Haarwäsche mit Roggenmehl erhoffte ich mir, mich auf jeden 3. Tag steigern zu können. Gleich vorweg: Das ist mir nicht gelungen.

Dabei fing es so gut an. Schon nach wenigen Tagen fand ich das Haargefühl tatsächlich eigentlich ganz nett. Ich hatte mehr Volumen, irgendwie mehr „Substanz“. Frisuren hielten auffallend gut. Zumindest am ersten Tag. Mit Kalkseife hatte ich bis auf wenige kleine Ausnahmen nicht zu kämpfen. Stark strähnige Stellen wie bei meinem ersten Versuch blieben aus. Allerdings musste ich – um dies beurteilen und gegebenenfalls noch einmal neu waschen zu können –  die Haare (zumindest am Ansatz) komplett durchtrocknen lassen. Da das an einem Arbeitstag zügig vonstatten gehen musste, sah ich mich gezwungen häufiger als sonst zu Fönen. 

Ingesamt war mir das Ergebnis zu unsicher. Meine Kopfhaut und somit auch die Haare waren noch stärker vom meinem Zyklus beeinflusst als sonst. Der erste Tag war immer kein Problem. Mit Shampoo und ohne. Der zweite Tag war Lotterie. Mit Shampoo und ohne. 1/3 ging es offen noch gut, zu 2/3 musste ich einen Zopf machen. „Unter“ Shampoo habe ich gelegentlich mit Trockenshampoo nachgeholfen, um das Ganze etwas luftiger zu gestalten. Mit Roggenmehl musste ich die Haare sehr bewusst nahezu in den Zopf „legen“. Weniger, weil es allgemein strähnig oder fettig aussah. Das war es nicht. Aber es gab immer diese eine Strähne am Hinterkopf, die – wenn sie blöd lag – nach „Build-Up“ aussah. Am dritten Tag habe ich zu 98% gewaschen. Mit Shampoo und ohne. Es gab zwei Tage, an denen ich auch am dritten Tag einen Zopf tragen konnte. Oder vielmehr musste. Ich fühlte mich nicht wohl, ging aber zumindest optisch so durch. 

Leider musste ich nach kurzer Zeit anfangen nach der Wäsche gezielt Haaröl in die Spitzen zu geben. Was ich auf der Kopfhaut manchmal zuviel an Pflege hatte, fehlte untenherum. Meine Haare sind ziemlich  gesund und mit Spliss habe ich zum Glück nichts am Hut, aber nach zwei Wochen fiel selbst mir auf, wie „crisp“ meine Spitzen wurden. Mein Freund fragte mich gar, ob ich etwas mit meinem Haaren gemacht hätte. Die seien plötzlich so hell. Das führe ich auf die fehlende Feuchtigkeit zurück.

Kniffelig wurde es eine Woche vor meiner Pillenpause. Allgemein neigt meine Kopfhaut da zum schnelleren Nachfetten, allerdings beeinflusst das bei Shampoo meinen Waschrhythmus nicht. Bei der Haarwäsche mit Roggenmehl war das anders. Hier musste ich zweimal an zwei Tagen hintereinander waschen. Was bei dem zeitlichen Mehraufwand schon latent nervig war. Zwar wurde ich mit der Zeit immer routinierter und schneller, aber am Ende blieb es was es war: Aufwändiger als eine Wäsche mit Shampoo. Damals: Flasche auf, Shampoo raus, loslegen, ausspülen. Jetzt: Ein halber Kochkurs vorweg…

Dazu kommt, dass ich an den Wochenenden meist unterwegs bin und mir in einem fremden Bad die Haare waschen muss. Heißt: Ich musste sämtliches benötigtes Equipment mit mir herumschleppen. Und das Bad anderer Leute über Gebühr lange in Beschlag nehmen. Vom Essiggeruch ganz zu schweigen. 

Aber auch das habe ich irgendwie gewuppt bekommen. Auch wenn ich regelmäßig Mehlstaub in meinem Koffer hatte und plötzlich 1/4 mehr Gepäck mit mir herumschleppen musste (Behälter mit Mehl, Behälter zum Anrühren der Mischung, Behälter mit Apfelessig, Behälter zum Anmischen der Sauren Rinse, Sieb, Schneebesen….). Egal, wer schön sein will muss leiden. 

Doch dann standen meine Urlaubsplanungen an. Eine Woche Hotel. Mindestens drei Haarwäschen mit Roggenmehl. Ohne Kenntnisse der Badezimmersituation. Ist der Wasserdruck ausreichend, um die Matsche vom Kopf zu bekommen? Gibt es eine Wanne oder nur eine Dusche? Und hat diese womöglich nur eine festmontierte Regenbrause? Was nach Jammern auf hohen Niveau klingt, war plötzlich doch ziemlich wichtig. Zumal ich schnell merkte, dass minimalistisches Packen – wie ich es mittlerweile so gerne mag – nicht drin war. Mein Equipment füllte beim Packtest gut 1/5 bis 1/4 meines Koffers. Zuviel für mich. 

Da passte es mit gut in den Kram, dass meine 6 Wochen-Testphase just am Sonntag vor der Abreise vorbei war. Alles wieder ausgepackt, Shampoo rein. Puh. Mindestens drei Sorgen weniger.

Haare waschen mit Roggenmehl Review

Haare waschen mit Roggenmehl – Mein Fazit

Ja. Es gab Dinge, die mir gefielen. Allen voran das Volumen, welches auch noch am zweiten Tag merklich vorhanden war. Und der deutlich weniger ausgeprägt Frizz, den es leider zusammen mit meiner Naturwelle bei Lieferung gab. Auch der experimentelle Gedanke mir nur mit Roggenmehl und Wasser die Haare zu waschen und damit ordentlich Pluspunkte bei Mutter Erde zu sammeln war reizvoll. 

Aber der Preis ist mir zu hoch. Ich hatte mir vorgenommen tatsächlich mal die Zeit zu stoppen, habe es dann aber doch vergessen. Ich war zu beschäftigt mit Haare waschen…Dennoch würde ich behaupten, dass ich mitsamt Vorbereitung gute 15 Minuten beschäftigt war. Dazu kam das Fönen, auch wenn es nur der Ansatz war. Oder das Trocknen an der Luft. Meine bevorzugte Variante. Ich mag mich getäuscht haben, aber es kam mir vor, als würde auch das wesentlich länger dauern. Im Netz las ich dazu unterschiedliche Meinungen. Auffallend aber, dass es nicht wenigen Menschen anscheinend genauso geht. Ob das am im Haar verbleibendem Fett liegt? 

Ein für mich riesengroßer Minuspunkt ist definitiv die Handling auf Reisen. Erbse hat da einen interessanten Artikel zu verfasst. Da ich aber beinahe jedes Wochenende nicht in meinem eigenen Bad bin, ist das für mich ein Ausschlusskriterium. 

Am Wochenende vor dem Urlaub habe ich mich auch zweimal an der Wäsche mit Lavaerde versucht. Das Haargefühl direkt nach dem Ausspülen war um Längen besser als bei Roggenmehl. Viel weicher und weniger stumpf. Die Ernüchterung kam aber dem Trocknen: Klitschige, strähnige Haare am Oberkopf. Ich musste beide Male erneut waschen. Mit Roggenmehl. Immerhin.

Jetzt wird es Menschen geben, die sagen: „Du hättest einfach länger durchhalten müssen.“ Das mag sein. Die Umstellung klappt bei einigen nach vier Wochen, bei anderen nach acht. Bei manchen klappt sie nie. Ich denke aber, dass ich mir mit meinen sechs Wochen und der Tatsache, dass ich meine Haare kenne, ein Urteil erlauben kann und darf. Sicherlich spielt bei mir auch eine Rolle, dass ich sehr, sehr pingelig mit meinen Haaren bin. Ich habe genaue Vorstellungen wie sie und die Kopfhaut sich anfühlen müssen. Kühl, luftig, trocken. Ich habe kein Problem damit ohne Make Up aus dem Haus oder auch zu wichtigen Terminen zu gehen. Ich HASSE es aber – und ich lege all meinen Ekel in dieses Wort! – wenn ich ungewaschene Haare haben. In Anbetracht dessen kann ich mir für die sechs Wochen selbst ein Fleißbienchen kleben. 

Rückblickend könnte man mich fragen, wieso ich das eigentlich gemacht habe. Jetzt, wo ich mit einem Shampoo zum ersten Mal so zufrieden bin, das ich es bereits zum dritten Mal nachgekauft habe. Nennt es spät-jugendlichen Leichtsinn, Experimentierfreude, Langeweile. Ein Gutes hat es: Nach all den Jahren, in denen ich über das Haare waschen mit Roggenmehl gelesen habe und mich nie selbst traute, weiß ich nun, dass das nichts für mich ist. Immerhin.

punkteklein

Weitere Beiträge zum Thema „Haare waschen mit Roggenmehl“ 

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Herbs and Flowers 

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Zero Waste

Weniger Plastik ist Meer | Zero Waste & Mikroplastik

Zero Waste

Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist aufzuwachen.
Diese Zeit ist jetzt.
-Buddha

Es scheint, als sei Zero Waste das neue Vegan. Das neue Bio. Und der neue Minimalismus sowieso. Zero Waste ist gerade in aller Munde. Doch ist der Verzicht auf Müll so einfach? Plastikdosen raus, Ball Mason Jars rein? 

Ich muss euch nicht das drölftausendste Foto adrett verpackten Müslis zeigen. Auch das ist zwar gut und wichtig. Aber Zero Waste ist noch so viel mehr. Daher möchte ich mich heute einem Thema widmen, dass viele höchstwahrscheinlich bisher außer Acht gelassen haben. Und das vor allem viele Veganer*innen interessieren sollte. Auch mir waren die Auswirkungen dieses ganz speziellen Müllproblems nicht klar. Bis ich im Mai auf Einladung der Whale & Dolphin Conservation in München war und einem Workshop beiwohnte, der den Titel „Weniger Plastik ist Meer“ trug. Zusammen mit einigen anderen Bloggern bekamen wir erst die harte Fakten vor den Latz geknallt, um dann Menschen zu treffen, die sich der Problematik schon eine ganze Weile bewusst sind und versuchen etwas dagegen zu tun und mit gutem Beispiel voran zu gehen. 

Facts First

Ich könnte euch jetzt viele schockierende Bilder von Walen und Seevögeln zeigen, deren Mageninhalt fast ausschließlich aus Kunststoff besteht. Davon gibt es – leider – genug. Ich könnte euch auch erzählen, dass diese „Fehlfüllung“ des Magens dazu führt, dass das Gehirn den Tieren meldet, sie seien satt. Und sie so verhungern. Ich könnte euch auch von Walen erzählen, denen ein Stück Plastik den Magen verschliesst, so dass die aufgenommen Nahrung nicht ankommt . Oder die sich in sogenannten „Geisternetzen“ verfangen und so keine Nahrung mehr aufnehmen können. Und das diese Tiere sich dank ihres Ich-Bewusstseins ihrer misslichen Lage bewusst sind, durch ihre großen Fettreserven allerdings noch wochen- und monatelang durch die Meere schwimmen, mit der Gewissheit bald zu sterben. 

The Most Dangerous Species in the Mediterranean

 

Schauen wir uns lieber eine einfache Rechnung an, die so simpel wie erschreckend ist.

Jährlich gelangen im Schnitt 6,4 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere.

Das entspricht dem Gewicht von 48.200 Blauwalen.

Es gibt schätzungsweise noch rund 25.000 dieser Tiere, vielleicht sogar weniger…

Nur 15% dieses Plastikmülls finden sich an der Oberfläche und nur 15% an der Küste (38% des Mülls am Strand sind Zigarettenkippen!). Der Großteil – nämlich 70% – findet sich am Meeresgrund, wo er ohne Sauerstoff und Sonnenlicht kaum zersetzt wird.
Da steht dann auch mal ein Gartenstuhl aufrecht in tausenden Metern Tiefe und verbreitet morbiden Titanic-Charme. Leider genau in dem Gebiet, in denen die großen Säuger auf Nahrungssuche gehen. 

Mindestens genauso erschütternd ist die Tatsache, dass es sich bei den meisten Plastikteilen um solche handelt, die für den einmaligen Gebrauch geschaffen wurden und recyclebar wären.

Was habe ich damit zu tun? Ich werfe meinen Müll nicht in die Natur! 

Und da kommen wir ins Spiel. Die wenigsten von uns wohnen direkt an der Küste. Oder schmeißen ihren Müll bei der Bootstour ins Wasser. Wie kommt er also da hin? Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht die großen Containerschiffe, die Ladung verlieren (oder verlieren wollen…), die das Gros ausmachen. Der meiste Müll kommt über die Flüsse ins Meer. Von uns. Aus dem Hinterland.

Jeder von uns produziert im Schnitt rund 617 kg Müll pro Jahr. Jede*r Einzelne. Und hier beginnt das Problem. Denn rund 80% des Mülls im Meer ist Haushaltsmüll. Nur 20% stammen aus der Schifffahrt. So treiben beispielsweise allein durch die Donau jeden Tag 4,2 Tonnen Kunststoff dem Meer entgegen. 


Damit kommen wir zu einem Aspekt in der Zero Waste Debatte, der leider immer noch häufig außer Acht gelassen wird: Dem Mikroplastik. Vor allem in der Kosmetikindustrie stolpert man aktuell immer wieder über diesen Begriff. Aber auch die Kleidungsindustrie ist ein großer Verursacher von Mikroplastik. 

Unter dem Begriff Mikroplastik versteht man vor allem entweder großen Müll, der im Laufe der Zeit im Meer immer kleiner gerieben wird oder bereits fertige Pellets aus der Industrie. Hier sind vor allem Zusatzstoffe in Peelings, Duschgels, Zahnpasten und Füllstoffe in dekorativer Kosmetik zu nennen. Doch auch die Kleidungsindustrie stellt in puncto Mikroplastik ein durchaus nicht zu vernachlässigendes Problem dar.

Und nicht nur bei der Produktion. Wahrscheinlich greifen vor allem Veganer*innen häufiger zu Kunstfasern als andere Menschen. Der Verzicht von Leder, Wolle und Seide lässt nur wenig Natur übrig. Wer nicht tagtäglich in 100% Baumwolle, Hanf oder Leinen herumlaufen kann oder mag, muss früher oder später auf künstlich hergestellte Stoffe zurückgreifen. Auch bei Funktionskleidung und im Winter ist mit reiner Baumwolle oft das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Ich persönlich trage beispielsweise gerne Mischgewebe mit einem hohen Baumwollanteil, da diese Stoffe länger die Form bewahren und weniger schnell ausleiern oder knittern als zum Beispiel reine Baumwolle. 

Was ich bisher aber nicht wusste: Bei jedem Waschgang gelangen pro synthetischem Kleidungsstück rund 2.000 Faserteilchen (=Mikroplastik) ins Abwasser! Und diese Teilchen können bisher von keiner Waschmaschine herausgefiltert werden. Leider auch nicht ausreichend von Kläranlagen. Was ein Unding ist, wenn man bedenkt, dass es Forscher*innen sehr wohl gelingt für Messungen die winzigen Teile zu filtern. Warum also schafft die Industrie das nicht? Eine Antwort bleibt sie bisher schuldig. Eine Waschmaschine, die Mikroplastik filtern und sammeln kann ist angeblich in Planung. Mehr ist meines Wissens bisher jedoch nicht bekannt. 

Zero Waste Plastik im Meer

Für das Versagen der Kläranlagen spricht auch, dass vor allem nach starken Regenfällen der Plastikgehalt in den Gewässern steigt. Der Regen spült den Müll in die Gullis, die das Wasser wiederum in die Kläranlagen leiten, die dann das – vermeintlich – gereinigte Wasser wieder dem Kreislauf zu führen. Im Übrigens gibt es neuste Erkenntnisse, dass auch Reifenabrieb einen recht großen Anteil am Mikroplastik in den Meeren hat. Auch dieser Abbrieb wird vor allem bei Regen von der Straße in die Kanalisation gespült. 

Ja, und nu? 

Eine Lösung für dieses spezielle Problem habe auch leider ich nicht parat. Und das macht mir ein wenig Angst. Einzig Vermeidung ist hier und jetzt – soweit es eben geht – möglich. Zero Waste ist nichts, was man „mal eben so“ von Heute auf Morgen umsetzen kann. Ich bewundere Menschen wie Shia, die mit ihrem Freund den nicht-recyclebaren Müll so weit runtergeschraubt hat, dass er in ein Weckglas passt.

Mein Credo ist daher zur Zeit nicht Zero Waste sondern Less Waste. Denn hier gibt es keine Unverpackt Läden oder dergleichen. Aber ich frage mich bei jedem Einkauf: Kann ich eine unverpackte Alternative bekommen? Pappe statt Plastik? Es klappt nicht immer. Aber ein Ball Mason Jar für’s Müsli sollte immer drin sein. 

punkteklein

Unverpackte Link-Liebe an die Blogger:

Inka von blickgewinkelt
Theresa von the waitress
Shia von wasteland rebel
Madeleine von dariadaria

Vielen Dank an die tollen Referent*innen:

David Pfender, WDC
Benedikt Tröster, Vaude 
Katrin Schüler, Plastikfreie Zone 
Steffen Kraft, Kraft & Adel 
Nele Prinz, No Plastic Challenge (Ich hoffe inbrünstig auf die Verwirklichung des tollen Buches!)
Franziska Gruber 

P.S. Ich bin von der WDC nach München eingeladen worden. Trotzdem gilt wie immer: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und nur was mich überzeugt, landet auch auf dem Blog.